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Gastbeitrag EqualVoice

Geschlechterneutrale Sprache ist eine Supermacht im Unternehmen

Simona Scarpaleggia, ehemalige CEO von IKEA Schweiz und Boardmitglied von Edge, zeigt die Wichtigkeit inklusiver Sprache auf und warum sie Talente anzieht.

Simona Scarpaleggia

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DiversitΓ€t umfasst mehr als nur MΓ€nner und Frauen: das Alter, die Hautfarbe, der familiΓ€re Hintergrund oder die schulische Ausbildung. Getty Images

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Worte sind Macht. Die Art und Weise, wie wir sprechen; die Begriffe, die wir verwenden – sie beeinflussen das VerstΓ€ndnis und die Auslegung dessen, was wir sagen und was wir effektiv meinen. Und sie tun das viel stΓ€rker als uns bewusst ist.
NatΓΌrlich, an sich ist das keine neue Entdeckung. Gelehrte debattieren seit Jahren ΓΌber diesen Punkt. Die Bedeutung der Sprache – die Macht der Redekunst – ist aber heute noch viel prΓ€senter: sie durchdringt alles, von der Politik ΓΌber Marketing bis zum Familientisch.
Sprache kann absichtlich schroff oder ungewollt subtil gestaltet werden und sie verbindet sich direkt mit unserem Unterbewusstsein. Dem Ort, wo Bedeutungen und Assoziationen entstehen; dort, wo das Potenzial fΓΌr unterbewusste Diskriminierung und Ausgrenzung besteht.

Beispiele aus der RealitΓ€t

Zur Illustration das Beispiel der amerikanischen Hurrikane: Als das National Hurricane Center anfing, die atlantischen TropenstΓΌrme zu benennen, bediente es sich nur Frauennamen – auch wenn in Sprachen wie Deutsch, Italienisch oder FranzΓΆsisch der Hurrikan gar einen mΓ€nnlichen Artikel trΓ€gt.
Erst 1979 wurden erstmals MΓ€nnernamen eingefΓΌhrt, doch der Schaden war bereits angerichtet: Frauen stehen fΓΌr immer mit den katastrophalen Auswirkungen eines Sturms in Verbindung!

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Simona Scarpaleggia
Simona Scarpaleggia ist ehemalige CEO von IKEA Schweiz. Heute ist sie Boardmitglied des Zertifizierungsunternehmens Edge, das auch den Prozess der EqualVoice-Initiative von Ringier zertifiziert.zVg
Simona Scarpaleggia
Simona Scarpaleggia ist ehemalige CEO von IKEA Schweiz. Heute ist sie Boardmitglied des Zertifizierungsunternehmens Edge, das auch den Prozess der EqualVoice-Initiative von Ringier zertifiziert.zVg
Ich bin mir sicher, dass diese Assoziation nie beabsichtigt war. Das war sie auch bei einem Vorfall nicht, in den ich vor vielen Jahren persΓΆnlich verwickelt war: Als ReprΓ€sentantin von Ikea Italien nahm ich an einer Preisverleihung der Regierung teil, um im Namen des Unternehmens eine Auszeichnung entgegenzunehmen.
Als Preis ΓΌberreichten sie mir einen gravierten Teller und eine Erinnerungskrawatte! Als ob es nicht schon genug diskriminierend wΓ€re, als Frau eine Krawatte zu erhalten, setzte der Minister der Regierung mit seinem Nachtrag noch einen drauf: Β«Das macht nichts, vielleicht kΓΆnnen Sie sie Ihrem Mann schenken!Β»
Die Geschichte zeigt: Worte, die zwar nicht beleidigend gemeint waren, kΓΆnnen das in Wirklichkeit sehr wohl sein. Gleichzeitig verraten sie persΓΆnliche diskriminierende Tendenzen.
Umgekehrt kann eine inklusive Sprache sowie ein bewussterer Umgang mit dem eigenen Gesagten viel zu einem inklusiven Umfeld beitragen; ein Umfeld, in dem sich Menschen sicher, einbezogen und respektiert fΓΌhlen. Ein sorgfΓ€ltiger Sprachgebrauch hilft, den Wandel in Richtung einer integrativeren und gerechteren Gesellschaft einzuleiten und zu erleichtern.

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Inklusive Sprache im Unternehmen

Was aber heisst inklusive Sprache? Die einfache Antwort lautet, dass bestimmte Worte und Sprache AusdrΓΌcke vermieden werden, die explizit oder implizit eine bestimmte Gruppe von Menschen ausschliessen – das kΓΆnnen Frauen, ethnische Gruppen oder verschiedene Altersgruppen sein.
Einfachstes Beispiel: Statt nur von Experten, von Experten und Expertinnen reden, denn das umfasst beide Geschlechter und reduziuert nicht das eine auf das mΓ€nnliche Pendant.
Die Verwendung einer integrativen Sprache ist weder eine Modeerscheinung, noch sollte sie ignoriert werden. Integrative Sprache unterstΓΌtzt Organisation: Sie verhindert unbewusste Voreingenommenheit. Potenzielle Bewerbende fΓΌhlen sich durch sie willkommen und Angestellten gibt sie das Vertrauen, neue Ideen vorzubringen.

Anwendungstipps fΓΌr Firmen

Integrative Sprache ist keine kurzfristige Massnahme. Wie kΓΆnnen Organisationen also dazu beitragen, eine integrative Sprache einzufΓΌhren und sie nachhaltig zu pflegen? Insbesondere, wenn es darum geht, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen? Hier die wichtigsten Tipps fΓΌr ein inklusives Umfeld:

1. Verwendung von nicht-diskriminierender Sprache

Nicht-diskriminierende Sprache erklΓ€rt sich am besten ΓΌber Beispiele: Inklusiv heisst, von einer Β«Person, die mit einer psychischen Erkrankung lebtΒ» statt vom Β«psychisch KrankenΒ» zu reden. Γ„hnlich verhΓ€lt es sich mit den «Àlteren ErwachsenenΒ», das klar vorzuziehen ist gegenΓΌber Β«die AltenΒ» oder Β«die SeniorenΒ». Unbewusst werden in GesprΓ€chen meist mΓ€nnliche Pronomen verwendet, einzelne Sitzungen werden auch hierzulande mit Β«Hi Guys (Hallo Jungs)Β» erΓΆffnet.

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Dabei kΓΆnnen bereits einfache Γ„nderungen einen grossen Unterschied bewirken: Die Ernennung eines Β«VorsitzendenΒ» oder einer Β«VorsitzendenΒ» lΓΆst das Problem sofort, ebenso wie die ErΓΆffnung einer Sitzung mit einem frΓΆhlichen Β«Hallo LeuteΒ». Und auch bezΓΌglich der Pronomen lΓ€sst sich mit minimalem Aufwand bereits viel erreichen: Β«meine Damen und HerrenΒ» oder Β«euerΒ» umfassen die gesamte Gruppe und fΓΌhren zu einer grossen Verbesserung.

2. Beseitigung von Vorurteilen aufgrund von Rasse, Religion und nationaler Herkunft.

Als einfache Faustregel gilt: Die ErwΓ€hnung der Rasse, Religion oder Herkunft einer Person ist tabu. Das ist schlicht irrelevant im direkten GesprΓ€ch. Es ist genug, sich fΓΌr Vielfalt einzusetzen und die UnternehmensdiversitΓ€t via Marketingkommunikation, auf den sozialen KanΓ€len oder der Webseite aufzuzeigen.

EqualVoice United

Die Β«HandelszeitungΒ» ist Medienpartnerin der Initiative EqualVoice United. Die Initiative setzt sich fΓΌr mehr Sichtbarkeit von Frauen in der Wirtschaft ein. Grosse Schweizer Unternehmen schliessen sich dem Anliegen an. Weitere Informationen und wie Ihr Unternehmen Teil der Initiative EqualVoice United wird, finden Sie hier

3. Vermeidung geschlechtsspezifischer Vorurteile

Geschlechtsspezifische Vorurteile entstehen im Unterbewusstsein. Um sie zu umgehen, empfiehlt sich die Sie-Form in GesprΓ€chen und die Verwendung geschlechtsneutraler Berufsbezeichnungen wie Verkaufsperson, FΓΌhrungskraft oder Vertriebsleitende. Am wichtigsten ist es, Formulierungen zu vermeiden, die mit einem mΓ€nnlichen Umfeld in Verbindung gebracht werden kΓΆnnten, beispielsweise Β«aggressive Ziele erreichenΒ» oder Β«einen Raum dominierenΒ». Der Zweck und die Werte einer Organisation sind viel umfassender und weder mΓ€nnlich noch weiblich geprΓ€gt.

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4. Keine Altersdiskriminierung

Nicht nur die Vielfalt in Bezug auf Rasse, Ethnie oder Herkunft sollte gezeigt werden, auch die Altersvielfalt gehΓΆrt auf BroschΓΌren, Websites und Videos. So kΓΆnnen alle Generationen angesprochen werden.
FΓΌr die Rekrutierung gilt zusΓ€tzlich, nicht nach Β«Digital NativesΒ» zu suchen. Denn die Bezeichnung Β«Digital NativesΒ» bezieht sich auf die Generationen, die mit Technik aufgewachsen sind. Was aber nicht heisst, dass Γ€ltere Generationen das gleiche Wissen nicht aufweisen kΓΆnnen. Durch die Bezeichnung fΓΌhlen sich aber hochkompetente Leute mit digitalem Expertenwissen nicht angesprochen.

4. Keine Übertreibung der erforderlichen Qualifikationen

Untersuchungen zeigen: Frauen bewerben sich nur dann auf eine Stelle, wenn sie alle der in der Bewerbung genannten Kriterien erfΓΌllen. MΓ€nner hingegen bewerben sich, wenn sie glauben, dass sie 60 Prozent der geforderten FΓ€higkeiten besitzen. Um also mehr Bewerberinnen anzuziehen, sollten in Ausschreibungen Qualifikationen oder Anforderungen nur dann angegeben werden, wenn sie ein effektives Β«MussΒ» und nicht nur ein Β«Nice To HaveΒ» sind.

5. Kommunikation der DE&I-Strategie und -Politik des Unternehmens

Unternehmen, die offen ΓΌber ihren Ansatz in Bezug auf Vielfalt, Gleichberechtigung und Integration (DE&I) sprechen, wecken das Interesse einer viel grΓΆsseren Zahl Berwerber und Bewerberinnen. zusΓ€tzlich stΓ€rkt das DE&I-Engagement den Ruf und die Marke als attraktive Arbeitgeberin.

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Worte beinhalten also in der Tat Macht – und haben diese vielleicht sogar im Zeitalter neuer Technologien und der Wissenschaft weiter ausgebaut. Denn es sind die Programmierer, Tech- und Digitalexpertinnen von heute, die die Maschinen der Zukunft programmieren. Durch ihren Input Β«lernenΒ» die Maschinen zu Β«denkenΒ». Fliesst hier also ein unausgewogenes VerhΓ€ltnis mit ein, kennt die Maschine keine Alternative. Findet sich aber eine gleichgestellte Ausgangslage in der IT und generell in der Arbeitswelt, dann beeinflusst das nachhaltig die Technik der Zukunft und damit auch unsere Gesellschaft.

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