Abo
Apéro

Kap der guten Weine

Unter Experten gelten die Weine aus Südafrika oft als minderwertig. Doch Junge Winzer vom Kap wagen mit alten Trauben nun einen den Neustart.

Tina Fischer

Bier und Wein, so soll es sein. Wir stossen an.
Bier und Wein, so soll es sein. Wir stossen an.Tessy Ruppert

Werbung

Eigentlich wollte ich nur ein paar Tipps abholen, als ich einen Weinexperten nach seinen südafrikanischen Lieblingsweinen fragte. Die leidige Antwort: «Südafrika? Das ist Pinotage-Land. Dort gibt es keine guten Weine!» Ende der Diskussion. Etwas desillusioniert stieg ich bald darauf in den Flieger, um diese angeblich so einseitige Pinotage-Welt zu erkunden.
Pinotage ist Südafrikas Nationaltraube. Professor Abraham Izak Perold kreuzte sie im Jahr 1925 an der Universität Stellenbosch aus Pinot noir und Cinsault. Die Idee war, die Finesse des Burgunders mit der Dürre- und Hitzebeständigkeit der Mittelmeertraube zu vereinen. Heute ist Pinotage Südafrikas Signaturrebe.

Junge Winzer wagen den Aufbruch

Nur: Beim Besuch von zehn Weingütern traf ich keinen einzigen reinsortigen Pinotage an. Dafür fand ich etwas viel Spannenderes.
Die südafrikanische Weinwelt befindet sich im Aufbruch. Was um die Jahrtausendwende im Swartland nördlich von Kapstadt begann, nennt man heute die Swartland-Revolution.
Eine Gruppe junger Winzerinnen und Winzer entdeckte vergessene Weinberge mit uralten Buschreben. Die freistehenden Reben sind zwar aufwendig in der Pflege, liefern aber grossartige Trauben. Die Jungen setzen auf natürliche Hefen, greifen minimal im Weinkeller ein und versuchen, das Terroir in der Flasche wiederzugeben.

Partner-Inhalte

Mittlerweile hat das Unkonventionelle auch andere Regionen wie Hemel-en-Aarde erreicht, und die Jungen brechen mit vielem, was die Superstars aus den Gebieten Stellenbosch und Franschhoek ausmacht.

Unternehmenfamilie Rupert mit Weinbau-Tradition

Klar, die Weine von Anthonij Rupert, dem Vorzeigegut der gleichnamigen Unternehmerfamilie, sind tadellos. Grossartige Bordeaux-Cuvées, rund, kraftvoll, gefällig. Auch der Rust en Vrede aus Stellenbosch, Nelson Mandelas persönliche Wahl für das Galadinner anlässlich seiner Friedensnobelpreisverleihung im Jahr 1993 in Oslo, fällt unter die Kategorie «Wunderbar – aber leider auch vorhersehbar». Und etwas langweilig neben dem, was die neue Generation keltert.
Sie experimentiert mit Dutzenden von Trauben: Verdelho, Sémillon, Tinta Barocca, Palomino. Sie vergärt Chardonnay in grossen Fässern ohne aufdringliche Holzaromatik und baut ihre Weine in Amphoren aus.
Auch im Rebberg testet sie kühlende und wasserspeichernde Lösungen, unter anderem mit Heu. Sie schafft es, die Alkoholprozente tief zu halten: Während ein europäischer Rotwein locker bis zu 16 Volumenprozent aufweist – und damit einen Kater am Folgetag verursachen kann –, trumpfen die südafrikanischen trotz Sommertemperaturen von vierzig Grad mit nur gerade 13 Volumenprozent auf.

Werbung

Es sind elegante Weine mit Rückgrat, Aroma und Frische. Genau wie die jungen südafrikanischen Winzer, die sich immer stärker gegen die etablierten grossen Weingüter behaupten – und deren Weine definitiv auf die Must-have-Liste gehören.
Storm, Pinot Noir
Ignis Pinot noir, Storm Wines.zVg
Storm, Pinot Noir
Ignis Pinot noir, Storm Wines.zVg

Ignis

Hannes Storm keltert im Hemel-en-Aarde-Tal in Südafrika sortenreine Pinot noirs. Ein solcher ist der Ignis: ein grandioser Wein mit roter Johannisbeere, einem Hauch Fynbos – sozusagen das buschige Äquivalent zu unseren Tannenwäldern –, feinen Tanninen und ganz viel Lagerpotenzial.
Ignis Pinot noir, Storm Wines, Hemel-en-Aarde, Südafrika, 2021, 13% vol. Alk., 54.00 Fr.

Werbung