Abo
Buchtipp «Ich mache einfach»

Adel verpflichtet, zum Schweigen verdammt

Unternehmerin Valérie de Montmollin bricht das Tabu von Missbrauch in der Familie – und zeigt ihren ganz persönlichen Weg der Selbstheilung. Eine Buchempfehlung der Unternehmerin Astrid von Stockar.

Astrid von Stockar

Astrid von Stockar ist CEO und Eigentümerin von Swissdent sowie Miteigentümerin des Hotels Chesa Grischuna.
Astrid von Stockar ist CEO und Eigentümerin von Swissdent sowie Miteigentümerin des Hotels Chesa Grischuna.PR

Werbung

Adel verpflichtet, sagt man und meint es positiv. Es schwingen ein Durchhaltewille und viel Diskretion mit. Valérie de Montmollin, aus einer alten Neuenburger Adelsfamilie stammend, bestätigt in ihrer Autobiografie «Ich mache einfach» das eine und bricht mit dem anderen. Sie bricht mit dem grossen Schweigen in der Familie, als Diskretion getarnt, die den Missbrauch des eigenen pädophilen Onkels an der achtjährigen Valérie totschwieg.
Auf dem Buchcover strahlt eine schöne Frau und erfolgreiche Unternehmerin, aber spätestens bei der Widmung «Dieses Buch ist meiner ermordeten Herzensfreundin Fabienne … gewidmet» dreht sich einem der Magen um. Der Durchhaltewille der Autorin zieht sich durch das ganze Buch, es ist die Autobiografie einer Überlebenden, die sich über die Musik und ihren starken Willen selber heilen möchte und dabei auch gleich noch plant, eine zweite Karriere als Sängerin anzuhängen. Ihre Lebensgeschichte ist eingebettet in Lieder, die ihr bei der Verarbeitung der schrecklichen Ereignisse helfen sollen. Über einen QR-Code kann man sich die zum Teil selber komponierten Stücke anhören. Da hört das Schöne am Buch aber bereits auf – und man wird in einen Strudel von Missbrauch, Inzest, Mord und Gewalt hineingezogen.

Partner-Inhalte

Valérie wächst mit einer lieblosen Mutter und einem traditionell strengen Vater auf, immer mit dem Gefühl, als Tochter minderwertig zu sein. Der Bruder ihrer Mutter lockt das Kind mit seiner Fröhlichkeit und umsorgenden Art an, vergeht sich aber über zehn Jahre lang an der heranwachsenden Valérie.
Sie lernt zu verdrängen, um zu überleben. Als ihre beste Freundin ermordet wird, trennt sie sich vom Elternhaus, das ihr keinen Schutz bietet, zieht alleine nach Zürich und wird mit 26 Jahren Unternehmerin in der Bankenwelt. Immer wieder gerät sie an falsche Männer.
Der Hauptteil ist dem gewalttätigen Vater ihrer Tochter gewidmet. Ein Narzisst, der sie zum Spielball seiner Gefühlsschwankungen macht. Mithilfe ihres Coachs befreit sie sich aus der toxischen Beziehung und macht aus ihrer Erfahrung einen Lebensratgeber, der sich am Schluss des Buchs wie ein Erste-Hilfe-Feuerwerk über die Lesenden ergiesst; mit einer Liste unterstützender Institutionen und ihren Lebensratschlägen.
Valérie de Montmollin zeigt es allen: Sie versucht, dem Schrecklichen einen Sinn abzuringen, indem sie anderen Frauen vormacht, wie man durchhält, ohne dabei Lebenswillen und Lebenslust zu verlieren.

Buchtipp

«Ich mache einfach», Valérie de Montmollin, Münster Verlag, 180 Seiten, Fr. 26.90.
ich-mache-einfach-epub-3-valerie-de-montmollin.jpeg
PR
ich-mache-einfach-epub-3-valerie-de-montmollin.jpeg
PR

Werbung