Inge Schneider, unsere Finanzchefin, konnte ich nie riechen. Wenn ich neben Schneider sass, was in Meetings manchmal unvermeidlich war, fühlte ich mich unwohl und abgestossen. Ich konnte die Dame einfach nicht riechen.
Ich dachte, das liege an ihrer hochnäsigen Art, mit der sie ihre Zahlen vortrug. Sie tat es in jenem vorwurfsvollen Tonfall, den viele Finanzchefs haben, wenn sie die Resultate des operativen Managements kommentieren.
Erst viel später, als ich als älterer Student nochmals Biologie studierte, wurde mir klar, warum es mir in der Nähe von Inge Schneider jeweils dermassen gestunken hatte. Der Grund waren ihre MHC-Gene.
Die MHC-Gene sind der wichtigste Baustein unseres Immunsystems. Es sind Proteine, die auf der Oberfläche der Zellen sitzen und körperfremde Molekularstrukturen erkennen. Die MHC-Gene bestimmen dadurch unseren Körpergeruch. Wie wir riechen, ist genetisch bedingt.
Und unser Körpergeruch wiederum ist der entscheidende Faktor bei der Partnerwahl. Mit Inge Schneider und mir wäre es also nie etwas geworden. Ich konnte das Bouquet ihrer MHC-Gene einfach nicht riechen.
Tatsächlich ist die Nase das wichtigste Organ bei der Frage, ob man mit jemandem ein amouröses Verhältnis eingehen möchte. Die Nasenschleimhaut besteht aus zwanzig Millionen olfaktorischen Sinneszellen, die den Duft des potenziellen Partners analysieren und das Resultat ans Gehirn weiterleiten. Dort wird dann über die Dating-Strategie entschieden.
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Das wichtigste Organ bei einer sexuellen Beziehung ist damit der Riechkolben, auch wenn die Männer dabei an ein anderes Organ denken sollten. Und auf die Damen der Gesellschaft umgelegt: Nichts gegen ein umwerfendes Dekolleté, aber Sie müssen wissen, nicht die herausstehenden Augen des Gegenübers fällen die finale Entscheidung, sondern dessen herausstehende Nase.
Bevor wir zur wissenschaftlichen Erklärung kommen, kurz noch eine persönliche Bestätigung des Aromafaktors. Es ist lange her, aber als ich als Jungspund ins Berufsleben einstieg, hatte ich eine ausserordentlich hübsche Freundin. Das trug mir den Ruf eines erfolgreichen Trophäenjägers ein, was mir natürlich enorm schmeichelte. Dann aber sagte sie zu mir: «Du, ich muss etwas Unangenehmes ansprechen.» Ich duschte dann wie ein Verrückter, aber es half nichts mehr.
Die Bedeutung des Geruchs für Partnerwahl und Paarung wurde wissenschaftlich am besten bei den Wölfen und ihren Nachkommen, den Hunden, erforscht. Wenn zwei Wölfe oder Hunde ein unterschiedliches Profil bei den MHC-Genen haben und darum ganz unterschiedlich riechen, dann sind sie füreinander attraktiv.
Ein unterschiedlicher Geruch bedeutet, dass Herr und Frau Wolf nur sehr weit entfernt oder gar nicht verwandt sind. Dadurch haben ihre Nachkommen eine bessere Immunabwehr. Die Diversität und Widerstandskraft in der Population werden gestärkt. Das ruft nach Sex. Wer hingegen gleich wie der Partner riecht, der hat bei der Fortpflanzung weniger Chancen.
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Bekannt wurde dazu ein wissenschaftliches Schnüffel-Experiment. Frauen rochen an T-Shirts, die zwei Tage lang von Männern getragen waren, und bewerteten den Geruch. Sie bevorzugten bei den Shirts jene MHC-Gene und damit jene Gerüche, die ganz anders als ihre eigenen Gene und Ausdünstungen waren.
Unser Tipp also für den Ausgang: Wenn Sie an der Bar eine attraktive Frau kennenlernen, dann schnüffeln Sie erst ausgiebig an ihr. Wenn Sie an der Bar einen attraktiven Mann kennenlernen, dann schnüffeln Sie erst ausgiebig an ihm.
Wenn die Frau oder der Mann gleich riechen wie Sie selber, dann verlassen Sie die Bar.
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