Apéro-Kolumne Wein

Am Grill brauchts den Allrounder

Welcher Wein passt zu Wurst, Gemüse und Grillkäse gleichermassen? Tipps für die Barbecue-Saison.

Tina Fischer

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Am Grill greift man gerne zu einem kühlen Bier, doch genauso gut wäre ein Glas mit einem passenden Wein. Tessy Ruppert

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Der Abend fängt entspannt an. Doch dann ernennt einer die Freundin zur Meisterin des Rosts und zur Verantwortlichen des Grillguts: Rindssteak, Pouletschenkel, Grillkäse und Zucchinistreifen – alles brutzelt gleichzeitig über der Flamme, aber nichts will zum gleichen Zeitpunkt gar sein. Das Steak mag es kurz und heiss, das Poulet lieber durch, der Käse nicht zu lang.
Am Grill greift man da gerne zu einem kühlen Bier. Es beruhigt, erfrischt und passt zu den hohen Temperaturen. Doch genauso gut wie ein kaltes Bier wäre ein Glas Wein. Nur gehört dieses zu selten zu einem gelungenen Grillabend.

Zu viele offene Flaschen bedeuten Stress

Ein Grund dafür ist, dass Wein als Grillgetränk einiges komplizierter ist als Bier. So vielfältig wie der Mix an Essen auf dem Rost ist auch die Weinwahl: Ein schwerer Malbec oder Cabernet Sauvignon schmeichelt dem Rindssteak, erdrückt aber das Grillgemüse. Ein leichter Weisser schmeckt beim Grillkäse wunderbar, geht jedoch beim Steak unter. Und Schaumwein bringt die Erfrischung bei der Hitze im Garten, passt aber nicht immer zu den rauchigen Noten. Kurzum: Wer für jeden Gang den richtigen Wein sucht, steht am Ende mit fünf offenen Flaschen da. Und noch mehr Stress als zuvor.

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Was es am Grill braucht, ist ein Wein, der zu allem passt: zum Fleisch, zum Gemüse, zum Halloumi. Einer mit Frucht, aber auch Struktur, der gut gekühlt noch immer Geschmack beibehält. Die Lösung kommt aus der ursprünglichsten aller Weinregionen: dem Bordeaux. Hier keltern Winzer den sogenannten Clairet.
Clairet ist kein Rosé, auch wenn er so aussieht. Er ist eine uralte Bordeaux-Spezialität, die dem englischen «Claret», dem alten Begriff für leichte Bordeauxweine, ihren Namen verdankt. Der Unterschied zum Rosé liegt in der Herstellung: Während ein Rosé nur wenige Stunden mit seinen Beerenschalen in Kontakt ist und so eine leichte Färbung erhält, bleibt der Clairet bis zu 36 Stunden mit den Schalen im Gärtank. Das gibt ihm einerseits eine intensive, kirschrote Farbe und ein kräftiges Beerenaroma von Himbeere, Erdbeere oder Cassis.

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Ein leichtes Pelzli passt auch zum Raucharoma

Andererseits erhält ein Clairet dadurch das, was dem Rosé fehlt: eine leichte Tanninstruktur. Tannin? Das sind die Gerbstoffe aus Beerenschale und Kernen, die einen «Pelz» auf der Zunge hinterlassen. Das Pelzli vom Clairet ist die perfekte Menge für jedes Grillgut: Es hält mit dem Steak und dem Rauchgeschmack mit, überrollt aber auch nicht das leichte Grillgemüse.
Neben dem Clairet gibt es noch eine Regel für Wein am Grill: gekühlt servieren. Im Sommer erwärmt sich jedes Glas schneller, als man denkt. Auch der Rotwein, der zu Hause bei Kellertemperatur aus dem Regal kommt, ist nach zehn Minuten in der Abendsonne bereits zu warm. Die Kühlbox am Grillfest bietet sich also nicht nur für das Bier an.

Typisch: Clairet

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Clairet «Made with Love», Château Thieuley, Bordeaux (F), 2024, 13% Vol. Alk.zVg
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Clairet «Made with Love», Château Thieuley, Bordeaux (F), 2024, 13% Vol. Alk.zVg
Egal, wo man Clairet sucht, einer findet sich fast überall: Der Clairet vom Château Thieuley. Dieser Wein aus Merlot und Cabernet Sauvignon hat alles, was einen guten Clairet ausmacht: Er ist leicht und fruchtig mit typischer Beerenaromatik. Dazu kommt eine dunkle Rosé- Farbe und ein langer Abgang. Gekühlt servieren.
In dieser Kolumne schreiben Redaktor Michael Heim, Redaktorin Olivia Ruffiner und Autorin Tina Fischer alternierend über Bier, Wein und Drinks. Fischers Familie besitzt eine Weinhandlung.

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