Der durch den Nahostkonflikt anziehende Franken ruft die Schweizerische Nationalbank (SNB) auf den Plan. «Angesichts der internationalen Entwicklung ist unsere Bereitschaft, am Devisenmarkt zu intervenieren, erhöht», erklärte die Notenbank am Montag.
«Wir sind bereit, am Devisenmarkt zu intervenieren, um eine rasche und übermässige Aufwertung des Frankens abzudämpfen, die die Preisstabilität in der Schweiz gefährdet.» Eine solche verbale Intervention hatte die SNB zuletzt 2016 nach dem Votum Grossbritanniens für den Austritt aus der Europäischen Union vorgenommen.
Zuvor hatte die Flucht von Anlegern in die als sicher geltende Währung wegen des Nahost-Konflikts den Euro auf 0,9037 Franken fallen lassen. Das ist der niedrigste Stand seit dem sogenannten Frankenschock im Januar 2015. Nach dem Statement der SNB notiert das Währungspaar bei 0,9064.
Analysten erwarten, dass die SNB Franken verkaufen wird, um die Aufwertung der Währung zu verlangsamen, den Leitzins von aktuell null Prozent jedoch nicht antasten wird.
Er könne sich vorstellen, dass die SNB interveniere, um den Frankenanstieg zu bremsen, erklärte UBS-Ökonom Alessandro Bee. Er gehe aber nicht davon aus, dass die SNB ein gewisses Franken-Kursniveau verteidige. Es sei unklar, wie lange der Konflikt andauern werde.
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Daher sei es nicht sinnvoll, die Schweizer Zinssätze ins Negative zu senken oder andere Notfallmassnahmen zu ergreifen. «Dieser Anstieg des Frankens ist kein strukturelles Problem in der Euro-Zone, wie es 2011 der Fall war», erklärte Bee. «Er ist auf Geopolitik und Risikoaversion zurückzuführen.»
Schweiz nach wie vor auf der US-Beobachtungslite als möglicher Währungsmanipulator
Die SNB bewegt sich mit Devisenmarktinterventionen derzeit auf dünnem Eis. «Solche Interventionen sind ein gutes Werkzeug gegen kurzfristige, oft auch von Spekulationen getriebene Wechselkursausschläge. Eine systematische Währungspolitik wird aber nicht machbar sein», sagte Thomas Stucki, Anlagechef der St. Galler Kantonalbank, letzte Woche im Interview mit cash.ch (hier).
Zum einen möchte die SNB die USA nicht verärgern, was im laufenden Zollkonflikt schlecht ankommen würde. Zum anderen würden die Devisenreserven der SNB und mit diesen die Bilanz wieder so stark anschwellen wie in den Jahren 2015 bis 2021. «Das kann nicht die Absicht der Nationalbank sein», so Stucki. Das US-Finanzministerium hatte in ihrem Bericht Ende Januar die Schweiz als möglichen Währungsmanipulator auf der sogenannten Beobachtungsliste belassen.
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Insgesamt befindet sich die SNB laut Stucki in einer ungemütlichen Situation, viele Möglichkeiten habe sie nicht. «Zinssenkungen sind ein ineffizientes Mittel gegen den starken Franken. Und wenn die SNB die Zinsen wegen des Frankens senken will, müsste sie auf minus 0,75 oder sogar minus 1 Prozent gehen.» Die Kosten für die Wirtschaft oder auch für die Pensionskassen wären dann unverhältnismässig hoch, so Stucki.
Stucki, ehemaliger Leiter Asset Management bei der SNB, sieht keine Trendumkehr bei der Frankenaufwertung, aber primär aus anderen Gründen als dem Iran-Konflikt: «Eine Trendumkehr wird es nicht geben, solange die Inflationsdifferenz zwischen der Schweiz und den anderen grossen Währungsräumen so gross ist. Momentan liegt die Inflationsrate in der Schweiz ja gut 2 Prozent unter der Inflationsrate in den USA und in Deutschland», so Stucki im cash-Interview.