Rebsorten, die weniger empfindlich auf Pilzkrankheiten sind, gibt es schon seit über hundert Jahren. Wegen der Kupferproblematik im Bio-Weinbau gewinnen die «Piwis» immer mehr an Bedeutung. Shutterstock
In Sachen Bioweinbau ist Österreich der Spitzenreiter der DACH-Länder mit einem Anteil von 25 Prozent (10'524 Hektar) der Gesamtrebfläche, gefolgt von der Schweiz mit 20 Prozent (2'800 Hektar) und Deutschland mit knapp 15 Prozent (15'300 Hektar).
Doch der biologische Rebbau hat ein Problem, das immer mehr zur Hypothek wird: Der Einsatz von Kupfer als Pflanzenschutzmittel gegen den Falschen Mehltau.
Neue Rebsorten gegen zu viel Kupfer im Boden
Kupfer reichert sich im Boden an, anders als Netzschwefel, der gegen den Echten Mehltau gespritzt wird und biologisch abbaubar ist.
Noch ist Kupfer als Mittel gegen den Falschen Mehltau im Bio-Weinbau zugelassen. Doch das Metall reichert sich im Boden an und kann auf Dauer Bodenlebewesen schädigen.Shutterstock
Noch ist Kupfer als Mittel gegen den Falschen Mehltau im Bio-Weinbau zugelassen. Doch das Metall reichert sich im Boden an und kann auf Dauer Bodenlebewesen schädigen.Shutterstock
Zwar gibt es in der Forschung für Kupfer-Ersatzmittel erste, vielversprechende Resultate, doch bis die Mittel marktreif sind, wird es eine Weile dauern.
Und neue Mittel entschärfen ein Problem nicht: Je nach Witterung muss öfter gespritzt werden. Das Befahren der Rebzeilen mit Maschinen verdichtet den Boden, was nicht im Sinne des biologischen Anbaus ist.
Robuste Piwis gewinnen an Akzeptanz
Darum entscheiden sich immer mehr Weinbaubetriebe für das Pflanzen pilzwiderstandsfähiger Sorten. Die Piwi-Sorten werden, Stand 2023, auf 519 Hektar der Schweizer Rebfläche angepflanzt. Kantonaler Hotspot ist Luzern mit einem Anteil von 30 Prozent Piwis.
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Die beliebtesten weissen Piwis in der Schweiz sind Souvignier gris, Solaris und Muscaris. Divico, Cabernet Jura und Regent sind die Spitzenreiter bei den roten Varietäten.
Langwierige Kreuzungszüchtungen
Die robuste Sorten sind Kreuzungen aus bekannten europäischen Reben der Art Vitis vinifera mit amerikanischen oder asiatischen Wildreben, die resistent gegen Mehltauerkrankungen sind.
Mit der Züchtung wird versucht, das etablierte Aromenprofil europäischer Edelreben wie Cabernet Sauvignon, Pinot noir, Sauvignon blanc oder Riesling mit den Resistenzmerkmalen der Wildreben zu kombinieren.
Solaris gehört in der Schweiz zu den beliebtesten weissen Piwi-Sorten. Auch in nördlichen Ländern wie Dänemark und Schweden ist die frühreifende Traube beliebt.Shutterstock
Solaris gehört in der Schweiz zu den beliebtesten weissen Piwi-Sorten. Auch in nördlichen Ländern wie Dänemark und Schweden ist die frühreifende Traube beliebt.Shutterstock
Weil aus einer Kreuzung zig verschiedene Reben mit zig verschiedenen Merkmalen entstehen, zieht sich die Arbeit über Jahre hinweg und ist erst abgeschlossen, wenn Resistenz der Reben und Geschmack der Weine auf Herz und Nieren geprüft sind.
Skeptiker überzeugen
Leider rümpfen «eingefleischte» Weinkenner bei Piwis oft die Nase. Die Aromatik ist eine neue und eine Spur intensiver. Bei den roten Sorten ist die Tanninstruktur oft ein wenig kräftiger. Sprich, das Handling der neuen Sorten verlangt von den Winzern viel Fingerspitzengefühl, Beobachtung und Erfahrung. Immerhin hatte man mit Pinot noir & Co. weit über hundert Jahre Zeit zum Üben.
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Um Piwi-Skeptiker so überzeugen, hilft die Blindverkostung. Das Etikett wird abgedeckt und dann entscheidet nicht der Sortenname, sondern einzig Aroma und Geschmack, ob der Wein mundet.
Einstiegsweine für die nüchterne Gen Z
Weinmenschen bewegen sich oft in einer Blase aus Namedropping, Prestigdenken und der Punkte-Skala der Weinkritiker. Klar gibt es noch keinen Piwi, der 100 Bewertungspunkte auf dem Konto hat.
Aber jungen Weintrinkern sind die Punkte-Skalen piepsegal. Sie giessen sich ins Glas, was schmeckt, unkompliziert und mit Nachhaltigkeit punkten kann. Und diese Kriterien erfüllen Weine aus Piwi-Sorten perfekt.