Autonomes Fahren verändert die Mobilität grundlegend. Doch bevor die Technologie den Alltag erobert, gilt es, einige Hürden zu nehmen. Das Thema bringt gesellschaftliche, technische und vor allem ethische Fragen mit sich. Zwar verspricht die Automatisierung mehr Sicherheit und Komfort, doch der Erfolg hängt massgeblich von der technischen Zuverlässigkeit und der allgemeinen Akzeptanz ab. Fest steht, dass das Potenzial, den Verkehr effizienter und sicherer zu gestalten, enorm ist. Und das vor allem im öffentlichen Verkehr. Anstelle von starren Fahrplänen und schwach ausgelasteten Linienbussen rücken zunehmend flexible, bedarfsgesteuerte Mobilitätskonzepte mit kleineren Fahrzeugeinheiten in den Fokus. Automatisierte Fahrzeuge bieten hierbei die Chance, bestehende Angebotslücken bedarfsgerecht zu schliessen. Dies gilt insbesondere für ländliche Räume während der Randzeiten oder in der Funktion als Zubringer zum Schienenverkehr, wodurch die gesamte Reisekette gestärkt wird.
Präzisionsarbeit im Furttal
In der Schweiz liefern diverse Pilotprojekte bereits jetzt schon wertvolle und zukunftsweisende Erkenntnisse im Realbetrieb. «Seit dem Jahr 2023 verfügt die Schweiz über eines der modernsten Strassenverkehrsgesetze, das Entwicklungen im Bereich des automatisierten Fahrens schnell aufgreift», sagt dazu Jürg Röthlisberger, Direktor des Bundesamtes für Strassen (Astra). Eines der Projekte, die er dabei anspricht, ist das Pilotprojekt Iamo. Verantwortlich zeigen sich hier das Swiss Transit Lab (STL) wie auch die Kantone Zürich und Aargau sowie die SBB und Eurobus. Getestet wird im zürcherischen Furttal. Zum Einsatz kommen dabei mit der Technologie des chinesischen Unternehmens We Ride ausgestattete Ariya-Elektromodelle von Nissan. In Zusammenarbeit mit Astra wurde eine präzise digitale Karte zur sicheren Navigation der Fahrzeuge erstellt. Zum Start des Projekts waren Fahrzeuge erstmals selbstfahrend im regulären Strassenverkehr mit einem Sicherheitsfahrer unterwegs, der jederzeit eingreifen konnte. In einem zweiten Schritt rollten die Fahrzeuge ohne Sicherheitsfahrer. Geschultes Personal übernahm dabei die Fernüberwachung der Fahrzeuge aus einer Leitstelle bei Eurobus. In einem nächsten Schritt werden nun in der ersten Jahreshälfte 2026 selbstfahrende Personenwagen reale Fahrgäste transportieren. Angedacht sind jetzt etwa 460 Haltepunkte auf über 110 Kilometern Strecke. Einsatz in Randregionen
Ein ähnliches Projekt verfolgt auch Postauto mit den Robotaxis. Unterstützt werden sie dabei von der chinesischen Techfirma Apollo Go. Deren Tochtergesellschaft Baidu zählt zu den führenden globalen Entwicklern autonomer Fahrzeuge, die bereits in 16 Städten wie etwa Abu Dhabi, Hongkong oder Dubai unterwegs sind. Postauto plant mit dem Projekt Amigo die Gebiete zwischen den Kantonen Appenzell, Thurgau und St. Gallen zu erschliessen, die der klassische Linienverkehr bisher nicht abdecken kann. In einer ersten Phase wird die Voralpenlandschaft mit fünf Fahrzeugen präzise kartografiert, bevor ab dem Jahr 2027 die ersten 25 Robotaxis den regulären Passagierbetrieb aufnehmen sollen. Die von Baidu entwickelten Autos nutzen eine Kombination aus Kameras, Radar und sogenannter Lidar-Technologie. Mittels Laserlicht wird dabei ein detailliertes, dreidimensionales Bild der Fahrzeugumgebung erstellt, um eine sichere Navigation zu gewährleisten. Neben den genannten Vorhaben treiben weitere Initiativen die Mobilitätswende voran. Ein drittes, bereits aktives Pionierprojekt findet sich im Limmattal: Im Rahmen des «Logistik- und Mobilitäts- Living-Lab Dietikon-Zürich» sind bereits seit 2024 autonome Lieferwagen in der Paketzustellung unterwegs. Diese Kooperation zwischen der Planzer Transport AG, der ZHAW, der Stadt Dietikon und dem Cleantech Hub Dietikon-Limmattal testet den realen Einsatz autonomer Fahrzeuge auf der sogenannten letzten Meile. Ziel ist es, die Paketzustellung im dichten Stadtgebiet von Dietikon effizienter und nachhaltiger zu gestalten und wertvolle Erkenntnisse für die Logistik der Zukunft zu gewinnen. Ebenfalls schon autonom unterwegs sind Shuttlebusse für Mitarbeitende auf dem Vorfeld des Flughafens Zürich. Und ein weiteres Projekt verfolgt der Schweizer Automobilimporteur Amag. Bis zum Jahr 2028 sollen in der Stadt Zug selbstfahrende Minibusse der Hamburger VW-Tochter Moia zum Einsatz kommen. Sobald die Politik grünes Licht erteilt hat, will die Amag mit der Ausbildung eigener Sicherheitsfahrer beginnen. Die Zukunftsvision ist klar: Bereits im Jahr 2027 sollen die ersten Fahrgäste in einem begrenzten Testbetrieb mit dem autonomen Bus in Zug unterwegs sein, und sie sollen sicher ankommen.