Wenn Bonnet, Dupin und Verlain zum Weinglas greifen
Wir haben die Ferien genossen, am See, in den Bergen, am Meer. Uns erholt und viel erlebt. Doch, oh Schreck, die Landung im Alltag ist härter als befürchtet. Süffige Krimis und Wein helfen.
Eva Zwahlen
Ein Muss für Madame le Commissaire Isabelle Bonnet: ein Glas Rosé auf ihrer Terrasse mit Blick über die Dächer des provenzalischen Dorfes.Shutterstock
Gegen die Unlust, sich wieder im Arbeitsalltag einzurichten, hilft nur eines: sich ein paar Feriengefühle zu retten. Wie man das macht? Ganz einfach: Indem man in seiner Bibliothek oder seiner Lieblingsbuchhandlung einige der derzeit so beliebten Ferienkrimis holt. Süffig-leichte Lektüre, die uns an beliebte Ferienorte entführt. Und im besten Fall auch Lust macht auf die (hoffentlich ebenso süffigen) Weine, die in den Büchern getrunken werden.
Diese – und viele andere Ferienkrimis – helfen, die Landung im Alltag abzufedern.Eva Zwahlen
Diese – und viele andere Ferienkrimis – helfen, die Landung im Alltag abzufedern.Eva Zwahlen
Für Frankreich-Fans gibt es einiges zu entdecken. Literarisch und weinmässig. Da wäre zuallererst einmal die rassige Madame le Commissaire Isabelle Bonnet, früher Leiterin einer Anti-Terror-Einheit in Paris. In Fragolin, im (imaginären) Dorf ihrer Kindheit, im Hinterland der Côte d’Azur, leitet sie ein gemütliches kleines Kommissariat. Doch selbst wenn sie knifflige Fälle lösen muss, lässt sie es sich nicht nehmen, mit ihrer Freundin Clodine im Dorfbistro zu schlemmen.
Provenzalischer Charme oder La vie en rose
Die regionalen Tagesgerichte, die uns Lesenden das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen, werden stets von einem Glas Wein begleitet, von einem schweren Bandol, einem eleganten Rosé aus den Côtes-de-Provence oder einem frischen Weisswein, gekeltert aus Rolle und Clairette. Mit ihrem heimlichen Liebhaber schlürft Madame le Commissaire Dom Pérignon, einen der edelsten (und teuersten) Champagner. Am liebsten aber setzt sie sich abends auf ihre Terrasse über den Dächern von Fragolin und lässt bei einem Glas des berühmten provenzalischen Rosés den Tag Revue passieren.
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Aus dem Languedoc stammt einer von Commissaire Dupins liebsten Weinen: ein kraftvoller Rotwein, der nach Garrigue duftet.Shutterstock
Aus dem Languedoc stammt einer von Commissaire Dupins liebsten Weinen: ein kraftvoller Rotwein, der nach Garrigue duftet.Shutterstock
Commissaire Georges Dupin dagegen ermittelt im Finistère. Das wichtigste Getränk im Leben des leicht verschrobenen Pariser Kommissars, der in die Bretagne strafversetzt wird, ist Kaffee. Beziehungsweise sehr starker Espresso, konsumiert in beängstigend grossen Mengen. Doch Dupin ist ein Gourmet durch und durch. Wenn immer es seine Fälle erlauben, gönnt er sich ein opulentes Mahl. Er probiert sich durch alle Köstlichkeiten der Bretagne, stets natürlich begleitet von auserlesenen Weinen.
Ein Gourmet als Ermittler
In seinem Stammlokal in Concarneau serviert ihm der Patron unaufgefordert seinen Lieblingswein: einen kraftvollen, üppigen Roten aus dem Languedoc, der so perfekt zu seiner Leibspeise passt: dem Entrecôte vom Grill. Seine Hochzeitsreise mit der Kardiologin Claire verbringt Dupin passenderweise auf einem Weingut, an der Loire-Mündung, unweit von Nantes. Mit Begeisterung degustiert er sich durch die diversen Loireweine – bis ein Mord dem Vergnügen ein Ende bereitet.
Meer, Sonne, Zweisamkeit und frisch Prickelndes im Glas – gewisse Krimis (und Weine) bringen einen zum Träumen…Shutterstock
Meer, Sonne, Zweisamkeit und frisch Prickelndes im Glas – gewisse Krimis (und Weine) bringen einen zum Träumen…Shutterstock
Wer noch nicht genug hat, dem sei noch Luc Verlain ans Herz gelegt. Der erfolgsverwöhnte Ermittler in der Abteilung Kapitalverbrechen in Paris kehrt in seine Heimat Arcachon zurück, sechzig Kilometer von Bordeaux entfernt, um seinen betagten Vater zu unterstützen. Schon in seinem zweiten Fall darf er hinter die Kulissen nobler Weingüter schauen. Und selbstverständlich werden in diesem Krimi immer wieder erlesene Bordeauxweine getrunken. Höchste Zeit also, in den Keller zu steigen und sich eine passende Begleitung zur Lektüre zu holen! Dann hat der Blues definitiv keine Chance…