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In letzter Sekunde gerettet

Weinrarität aus der Waadt

Der Plant Robert? Früher gern gestohlen, dann fast verschwunden und heute absolut eine Entdeckung wert!

Eva Zwahlen

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Die alte Gamay-Varietät Plant Robert wird ausschliesslich im Lavaux und hier vor allem in der Region von Cully angebaut. Shutterstock

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Plant Robert – so heisst die rote Spezialität aus dem Lavaux, auf welche die Winzer mächtig stolz sind. Zu Recht, verkörpert der Plant Robert – quasi ein roter Exot im Königreich des weissen Chasselas – doch ein Stück Waadtländer Kulturgeschichte. Bisweilen wird die alte Gamay-Varietät auch Plant Robez oder Plant Robaz genannt.
Der Plant Robert, eine alte, qualitativ besonders interessante Gamay-Varietät, gehört zu ProSpecieRara.
Der Plant Robert, eine alte, qualitativ besonders interessante Gamay-Varietät, gehört zu ProSpecieRara.zVg. von ProSpecieRara
Der Plant Robert, eine alte, qualitativ besonders interessante Gamay-Varietät, gehört zu ProSpecieRara.
Der Plant Robert, eine alte, qualitativ besonders interessante Gamay-Varietät, gehört zu ProSpecieRara.zVg. von ProSpecieRara
Der Name geht auf das altfranzösische «rober» oder «dérober» (= stehlen) zurück, denn offensichtlich wurden die köstlichen Trauben in früheren Zeiten kurz vor der Weinlese gerne bei Nacht und Nebel gestohlen. Wenn das keine Auszeichnung ist! Die traditionsreiche lokale Sorte wurde im 19. Jahrhundert einmal im wissenschaftlichen Werk eines französischen Ampelographen erwähnt, bevor sie wieder vom Radar verschwand.

Zum Tod verurteilt

Erst 1965 sorgte der Plant Robert erneut für Aufsehen. Damals sollte nämlich die allerletzte mit ihm bestockte Parzelle für den Bau der Autobahn A 9 geopfert werden, was sein endgültiges Aussterben besiegelt hätte. Drei engagierte (um nicht zu sagen angefressene) Winzer aus der Region Cully, angeführt vom Rebschulisten Robert Monnier, wollten das nicht hinnehmen und unternahmen eine grosse Rettungsaktion. Jahre später erinnerte sich Robert Monnier daran, wie er im bedrohten Rebberg so viele Reiser wie möglich geschnitten und danach vermehrt hatte.

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Und zwar mittels massaler Selektion. Dabei werden Edelreiser von möglichst vielen verschiedenen Mutterpflanzen gewonnen, damit die genetische Vielfalt der Sorte erhalten bleibt. «Ich habe damals gepfropft, was das Zeug hält, um so viel wie möglich zu retten», erinnerte er sich in einem Gespräch im Jahr 2009. 700 Rebstöcke konnte er schliesslich 1966 bei sich in Cully anpflanzen. Auf diese 700 Reben gehen sämtliche heute existierenden Plant-Robert-Stöcke zurück.

Wie Phönix aus der Asche

Inzwischen hat sich der Plant Robert einen festen Platz im Lavaux zurückerobert, angebaut wird er auf fast neun Hektar, nach einem strengen Pflichtenheft. Er ist ein Geheimtipp. Und eine authentische Spezialität, die eng verbunden ist mit dem einzigartigen Terroir. Die Vereinigung Plant Robert – Robez – Robaz mit rund zwanzig Winzern hat es sich zur Aufgabe gemacht, über die Qualität und Authentizität der zu hundert Prozent aus Plant Robert gekelterten und ausschliesslich im Lavaux gewachsenen Weine zu wachen.
Cully (im Hintergrund die Lavaux-Rebberge) ist der Hauptort der seltenen Sorte.
Cully (im Hintergrund die Lavaux-Rebberge) ist der Hauptort der seltenen Sorte.Eva Zwahlen
Cully (im Hintergrund die Lavaux-Rebberge) ist der Hauptort der seltenen Sorte.
Cully (im Hintergrund die Lavaux-Rebberge) ist der Hauptort der seltenen Sorte.Eva Zwahlen
Doch was unterscheidet einen Plant Robert von einem normalen Gamay? Er bringt auffallend würzige Weine mit konzentrierten Noten von Waldbeeren, Cassis und schwarzen Kirschen, ja sogar mit floralen Akzenten hervor. Im Gaumen präsentiert er sich lebhaft und frisch, getragen von einer saftigen Säure, ungemein fruchtig und mit sympathisch rustikalem Charme. «Gutmütig, rund und freundlich, so wie wir Waadtländer…», lacht einer der Winzer, die bei seiner Rettung mitgeholfen haben.

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Begehrter Essensbegleiter

Als exklusive Rarität ist der Plant Robert in den Restaurants in und um Cully sehr begehrt. Am besten geniesst man ihn innerhalb von fünf Jahren, etwa zu Geflügel- oder Pilzgerichten, aber auch zu rotem Fleisch oder, je nach Zubereitung, sogar zu kräftigen Fischen wie Hecht oder Seeteufel.
Im Caveau von Cully und in den Restaurants des Städtchens probiert man nicht nur exzellente Chasselas, sondern auch den raren Plant Robert.
Im Caveau von Cully und in den Restaurants des Städtchens probiert man nicht nur exzellente Chasselas, sondern auch den raren Plant Robert.Eva Zwahlen
Im Caveau von Cully und in den Restaurants des Städtchens probiert man nicht nur exzellente Chasselas, sondern auch den raren Plant Robert.
Im Caveau von Cully und in den Restaurants des Städtchens probiert man nicht nur exzellente Chasselas, sondern auch den raren Plant Robert.Eva Zwahlen
Nur einen unbestreitbaren Nachteil hat er, der Plant Robert: Er ist so selten, dass man ihn fast nur direkt bei den Produzenten bekommt. Und auch dort ist er jeweils schnell ausverkauft. Umso schöner, wenn es einem gelingt, ein paar der seltenen Flaschen zu ergattern!
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