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Inside Bahnhofstrasse

Frischling mit viel ­Potenzial

DSM-Firmenich hat einiges aufzuholen; Sonova schärft das Gehör fürs Basisgeschäft; Centiel zeigt sich höchst wachstumsfreudig.

Frank Goldfinger

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Thomas Leysen (r.), VR-Präsident von DSM-Firmenich, und CEO Dimitri de Vreeze zielen auf mehr Wachstum. PR / BILANZ-Collage

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Im Mai erhielt die Schweizer Börse mit DSM-Firmenich gewichtigen Zuzug. Das schweizerisch-niederländische Unternehmen mit Hauptsitz in Kaiseraugst AG entstand 2023 aus der Fusion des Chemiekonzerns DSM mit dem Genfer Aromen- und Dufthersteller Firmenich. An der Börse Amsterdam stiessen die Aktien allerdings auf wenig Gegenliebe: Seit Herbst 2024 schmierten die Valoren um über 50 Prozent ab, erst jüngst haben sie sich etwas erholt. Die Schwäche hat damit zu tun, dass der Konzern ein Gemischtwarenladen war. Inzwischen wurde kräftig ausgemistet und margenschwache Aktivitäten abgestossen. Heute fokussiert sich die Firma auf Aromen- und Duftstoffe sowie Nahrungsergänzungsmittel.
Nun wollen CEO Dimitri de Vreeze (59) und VR-Präsident Thomas Leysen (65) die Früchte der Restrukturierung ernten. Mittelfristig erwarten sie ein organisches Umsatzwachstum von jährlich 5 bis 7 Prozent sowie eine Ebitda-Marge von 22 bis 23 Prozent. Der freie Cashflow wird auf mindestens 14 Umsatzprozente angesetzt, der Gewinn dürfte überproportional steigen. Das spricht für die Aktien, zumal sie mässig bewertet sind; das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) stellt sich für dieses und nächstes Jahr auf 21 respektive 18. Attraktiv ist auch die Dividendenrendite von 3,6 Prozent.

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Frank Goldfinger ist der anonyme Börsenspezialist der BILANZ. Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch
An der Börse treffen die Aktien auf die Titel des (Teil-)Konkurrenten Givaudan. Das Ansehen, das der Genfer Aromen- und Duftstoffproduzent bei Investoren geniesst, muss sich DSM-Firmenich erst noch erarbeiten. Allerdings sind die Givaudan-Papiere mit einem geschätzten KGV von 27 wesentlich höher bewertet. Über die nächsten Monate bescheinige ich den Aktien von DSM-Firmenich deutlich mehr Kurspotenzial.

Schwacher Markt

CEO Eric Bernard (59) und Finanzchefin Elodie Carr-Cingari (51), vor wenigen Monaten beim Hörgeräteexperten Sonova eingewechselt, haben für 2026/27 gute Zahlen vorgelegt. In Lokalwährungen stieg der Umsatz um 5,9 Prozent, das Ebitda wuchs sogar um 17,3 Prozent. Der starke Franken allerdings trübte das Bild: Da gingen die Verkäufe minim zurück, der Betriebsgewinn nahm nur noch um 3,5 Prozent zu.
Die neue Führung schraubt auch an der Strategie. So wird der Sektor Consumer Hearing abgestossen. Dieser besteht primär aus dem Kopfhörergeschäft von Sennheiser. Die Konzentration auf Hörgeräte, Innenohrimplantate und Retail ist hinsichtlich stärkerer Margen zu begrüssen. Das innovative Unternehmen rechnet bis 2030/31 mit einem Umsatz von sechs Milliarden, entsprechend einem Zuwachs von über 60 Prozent. Das ist nur durch Zukäufe zu bewerkstelligen, denn der Hörgerätemarkt wächst mässig.

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Die Aktien standen lange unter Druck, doch haben sie in den letzten drei Monaten zugelegt. Im historischen Vergleich sind sie tief bewertet; das KGV für 2026/27 stellt sich auf 19. Vorderhand kann ich keine Faktoren ausmachen, welche die Kursfantasie anheizen könnten. Mittelfristig dagegen bieten die Valoren Aufholpotenzial.

Rasanter Auftakt

Wie DSM-Firmenich ist auch Centiel neu am Aktienmarkt. Der Spezialist für unterbrechungsfreie Stromversorgung schlüpfte in den Aktienmantel von HT5, Überbleibsel des pleitegegangenen Milchverarbeiters Hochdorf. Damit konnte das KMU den sonst kostenreichen Börsengang umgehen. Der Start war fulminant: Gegenüber der Erstnotiz hat sich der Kurs mehr weit als verdoppelt.
Das liegt einmal am spannenden Geschäftsmodell: Die Produkte des in Lugano beheimateten Unternehmens sorgen dafür, dass bei einem Stromausfall sofort auf Notstromversorgung umgestellt wird. Zudem beseitigen sie Schwankungen in Netzen. Wichtige Kunden sind Spitäler, Rechenzentren oder Banken. Für den jüngst kräftigen Kursschub sorgte die Unterzeichnung eines mehrjährigen Vertriebsvertrags mit der US-Firma Neo Critical Power. Das Abkommen könnte mittelfristig Umsätze im niedrigen dreistelligen Millionenbereich bringen.

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Der Kursrausch hat das für 2026 geschätzte KGV auf luftige 60 getrieben. Nur sind die Centiel-Aktien typische Wachstumswerte mit entsprechend hoher Bewertung. Damit ist klar: Wer sich diese Titel ins Portfolio legt, muss Geduld mitbringen – und Risikobereitschaft.

Gewinne sichern

Immer wieder werde ich von Lesern angefragt, wann sie Kursgewinne sichern sollten. Einen generellen Ratschlag gibt es nicht, denn der Entscheid hängt davon ab, wie die Aussichten des entsprechenden Unternehmens aussehen. Für mich ist jedoch klar, dass Anleger hohe Profite generell anbinden sollten; es ist frustrierend, wenn sich schöne Kursgewinne unversehens wieder in Luft auflösen. Durchforsten Sie deshalb Ihr Depot von Zeit zu Zeit nach Ausreissern.
Ich habe auch meine Empfehlungen der letzten eineinhalb Jahre nach Ausreissern abgeklopft. Ins Auge sticht Glencore mit einer Kursverdoppelung in zehn Monaten. Gut gelaufen sind auch Huber+Suhner (plus 88 Prozent), Galderma (55), ABB (74) oder SoftwareOne (43). Trotz hoher Kursvolatilität brachten die Kauftipps für VAT Group (90) sowie Comet (55) ebenfalls erfreuliche Gewinne. Wer etwas risikofreudiger ist, kann diese beiden Titel weiter halten, denn der Halbleiterzyklus gewinnt an Kraft.

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Ich will nicht verhehlen, dass unter meinen Tipps auch einige veritable Flops zu finden sind; mit Schaudern schaue ich auf die Kursentwicklung von Partners Group, Rieter oder Komax.

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