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Wein sucht Käufer

Es rumort auf Sizilien

Sizilien hat in den vergangen 40 Jahren intensiv in die Weinqualität investiert, dennoch gibt es jetzt eine Überproduktion. Das ist ein massiver Rückschlag für die Winzer.

Stefan Keller

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Immer weniger und immer besser, trotzdem stockt der Absatz sizilianischer Weine. zVg

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Die weltweite Absatzkrise ist auch auf der Insel angekommen. Im vergangenen Jahr forderten Winzer im Piemont für Millionen von Liter Krisendestillationen, in diesem Jahr sind es die Weinbauverbände Siziliens.
Aktuell diskutiert man über eine Vergütung von 70 Eurocent pro Liter, die den Herstellern für die Umwandlung von Wein in Reinalkohol bezahlt werden soll, der dann beispielsweise von der Industrie oder für Reinigungsprodukte verwendet werden kann. Betroffen davon ist in erster Linie Rotwein, und dies, obwohl auf Sizilien mehr Weiss- als Rotwein produziert wird: 60 Prozent der Menge wird aus einheimischen Sorten wie Cararratto, Grillo und Inzolia oder Internationalem wie Chardonnay und Pinot grigio gekeltert. Weisswein ist auch Basis des bekannten Marsala-Weins, in der billigen Machart wird er vor allem in der Küche verwendet.

In zwei Generationen Halbierung der Rebfläche

Der sizilianische Rebberg hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten grundlegend gewandelt. 1980 war die Produktionsfläche mit rund 250'000 Hektaren doppelt so gross wie heute; der damals erzeugte Wein floss überwiegend als Tankware nach Norditalien, Frankreich und Russland. Vor Ort wurden lediglich 2,5 Prozent aller Weine abgefüllt. Die gewaltigen Gärkeller jener Ära – die sogenannten Palmenti – zeugen noch heute von diesem anonymen Massengeschäft.

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Aufbruch in den 1990er-Jahren

Ab den 1990er Jahren läuteten Visionäre wie Diego Planeta, Giacomo Rallo und Lucio Tasca gemeinsam mit Beratern vom Festland einen tiefgreifenden Wandel ein. 1998 gründeten sie die Vereinigung Assovini, die Sizilien als eigenständige Qualitätsweinregion positionieren sollte. Private Kellereien entstanden, internationale Rebsorten wurden gepflanzt, und der schlummernde Ätna rückte als Terroir ins Bewusstsein. Die Aufbruchstimmung zog Investoren aus aller Welt an. Die Vereinigung Assovini vereint 25 Jahre nach ihrer Gründung 101 Mitglieder, die rund 900 Abfüllungen vermarkten und mehr als 80 Prozent des gesamten Wertes sizilianischer Weine repräsentieren.

Weisse Sorten in der Mehrheit

Heute umfasst die Anbaufläche 98'750 Hektaren – vergleichbar mit Deutschland. Die bedeutendsten Sorten sind Catarratto (28 961 ha) und Nero d'Avola (15'387 ha), die gemeinsam 45 Prozent der Fläche belegen. Grillo gewinnt kontinuierlich an Boden, während Nerello Mascalese am Ätna internationale Aufmerksamkeit erregt. Mit der Einführung des DOC-Systems 2011 und der Gründung des zugehörigen Consorzio wuchs die qualitätskontrollierte Fläche auf 25'000 Hektaren; DOC- und IGP-Weine decken heute rund die Hälfte des Anbaugebiets ab.

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Vorreiter beim Bioweinanbau

Sizilien nimmt in der biologischen Landwirtschaft europaweit eine Spitzenstellung ein: 28 Prozent aller italienischen Biorebbauflächen liegen hier, global entspricht dies einem Anteil von acht Prozent. Die 2020 gegründete Stiftung SOStain treibt Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft voran – ein Symbol dafür ist eine gemeinsam mit dem Glashersteller O-I entwickelte Leichtflasche, die zu 90 Prozent aus rezykliertem Glas der Insel besteht.

Grosse Exportvolumen – geringer Erlös

Der Exportwert sizilianischer Weine hat sich in zehn Jahren von rund 100 auf 170 Millionen Euro gesteigert. Wichtigster Absatzmarkt ist Deutschland, gefolgt von den USA und Grossbritannien. Gemessen am Hektarerlös – im Fünfjahresmittel 3826 Euro – bleibt die Insel weit hinter Spitzenregionen wie Südtirol zurück.

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