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Weingebildet

Die Helden des Sommers sind rosa

Vergesst, was ihr über Rosé zu wissen glaubt. Wer mit diesen Flaschen auftaucht, hat den Sommer verstanden.

Tobias Gysi

Tobias Gysi ist Schweizer Weinakademiker und -sommelier.
Tobias Gysi ist Schweizer Weinakademiker und -sommelier. Stefan Bohrer

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Wenn die Temperaturen steigen, geraten viele grosse Rotweine ins Schwitzen. Was im Winter noch beeindruckt, wirkt an einem heissen Sommerabend schnell überladen. Genau dann kommt Rosé ins Spiel. Nicht als Kompromiss, sondern als clevere Wahl.
Wer heute einen erstklassigen Rosé auf den Tisch stellt, zeigt Weinverständnis. Und zwar ohne mit Fachbegriffen um sich werfen zu müssen. Die wirklich guten Tropfen überzeugen durch Präzision, Frische und Charakter. Sie sind leichtfüssig, aber alles andere als leichtgewichtig.
Tenuta Vallocaia Gemella rosato 2025 Rote Beeren, florale Nuancen, Zitronenzeste. Unkompliziert und fruchtig, angenehmer Abgang. Super Trinkfluss für 16 Franken bei www.bindella.ch
Champagne Bruno Paillard Rosé Première Cuvée Extra Brut. Piemontkirsche, wilde Erdbeere, Mandarine, Brioche. Lebendig und komplex. Elegantes Finale für 71 Franken bei www.martel.ch
Rosa 32 Libeccio 2021 Rote Johannisbeere, Garrigue-Kräuter, Pink Grapefruit, Veilchen. Frisch und mineralisch, leicht salziger und sehr langer Abgang. Grosses Rosé-Kino für 55 Franken bei www.martel.ch
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Tenuta Vallocaia Gemella rosato 2025 Rote Beeren, florale Nuancen, Zitronenzeste. Unkompliziert und fruchtig, angenehmer Abgang. Super Trinkfluss für 16 Franken bei www.bindella.ch PAUL_SEEWER
Das macht Rosé zum perfekten Sommerwein für Wein-Aficionados, die nicht jedem Trend hinterherrennen müssen, sondern diesen lieber selber setzen.
Während andere noch über Tannine, Ausbauarten und Parker-Punkte diskutieren, wird längst die zweite Flasche geöffnet. Denn guter Rosé schafft etwas, das viele grosse Weine nicht schaffen: Er macht sofort Lust auf den nächsten Schluck. Auf das nächste Gespräch. Auf den nächsten Gang vom Grill.

Ein Schluck als Argument

Vor allem die Provence hat diese Kunst perfektioniert. Dort entstehen Rosés, die mit verblüffender Eleganz auftreten. Trocken, mineralisch, präzis und voller mediterranem Lebensgefühl.
Noten von Grapefruit, Zitruszesten, Kräutern und eine feine salzige Frische sorgen dafür, dass selbst eingefleischte Weisswein- oder Rotweintrinker ins Grübeln kommen. Wer mit einer starken Provence-Flasche zum Sommerfest erscheint, muss nicht lange erklären, warum genau dieser Wein auf dem Tisch steht. Ein Schluck reicht als Argument.

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Doch auch ausserhalb Südfrankreichs wird es spannend. Rosé-Champagner verbindet Frische mit Tiefgang und sorgt beim Apéro garantiert für Aufmerksamkeit. Italienische Rosati bringen oft etwas mehr Würze und Struktur mit und passen hervorragend zu kräftigeren Sommergerichten. Genau diese Vielseitigkeit macht Rosé heute so interessant. Er begleitet Fisch, Meeresfrüchte, Gemüse vom Grill, Thunfisch, Lamm oder Antipasti mit einer Selbstverständlichkeit, die viele andere Weine neidisch macht.

Im Stillen ein Grosser

Vielleicht liegt darin das eigentliche Geheimnis. Rosé will niemanden belehren. Er muss nicht der lauteste Wein am Tisch sein. Aber wenn die Runde langsam merkt, wie gut dieser Wein funktioniert, wie perfekt er zum Essen passt und wie schnell die Flasche leer wird, dann steht plötzlich derjenige im Mittelpunkt, der ihn ausgesucht hat.
Und genau deshalb ist Rosé heute weit mehr als ein Sommerwein. Er ist die vielleicht entspannteste Art, seine Weinkompetenz zu zeigen.
Dieser Artikel ist im Bonanza, einem Magazin der BILANZ, erschienen (Juni 2026).

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