Den Winzern in Bordeaux geht es snicht gut. Zu schaffen macht ihnen nicht nur die Absatzflaute sondern auch der Wertverlust ihres Grund und Bodens.
Ursula Geiger
Sinkender Absatz, schrumpfende Rebfläche und rekordtiefe Bodenpreise. Das Bordelais abseits der grossen Namen steckt in einer tiefen Krise. Shutterstock
Bordeaux ist das führende Anbaugebiet Frankreichs. Das Aushängeschild gepflegter französischer Weinkultur und renommierter Grands Crus, die nicht nur getrunken, sondern auch im Hochpreissegment gehandelt werden.
Es ist die Region mit den schmuckesten Weinschlössern und einem urbanen Zentrum, das Stil, Lebensfreude und Wohlstand ausstrahlt. Die Region, deren Weine als Vorbild für viele Produzenten in der alten und in der neuen Welt dienen.
Es trifft die kleinen Winzer
Doch es läuft längst nicht mehr rund in der Gironde. Die Tageszeitung «Sud-Ouest», Sprachrohr der Region, hat sich dahintergeklemmt und Zahlen von offiziellen Stellen zusammengetragen.
Freihlich trifft die Malaise nicht die grossen Namen. Sie trifft jene, die die breite Basis der Qualitätspyramide bilden. Betriebe, die in der AOC Bordeaux wirken, in den Rebflächen zwischen Garonne und Dordogne (Entre-deux-mers) oder den Appellationen Médoc und Haut-Médoc.
Bordeaux schrumpft am stärksten
Die Gironde ist nach wie vor das grösste Weinbaugebiet Frankreichs, doch schrumpft es im Vergleich zu anderen Regionen auch am stärksten. Zwischen 2017 und 2025 ging die Fläche um knapp 25 Prozent zurück und liegt – Stand 2025 – bei 67'974 Hektar.
In der zweitgrössten Region, dem Département Hérault (Languedoc) ging die Rebfläche im gleichen Zeitraum um elf Prozent zurück. Dort stehen jetzt 64'961 Hektar Reben.
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Saint-Émilion ist mit 2'082 Hektar (Stand 2025) die grösste Weinbaugemeinde in der Gironde.Shutterstock
Saint-Émilion ist mit 2'082 Hektar (Stand 2025) die grösste Weinbaugemeinde in der Gironde.Shutterstock
Wertverlust von bis zu 25 Prozent
In der AOC Médoc sanken die Durchschnittspreise für Rebflächen zwischen 2018 und 2025 von 55'000 Euro pro Hektar auf 10'000. In Margaux von 1,1 Millionen auf 800'000 und in Pauillac von 2,2 auf 1,7 Millionen Euro.
Teils hätten die Rebflächen zwischen 2024 und 2025 ein Viertel ihres Wertes verloren, schreibt der «Sud-Ouest». Die Tragik, die hinter diesen Zahlen steht, nennt Claude Gaudin, seit 2018 Präsident des Erzeugerverbands Médoc, Haut-Médoc und Listrac: «Manche hatten darauf gezählt, ihren Besitz am Ende ihrer beruflichen Laufbahn zu verkaufen, um sich Kapital und eine Rente zu sichern.»
Erschwerend Kommt noch hinzu, dass die Weinverkäufe im Zeitraum zwischen April 2025 und Ende März 2026 unter die symbolische Marke von 300 Millionen Liter gefallen seien. Vor fünfzehn Jahren war der Absatz fast doppelt so hoch.
Krisen-Destillation trotz kleiner Ernten
Weiter rechnet die Zeitung vor, dass trotz der kleinen Ernten in den letzten zwei Jahren, 30 Millionen Liter Wein destilliert werden. 720 Erzeuger aus der Gironde stellten einen entsprechenden Antrag und werden mit 33 Cent pro Liter entschädigt.
Insgesamt wird der französische Staat für die Destillationskampagne auf nationaler Ebene 40 Millionen Euro ausgeben.