Sauvignon blanc ist am längsten Fluss Frankreichs der Weisswein-Star, und wird dank Taylor Swifts Biopic «The end of an era» noch berühmter. Eine kurze Seqenz zeigt eine Flasche Sancerre, die auf dem Mischpult im Studio der Sängerin steht.
Die Fans besorgten sich nach dem Steramen auf Disney Plus sofort den Lieblingswein ihres Idols, der in den USA schneller ausverkauft war, als man ein Swiftie-Armbändeli basteln kann. Den Winzer im Dorf Bué, 296 Einwohner und 630 Hektar Reben, hat die gratis Produktplatzierung gefreut. Und die Aufmerksamkeit, die der Region zuteil wurde, selbstverständlich auch.
Die Loire ist mehr als Sauvignon blanc
Sauvignon wird immer an erster Stelle genannt wird, wenn es Weissweine von der Loire geht. Die andere grosse Sorte geht dabei ein bisschen unter: Chenin blanc.
«Ch'nin», wie die Sorte von Ortsansässigen liebevoll genannt wird, hat am Fluss flächenmässig die Nase ein bisschen vorn. Sie prägt die Weinlandschaft an der mittleren Loire und ist in der Region schon seit dem 9. Jahrhundert bekannt.
Von trocken bis edelsüss
Die Traube ist ein Multitalent. Sie ist Grundstoff für Crémant de Loire, auch weil ihr Duft diskreter und weniger laut ist, als die Sauvignon-Aromatik. Trocken ausgebaut begeistert Chenin mit einem Säurenerv, der sofort zu einem zweiten Schluck animiert. Grüner Apfel, Quitte und weisse Blüten sind die Aromen in den Weinen der Appellationen Vouvray, Savennières und Jasnières.
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Der Kirchturm von Vouvray blitzt hinter den Chenin-Stöcken hervor.Shutterstock
Der Kirchturm von Vouvray blitzt hinter den Chenin-Stöcken hervor.Shutterstock
Die prägnante Säure sorgt für einen wohldosierten Frischekick, wenn Chenin halbtrocken (demi-sec) mit leichter Restsüsse gekeltert wird. Zur Hochform läuft die Sorte als edelsüsse Spezialität auf.
Die gibt es in den Appellationen Quarts de Chaume, Bonnezeaux und Coteaux du Layon. Die nach Quittenpaste, vollreifen Mirabellen, Passionsfrucht und Honig duftenden Weine sind ein Gedicht zu Geflügelleber-Terrinen, Rillettes (Schmalzfleisch) reifem Ziegenkäse sowie Fleischgerichten mit rahmigen Saucen.
Mehr Chenin in Südafrika als sonstwo
Chenin gehört zu den Sorten, die im Ursprungsland weniger wichtig sind als in Übersee. In Südafrika steht mit 19'000 Hektar der Löwenanteil der weltweiten Chenin-Anbaufläche, die vor ein paar Jahren mit rund 33'000 Hektar beziffert wurde.
Johan van Riebeeck soll Chenin ans Kap der Guten Hoffnung gebracht haben. Für den niederländischen Zweig der Ostindischen Kompanie richtete er eine Verpflegungsstation für Seeleute auf dem Weg nach Indien und Südostasien ein.
Die Weinregion Elgin am West Kap gehört zu den Cool-Climate-Zonen in Südafrika und ist bekannt für Chenin blanc mit einer feinen Zitrusnote.Shutterstock
Die Weinregion Elgin am West Kap gehört zu den Cool-Climate-Zonen in Südafrika und ist bekannt für Chenin blanc mit einer feinen Zitrusnote.Shutterstock
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Wein gehörte zu den Getränken, die sich an Bord länger frisch hielten als Wasser. Lange hiess Chenin blanc in Südafrika «Steen» und wurde leider zum Synonym für einfache, günstige Weissweine ohne viel Charakter.
Heute schreiben die südafrikanischen Winzer wieder selbstbewusst Chenin blanc aufs Etikett. Die Palette der Chenins reicht vom fruchtbetonten, leichten Trinkspass für den Sommer bis zu kraftvollen, cremigen Weinen, die teils im Holzfass vergoren werden und hervorragend zu einem XXL-Steak passen, wie es an einem klassischen südafrikanischen Braai serviert wird.