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Neuwagenzulassungen

Wer 2025 im Schweizer Automobil-Markt wirklich gewann

Der VW Tiguan verdrängt den Tesla Model Y von Platz eins und zeigt, dass Stromer es in der Schweiz immer noch schwer haben.

Kurt Bahnmüller

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Fährt auf diesem Jahr auf Platz 1 vor: der VW Tiguan Volkswagen

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Stromer kommen langsam in Gang

Damit die Elektromobilität weiter an Fahrt gewinnt, ist neben steuerlicher Zurückhaltung vor allem ein leistungsfähiges Ladenetz entscheidend. Und hier gibt es noch einiges zu tun in der Schweiz. Zwar haben verschiedene Akteure – von Mineralölgesellschaften bis hin zu Grossverteilern – bereits erhebliche Anstrengungen unternommen, doch der Handlungsbedarf bleibt bestehen. Krispin Romang, Direktor von Swiss eMobility, fordert daher einen gezielten Ausbau der Ladeinfrastruktur in Wohngebäuden. Hier wird die Umsetzung der Motion «Recht auf Laden» jedoch hoffentlich zeitnah nachhaltige Veränderungen bringen. Geht es um das öffentliche Netz, kann die Zahl von 20'000 Ladestationen als Erfolg gesehen werden. Denn pro 100'000 Einwohner kommt man demnach auf über 200 öffentliche Ladepunkte. Damit liegt die Schweiz leicht vor Deutschland, wird aber von Ländern wie den Niederlanden oder Norwegen deutlich übertroffen.

In der Schweiz gibt es zudem noch ein anderes Problem. Romang kritisiert vor allem das Fehlen einer klaren nationalen Strategie für die Dekarbonisierung des Verkehrs: «Mit einer solchen Leitlinie wäre deutlich mehr möglich.» Denn Steckerfahrzeuge erzielten im Jahr 2025 bei den Neuzulassungen in der Schweiz und Liechtenstein einen Marktanteil von knapp mehr als einem Drittel (34 Prozent). Der Marktanteil verteilt sich dabei auf 22,8 Prozent rein elektrische Personenwagen (BEV) und 11,2 Prozent Plug-in-Hybride (PHEV). Die vom Bund ausgegebenen 50 Prozent wurden also nicht erreicht. Doch mit nur noch 71'685 Fahrzeugen sind die Immatrikulationen der Modelle mit Verbrennungsmotor deutlich gesunken.

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Derzeit sind in der Schweiz rund 376'000 Steckerfahrzeuge auf den Strassen unterwegs, dies entspricht einem Marktanteil von rund 8 Prozent. Dass der Anteil am Gesamtbestand trotz hoher Neuzulassungsraten vergleichsweise langsam wächst, liegt an der hohen Lebensdauer der Fahrzeuge in der Schweiz. Da Herr und Frau Schweizer ihr Auto im Durchschnitt deutlich mehr als zehn Jahre fahren, dauert es entsprechend lange, bis sich die Flotte durch Neukäufe vollständig erneuert.

Gewinner und Verlierer

Doch während der Gesamtmarkt auf ein historisches Tief sank, konnten einzelne Marken entgegen dem Trend massiv zulegen. Ein Beispiel hierfür ist MG. Die Marke konnte ihren Absatz auf 3673 Fahrzeuge fast versechsfachen. Auch andere Hersteller verzeichneten Erfolge: So legte Polestar um 78 Prozent zu, während Nissan ein Plus von knapp 23 Prozent verbuchte. Demgegenüber stehen etablierte Marken, die mit deutlichen Rückschlägen kämpfen mussten. Besonders hart traf es Fiat, dessen Immatrikulationen sich im Vergleich zum Vorjahr halbierten. Auch für Mitsubishi (–34 Prozent), Subaru (–32 Prozent) und Mazda (–32 Prozent) verlief das Jahr enttäuschend.
Besonders auffällig ist das Ende der Ära der absoluten Tesla-Dominanz. Zwar blieb der Tesla Model Y das beliebteste Elektroauto der Schweizer, doch insgesamt stürzten die Verkaufszahlen der US-Marke um rund 28 Prozent ab. Der lachende Dritte ist der Volkswagen-Konzern: Mit seinen Marken VW, Audi und dem starken Aufsteiger Škoda beherrscht die Wolfsburger-Gruppe inzwischen den E-Markt und stellt – zusammen mit Marken wie Volvo, Renault und BMW – den Grossteil der Elektroautos in der Schweiz. Eine interessante Randnotiz liefert die Schweizer Vorliebe für den Allradantrieb: Mit 118'342 Einheiten verzeichneten 4 x 4-Fahrzeuge einen leichten Rückgang von 5 Prozent. Dies liegt vor allem daran, dass viele neue E-Modelle für den Massenmarkt zur Effizienzsteigerung oft nur über eine angetriebene Achse verfügen.

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Fernost zieht an

Die langfristigen Gewinner im Schweizer Markt stammen ausserdem zunehmend aus Fernost. Starteten 2020 lediglich zwei chinesische Marken (Polestar und JAC), buhlten 2025 bereits 13 Hersteller aus dem Reich der Mitte um die hiesige Kundschaft. Mit 7322 neu zugelassenen Fahrzeugen – eine Steigerung um mehr als das Viereinhalbfache gegenüber dem Vorjahr – ist der Durchbruch geschafft. Und auch wenn der Marktanteil mit rund 3 Prozent noch bescheiden wirkt, ist die Tendenz durch attraktive Preise und starke lokale Partnerschaften klar steigend. Während einige Marken auf Eigenvertrieb setzen, vertrauen andere auf die Expertise etablierter Akteure: So treibt insbesondere die Emil-Frey-Gruppe mit dem Import von Leapmotor und Zeekr die Expansion massiv voran. Damit ist sicher: Die chinesischen Hersteller sind gekommen, um zu bleiben.

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