Nach ihrem Erstling «Von Geld und Werten» (NZZ Libro 2019), in dem es um die ungeschriebenen Gesetze für eine erfolgreiche Vermögensübergabe ging, fokussieren sich die Co-Autoren Jorge Frey und Eugen Stamm im zweiten Buch nun auf die Angehörigen der übernehmenden Generation. Wie gelingt es diesen, dem Vermögen eine eigene Prägung zu geben, wie wahren sie den Frieden mit ihren Eltern und Geschwistern, auch wenn diese andere Lebensentwürfe verfolgen als sie selbst, und wie werden sie zu verantwortungsvollen Investoren, Unternehmern und Individuen? Frey und Stamm haben dazu über dreissig Interviews mit der nächsten Generation von vermögenden Familien geführt.
Mich beeindruckt der Praxisbezug des Buchs, die Haltung der jungen Generation zu aktuellen Themen – etwa der Erbschaftssteuer – und zu den verschiedenen Alternativen, wie mit dem Vermögen umgegangen werden kann. Einer der gemeinsamen Nenner ist: Die jüngere Generation will einiges anders machen als die ältere. Das ist gut so, und um diesen eigenen Weg zu gehen, kann das Buch «Erbe als Verantwortung» ein hilfreicher Kompass sein. Dennoch braucht es natürlich alle Familienmitglieder dazu – mitsamt zuweilen harten Gesprächen, Diskussionen, Auseinandersetzung mit den subjektiven Bedürfnissen und ganz viel Verständnis. Im Kern geht es darum, dass ein kontinuierlicher interfamiliärer Dialog um das Vermögen und absolute, synchrone Transparenz sehr wichtig sind. Nur so gelingt es, auch in schwierigen Zeiten eine gemeinsame Marschrichtung zu verfolgen – oder aber materiell getrennte Wege zu gehen. Letzteres muss nicht per se negativ sein.