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Weltklasse aus der Schweiz

Grand’Cour, einer der ganz Grossen

Was macht einen besonderen Wein aus? Er zeichnet sich durch Komplexität und Harmonie aus, ist von seinem Terroir geprägt und vermag mindestens zehn Jahre lang vorteilhaft zu altern.

Eva Zwahlen

Der Genfer Jean-Pierre Pellegrin, eine der ganz grossen Schweizer Winzerpersönlichkeiten.
Der Genfer Jean-Pierre Pellegrin, eine der ganz grossen Schweizer Winzerpersönlichkeiten.zVg

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All diese Eigenschaften – und noch viele mehr – vereinigt einer der bemerkenswertesten Schweizer Rotweine: der Grand’Cour aus Genf. Das bewies er mit Bravour am Vintage Tasting vom 30. August in Zürich. Winzer Jean-Pierre Pellegrin hatte nicht weniger als 16 Jahrgänge seines berühmten Cabernet-Blends mitgebracht; der jüngste Wein war ein 2023er, der älteste ein 2006er.
Das Rezept für das Aushängeschild der Domaine Grand’Cour in Peissy ist seit 1996 unverändert: 70 Prozent Cabernet franc und 30 Prozent Cabernet Sauvignon. In schwierigen Jahren werden der Assemblage 5 bis 10 Prozent Merlot beigefügt, damit sie körperreicher wird. «Als ich in den 1980er-Jahren erstmals Cabernet anpflanzte, war das keine Selbstverständlichkeit», erinnert sich Pellegrin. «Die hohe Pflanzdichte – mindestens 10'000 Stöcke pro Hektar – begrenzt den Ertrag und sorgt für perfektes Gleichgewicht.»

Bordeaux-Blend «à la bourguignonne»

Jean-Pierre Pellegrin, der sich als «Kind des Burgunds» bezeichnet und einen Pinot noir keltert, auf den jeder Burgunder Winzer stolz wäre, hat «diese Fixierung aufs Burgund, die anfangs vielleicht ein Handicap war, in einen Vorteil verwandelt». Er, der den Pinot noir heiss liebt, vinifiziert den Cabernet wie einen Pinot, sprich burgundisch: vergoren mit eigenen Hefen, mit ganz wenig Stösseln («ich lasse die Trauben eher ziehen, wie einen Kräutertee, um keine aggressiven Tannine zu extrahieren»), ausgebaut in neuen Burgunder Piècen à 228 Liter.

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«Ich lasse meinen Weinen Zeit. Und arbeite seit Jahren biologisch und biodynamisch.» Das Resultat ist ein sehr individueller, komplexer und tiefgründiger Wein von unglaublicher Finesse, dicht und kompakt, immer aber elegant und von seidiger Textur. Er gehört zur Crème de la crème der Schweizer Weinszene und zu den ersten Mitgliedern von Mémoire des Vins Suisses.

Vom Rebsorten- zum Terroirwein

Jean-Pierre Pellegrin, Träumer, Hobbyarchäologe, Perfektionist und Macher in einem, hat das von den Eltern geerbte alte Gehöft eigenhändig renoviert und in ein Bijou verwandelt. Und das Gut, das einst die ganze Ernte an die Genossenschaft lieferte, zu einem der führenden Schweizer Weinbetriebe gemacht. «Früher gab es in Genf nur Rebsortenweine, heute steht das Terroir im Fokus.»
16 Jahrgänge des Grand’Cour wurden verkostet. Der jüngste Wein stammte aus dem Jahr 2023, der älteste aus dem Jahr 2006.
16 Jahrgänge des Grand’Cour wurden verkostet. Der jüngste Wein stammte aus dem Jahr 2023, der älteste aus dem Jahr 2006.Eva Zwahlen
16 Jahrgänge des Grand’Cour wurden verkostet. Der jüngste Wein stammte aus dem Jahr 2023, der älteste aus dem Jahr 2006.
16 Jahrgänge des Grand’Cour wurden verkostet. Der jüngste Wein stammte aus dem Jahr 2023, der älteste aus dem Jahr 2006.Eva Zwahlen
Bei jungen Weinen dominieren die Jahrgangsunterschiede, «doch mit zunehmender Reife erkennt man das Terroir, die Philosophie des Winzers, die Arbeit im Rebberg.» Als Jean-Pierre sein Studium in Changins abgeschlossen hatte, hiess es, in Genf gebe es gar kein Terroir… Heute weiss man, dass es existiert – und vorwiegend aus Molasse besteht, was sehr günstig ist für den Wasserhaushalt. «Glücklicherweise erträgt der Cabernet Hitzeperioden wie in diesem Sommer recht gut», meint der Winzer, der stets auf der Suche nach Delikatesse und Finesse ist.

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Delikatesse und Finesse

Eine Gemeinsamkeit, die tatsächlich alle verkosteten 16 Jahrgänge aufweisen. Etwa der sehr frische, mineralische 2021er, im Gaumen vergleichsweise schlank, aber von bestechender Frische. Oder der grossartige 2016er (ein sogenannt schwieriger Jahrgang), anfangs ernsthaft und etwas streng, dann von perfektem Gleichgewicht und sehr jugendlich. Absolut grossartig auch der 2010er, intensiv nach roten und schwarzen Beeren sowie Gewürzen duftend, aus einem Guss, tiefgründig und endlos lang.
Sogar der 2006er, stolze zwanzig Jahre alt, macht noch Freude: klassisch, elegant und mit einer Seele, die nur grosse Weine haben. «Als ich anfing, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass meine Weine so gut altern würden», meint der Winzer fast ein bisschen verlegen. Eine befreundete Weinjournalistin fragt sich nach dem eindrücklichen Tasting, wieso man noch überteuerte Bordeaux kaufen solle, wenn es in der Schweiz doch solche Weine gebe: Weltklasse, made in Switzerland!

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