Die Swiss-Mutter Lufthansa macht Flugstornierungen massiv teurer. Bislang gab es etwa beim Flex-Modell keine Erstattungsgebühren. Neu muss man bis zu 1800 Franken zahlen.
Nathalie Benn
Flugzeug der Swiss in Zürich: Die Swiss-Mutter Lufthansa dreht an der Preisschraube – zum Leid der Passagiere. Florian Trojer, jetvisuals.com
Die Lage im Nahen Osten ist fragil, sie könnte jederzeit eskalieren. Heisst für Reisende: Flugreisen bergen je nach Strecke immer noch ein Risiko. Jene, die auf Nummer sicher gehen möchten, sichern sich mit einem entsprechenden Tarif ab. So bleibt man nicht auf teuren Tickets sitzen, wenn man die Reise doch nicht antreten möchte.
Wer aber mit der Lufthansa-Gruppe fliegt, muss neu teils saftige Gebühren abdrücken, wenn man das Flugticket storniert. Denn der Konzern hat die Erstattungsgebühren auf Langstrecken massiv erhöht, wie das Reiseportal Reisetopia berichtet. Die neuen Stornierungsgebühren gelten auch bei den Lufthansa-Töchtern, also auch bei der Swiss.
Von den Änderungen betroffen ist etwa der teure Flex-Tarif. Wie der Name schon sagt, soll diese Tarifkategorie maximale Flexibilität garantieren. Eine fixe Grundgebühr gab es bislang keine: Damit waren Umbuchungen und Annullationen oft kostenlos möglich. Bei teureren neuen Flügen musste man allenfalls die Differenz bezahlen.
Gebühren von bis zu 1800 Franken
Seit 7. April ist nun die Grundgebühr für den Flex-Tarif bei der Lufthansa und ihren Töchtern in Kraft. Für die reguläre Economyclass beträgt sie neu 400 Euro (umgerechnet 368 Franken). In der Premium Economy muss man bei einer Stornierung nun mindestens 700 Euro (644 Franken) zahlen, in der Businessclass sind es gar 1000 Euro (920 Franken). Wer ein First-Class-Ticket gebucht hat, muss eine Gebühr von 1500 Euro (1380 Franken) bezahlen. Neben dem Flex-Tarif gelten auch beim sogenannten Green-Tarif, der für nachhaltigeres Fliegen gedacht ist, deutlich höhere Stornierungsgebühren – bis zu 1800 Franken.
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Neue Erstattungsgebühren bei Lufthansa
Die hohen Erstattungsgebühren fallen nicht automatisch für alle Ziele der Lufthansa-Fluggesellschaften an. Betroffen sind Destinationen in Asien und Ozeanien (ausgenommen Australien, China, Japan, Malaysia und Singapur) sowie die Länder Südafrika, Mauritius, Brasilien und die Seychellen.
Auf Anfrage erklärt ein Lufthansa-Sprecher, die Änderungen würden «bis auf weiteres gelten» und seien «vor dem Hintergrund des aktuellen Marktumfelds sowie eines zunehmend dynamischen Buchungs- und Stornierungsverhaltens» getroffen worden. Konkreter wird der Konzern nicht. Auch die Frage, wie die Passagiere auf die neuen Gebühren reagieren, lässt der Sprecher unbeantwortet. Bestehende Buchungen, die vor dem 7. April getätigt wurden, sind von den Anpassungen ausgenommen. Bei der Swiss ist eine Blick-Anfrage noch hängig.
Lufthansa liebäugelt mit Superbillig-Tarif
Im Februar wurde bekannt, dass die Swiss-Mutter auch über einen neuen «Superbillig-Tarif» nachdenkt. Dieser würde sogar den Economy-Light-Tarif, die derzeit billigste Tarifklasse, unterbieten. Und dabei ohne jegliche Extras auskommen. Heisst: kein Handgepäck für die Ablage über dem Sitz, kein Fläschchen Mineralwasser im Flieger und keine Meilen – wie man es bereits von Billig-Fluggesellschaften wie Easyjet und Ryanair kennt.
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Die jüngsten Anpassungen zeigen: Die Lufthansa krempelt ihr Tarifsystem bereits kräftig um. Der Sprecher sagt dazu: «Die unterschiedlichen Tarife der Lufthansa Group Airlines sollen möglichst umfassend die vielfältigen und individuellen Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden abbilden.» Doch bei einer allfälligen Einführung eines Superbillig-Tarifs ist man am Hauptsitz in Köln (D) noch nicht weiter: «Welche neuen Tarife eingeführt werden und zu welchem Zeitpunkt, ist derzeit noch offen.»