Es ist dieselbe Rebsorte mit verschiedenen Namen: Syrah und Shiraz. Syrah ist die Rebsorte der Rhone: beginnend beim Oberlauf des Flusses im Wallis, über die Spitzenlagen am Hermitage-Hügel bis zur südlichen Rhone, wo Syrah mit Grenache, Mourvèdre und weiteren Sorten zu runden, kraftvollen Rotweinen kombiniert wird.
Aber Syrah ist auch eine internationale Sorte. In Australien ist sie meistangebaute Keltertraube, im Flächenranking liegt Downunder mit 43'000 Hektar auf Platz zwei. In Frankreich steht aktuell mit 67'000 Hektar weltweit am meisten Syrah. Das war nicht immer so.
Unbeliebt in Frankreich
1968 als Shiraz in Australien längst ein Shooting-Star war, bespielte Syrah in Frankreich eine Nische und wurde nur noch an der nördlichen Rhone auf 2'700 Hektar angebaut. Unter den französischen Winzern galt Syrah als ökonomisches Risiko: zu geringe Erträge und hohe Krankheitsanfälligkeit. Anders in Übersee.
Nach Waterloo, Napoleon Bonapartes Sturz und dem Wiener Kongress, konnten sich die eruopäischen Monarchien wieder um den Aufbau der Landwirtschaft in ihren Kolonien kümmern. 1817 reisten die ersten Syrah-Stecklinge unter dem Namen «Hermitage» nach Australien und überlebten die lange Seefahrt unbeschadet.
Ein Schotte verantwortete den Shiraz-Boom
Doch der Syrah-Motor für Australien war der Schotte und Weinbauexperte James Busby (1802-1871), der in ganz Frankreich Schnittholz von hundert Rebsorten sammelte. Unter dem Namen «Sycras» und «Ciras» landete Syrah im Jahr 1833 ein zweites Mal in Australien. Und dieses Mal war die Rebsorte gekommen, um zu bleiben.
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In den 1960ern stand im australischen Barossa Valley ein Dreifaches an Syrah-Reben als in Frankreich.Getty Images
In den 1960ern stand im australischen Barossa Valley ein Dreifaches an Syrah-Reben als in Frankreich.Getty Images
Damals rankten sich zahlreiche Legenden um die Herkunft der Sorte: die Griechen sollen die Traube nach Syrakus auf Szilien gebracht haben. Andere Quellen nannten die persische Stadt Shiraz als Geburtsort der Rebe. Dieser Name setzte sich in Australien durch, weil er einfacher auszusprechen war als «Sycras» oder «Ciras».
Shiraz passte sich dem warmen sonnigen Klima in Australien an. Ertrag und Qualität stimmten. Die Weine waren üppig, weich und von dunkler Frucht. Sie passten zum unkomplizierten Barbecue und Spitzenqualitäten wie Penfolds Grange oder Hill of Grace von Henschke begeisterten viele Weinfans und Sommeliers in Europa.
Neue Ehre in Frankreich
Ob der Erfolg der australischen Shiraz zur Renaissance der Sorte in Europa beigetrug, kann nicht belegt werden. Fakt ist: In den 1980ern lief es im französischen Weinbau nicht rund und Syrah wurde besonders im Süden als Gamechanger eingesetzt. Die Sorte verlieh den oftmals nichtssagenden Weinen mehr Farbe, Kraft und Fülle. Sie erwies sich als ideale Partnerin für Cuvées Grenache und Mourvèdre. Bis 1988 hatte sich die Syrah-Fläche bereits verzehnfacht. Sorten für einfache Alltagsweine wie Cinsault oder Carignan gingen massiv zurück.
Nachdem Syrah als Qualitätssorte wiederentdeckt und aufs Podest gehoben wurde, beschäftigten sich Experten intensiv mit der Herkunft der Sorte. Lange vermutete man die Abstammung von einer Wildrebe im Rhonetal.
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Heute weiss man, das Syrah eine natürliche Kreuzung aus den Sorten Mondeuse blanche und Dureza ist. Syrah von der nördlichen Rhone ist kühl, würzig, tanninreich und wird mit der Reife zugänglicher. Australischer Shiraz ist konzentierte, fruchtbetonter und seine würzigen Aromen erinnern eher an Eukalyptus als an schwarzen Pfeffer. Und die beliebten GSM-Cuvées aus Grenache, Syrah und Mourvèdre bringen üppige Frucht, balsamische Noten und pfeffrige Würze ins Glas.
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