Kurzer Ausflug in die Geschichte: Im 19. Jahrhundert war Montalcino hauptsächlich bekannt für Moscadello, einen Süsswein aus Muskateller-Trauben. Doch Clemente Santi wollte einen «neuen» Wein für das Dorf auf dem Hügel. 1840 gründete er die Tenuta Greppo. Clemente experimentierte mit einer speziellen Sangiovese-Varietät, die er wegen der dunklen Beerenhaut «Brunello» nannte. 1865 produzierte er den ersten Wein aus Sangiovese Grosso.
Ferruccio Biondi-Santi setzte die Arbeit seines Onkels Clemente fort, füllte 1888 als Erster Sangiovese Grosso unter dem Label Brunello di Montalcino ab und legte das Fundament für einen der berühmtesten Weine Italiens. Keine hundert Jahre später wurde Brunello di Montalcino 1980 zur ersten DOCG im Bel Paese gekürt. Heute leiten Giampiero Bertolini als CEO und Federico Radi als Technischer Direktor das Gut, das der französischen Luxuskonzern EPI im Jahr 2017 kaufte.
Der Toskaner Federico Radi ist seit 2017 technischer Direktor von Biondi-Santi und kennt die Eigenheiten jeder Rebparzelle auf dem Gut.zVg
Der Toskaner Federico Radi ist seit 2017 technischer Direktor von Biondi-Santi und kennt die Eigenheiten jeder Rebparzelle auf dem Gut.zVg
Die klassische Frische erhalten
Für Federico Radi, der durch die Vertikale im Ristorante Orsini in Zürich führt, sind Frische, Eleganz und Finesse die wichtigsten stilistischen Eigenschaften für diese italienische Ikone und daran soll auch die Erderwärmung nicht rütteln.
Im Schnitt sei es 1,6 Grad wärmer als zu Clemente Santis Zeiten, sagt Radi und erzählt von den zahlreichen Massnahmen, die getroffen werden um das Profil des berühmten Weines noch präziser herauszuarbeiten.
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Zum Beispiel sind sieben Hektar junge Reben in Nord-Ost-Ausrichtung gepflanzt, um der Nachmittags-Sonne zu entgehen und die Reife zu entschleunigen. So sind Säure und Tannin, die das Reifepotenzial der Biondi-Santi-Weine prägen, in perfekter Balance.
Historische Parzelle mit gemischtem Bestand aus Oliven und Reben auf dem kargen Boden der Hügelkuppe.zVg
Historische Parzelle mit gemischtem Bestand aus Oliven und Reben auf dem kargen Boden der Hügelkuppe.zVg
Parzellierung für konstante Stilistik
Federico Radi kennt die Parzellen der Tenuta, die sich von 180 bis 564 Meter über Meer erstrecken, wie seine Westentasche. Jede hat ein anderes Mikroklima, eine andere Bodenstruktur. Für welche Weine die Trauben der einzelnen Parzellen eingesetzt werden können, zeige sich oft schon während der Reife, erklärt Radi.
Doch ob ein Jahrgang mit einer Riserva gekrönt werde, entscheide sich während den Blindverkostungen im Keller, wenn Probeweine aus den grossen Fässern aus slawonischer Eiche gezogen werden.
Die aufwendige Arbeit mit den Parzellen erlaubt es den einzigartigen Stil zu bewahren und die Langlebigkeit der Weine zu garantieren. «Biondi-Santi ist kein Winemaker-Wein», sagt Radi. Sprich: Kurzlebige Moden interessieren auf der Tenuta Greppo nicht, was die Vertikale eindrücklich beweist:
Riserva 2019 – sonniger, nicht zu heisser Sommer
Der aktuelle Riserva-Jahrgang duftet nach reifen Weichseln, mediterranen Kräutern und einem Hauch von Salzlakritze. Präziser Auftakt am Gaumen, feinste Gerbstoffe, Noten von dunkler Schokolade, gekrönt von frischer Säure.
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Die raffinierte Küche des Ristorante Orsini in Zürich unterstrich die Grandezza der Weine. Zum gegrillten Kalbsbries mit Auberginen-Crème und knusprig gerösteten Oliven passte die Riserva 2019 perfekt.Ursula Geiger
Die raffinierte Küche des Ristorante Orsini in Zürich unterstrich die Grandezza der Weine. Zum gegrillten Kalbsbries mit Auberginen-Crème und knusprig gerösteten Oliven passte die Riserva 2019 perfekt.Ursula Geiger
Riserva 2013 – kühle Nächte im September
Wie wichtig der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht ist, zeigt sich in der vielschichtigen Fruchtaromatik: Weichseln, knackige Zwetschge und Waldbeeren, dazu ein Hauch von Tabak prägen immer noch die Aromatik. Am Gaumen präsentiert sich der Wein weich, mit reifen Tannine, doch Mittelteil und Finale sind geradlinig und der Wein endet frisch auf eine fordernde Säure.
Der Regen nach einem extrem heissen Juli nahm den Druck von den Reben und sorgt für eine balancierte Reife. In der Nase Lebkuchengewürz, dunkle Beeren. etwas Lakritze und Blutroange. Die Säure am Gaumen fängt das kreidige Tannin auf und sorgt für viel Frische im Finish.
Riserva 1988 – das Spitzen-Jahr
Für diesen Wein wurde ausschliesslich der betriebseigene Sangiovese-Klon «Brunello Biondi-Santi 11» verwendet. Vielschichtige Aromatik mit Noten von Waldheidelbeeren, Kirschen, getrockneten Kräutern, Heublumen und sowie einer leicht balsamische Note (Lakritze). Perfekter Gaumen: Die Säure umhüllt das reife Tannin, was eine berührende Harmonie schafft. Die Flaschen wurden auf dem Gut im Januar 2026 neu verkorkt.
Riserva 1983 – frühe Ernte
Ausreichend Niederschläge im Frühjahr und ein heisser Sommer mündeten in eine frühe Ernte. Noten von Umami und Pumpernickel in der Nase, dazu kleine, dunkle Beeren. Frischer Auftakt feinstes Tannin und im langen Nachhall Noten von warmen Kieselsteinen. Die Flaschen wurden auf dem Gut im Jahr 2022 neu verkorkt.
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Brunello di Montalcino 2020
Dunkles Rubin. Intensive Aromatik, Waldbeeren, Veilchen, etwas getrocknete Rosenblüten und dunkle Schokolade. Griffige Säure im Auftakt, delikates Tannin. Klassischer Jahrgang, der schon zugänglich ist, aber auch noch ein paar Jahre reifen kann.
Rosso di Montalcino 2023
Dunkles Kirschrot. Betörende, rotbeerige Frucht, ein Hauch von Orangenzeste. Saftiger Auftakt, Tannin und Säure sind in Balance und sorgen für einen schönen Trinkfluss. Macht jetzt schon Freude.