Der Gamaret wurde in der Waadt «geboren» bzw. aus Gamay und Reichensteiner gekreuzt. Die grösste Fläche nimmt er mit 146 Hektar in seinem Heimatkanton ein (im Bild die Waadtländer Côte). Shutterstock
Wenn man Weiss und Rot mischt, dann ergibt das… Rosé. Könnte man meinen. Dem ist aber nicht immer so. Zumindest nicht beim hochkomplizierten Kreuzen verschiedener Rebsorten. Das beweist der – verblüffenderweise – tiefdunkle Gamaret.
Der Gamaret ist eine farbkräftige, tanninreiche Traubensorte, die sich kaum anfällig zeigt auf Graufäule.zVg
Der Gamaret ist eine farbkräftige, tanninreiche Traubensorte, die sich kaum anfällig zeigt auf Graufäule.zVg
Bereits seit 1965 ist die landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope mit Sitz in Pully im Kanton Waadt eifrig dabei, neue, krankheitsresistentere, an die gewandelten Bedingungen angepasstere Rebsorten zu züchten. Der Gamaret wurde 1970 «geboren». Damals kreuzte André Jacquinet die weisse Rebsorte Reichensteiner mit der roten Varietät Gamay. Das Resultat – nach den Eltern Gamay und Reichensteiner benannt – punktete von Anfang an nicht nur mit seinem tiefdunklen Kirschrot, sondern auch mit einer willkommenen Resistenz gegen Fäulnis.
Karriere als Solist
Ursprünglich war die neue Rebsorte als Mitspieler für Assemblagen vorgesehen. Im Konzert mit anderen Sorten sollte der Gamaret seine kräftige Farbe beisteuern. Das – und noch viel mehr – tut er heute nicht nur in der Waadt, seinem Heimatkanton, sondern vor allem auch im Kanton Genf, wo er Bestandteil des Esprit de Genève ist, einer kraftvollen Rotwein-Cuvée.
Längst glänzt er aber auch als Solist. Meistens wird er im Holzfass ausgebaut und überzeugt danach mit seiner raffinierten Würze, seinen schwarzbeerigen Aromen und ausgesprochen kraftvollen Tanninen. Dank seiner ausgewogenen Säure und seiner vollmundigen Fülle ist er ein beliebter Essensbegleiter, etwa zu gehaltvollen Eintopfgerichten oder zu rotem Fleisch. Nicht zuletzt ist er der perfekte Wein zum Barbecue!
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Mit diesen Symbolen versieht das Château de Praz im Vully seinen Gamaret.zVg
Mit diesen Symbolen versieht das Château de Praz im Vully seinen Gamaret.zVg
Newcomer im Aufwind
Im Gegensatz zu vielen anderen Neuzüchtungen konnte sich der Gamaret in den Rebbergen und auf dem Markt durchsetzen, deutlich vor seinen beiden Geschwistersorten Garanoir und Mara, die ebenfalls aus der Vermählung von Reichensteiner und Gamay hervorgegangen sind. 1990 wurde er in der Schweiz offiziell zugelassen.
Heute wächst er bei uns auf 420 Hektar, in der Waadt (146 ha), aber auch in Genf (117 ha) und im Wallis (97 ha). In aller Stille hat er sich auf den vierten Platz der meistangebauten roten Sorten des Landes vorgearbeitet, hinter Blauburgunder, Merlot und Gamay. Doch damit nicht genug: Inzwischen hat er sogar den Sprung über die Grenze geschafft, wurde er doch im französischen Beaujolais sowie im italienischen Aostatal in die Liste der autorisierten Rebsorten aufgenommen. Höchste Zeit also, diesen Newcomer kennenzulernen!