Beginnen wir mit zwei einfachen Fragen. Zuerst eine Zahlenreihe: 1, 2, 5, 14, 41. Welches ist die nächste Zahl? Daneben eine Wortanalogie: Apfel ist zu Obst wie Gabel zu … Küche, Pfanne, Besteck, Löffel, Geschirr. Welches der fünf Wörter ist richtig? Hätten Sie es gewusst? Richtig sind 122 und Besteck.
Es sind zwei typische Fragen aus einem Intelligenztest, wie er 1905 in Frankreich erfunden wurde. IQ-Tests messen die kognitive Intelligenz, das rechnerische, sprachliche und logische Denken. Der Durchschnittswert des IQ ist 100. Ab 130 gehört man zu den Hochbegabten.
Der Mann mit dem höchsten aktuellen Intelligenzquotienten ist Terence Tao. Er kommt auf einen IQ von 230. Die schlauste Frau der Gegenwart ist Marilyn vos Savant mit einem IQ von 228.
Schauen wir also mal, was die beiden Intelligenzbestien in finanzieller Hinsicht aus ihrem Scharfsinn gemacht haben. Terence Tao ist Mathematikprofessor an der University of California, Marilyn vos Savant ist Kolumnistin des US-Magazins «Parade».
Tao kommt mit seiner Professur nach Steuern auf ein Jahreseinkommen von 410’000 Franken. Sein Vermögen wird durch seine Publikationen auf wenige Millionen geschätzt. Tao hat mehrmals lukrative Jobangebote aus der Tech- und der Finanzindustrie abgelehnt, weil er sich nicht vorstellen konnte, in den Strukturen eines grossen Unternehmens zu arbeiten.
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Marilyn vos Savant hat es nach Schätzungen auf ein Vermögen von etwa 20 bis 40 Millionen gebracht. Ihre Kolumne «Ask Marylin», die sich oft mit logischem Denken im Alltag beschäftigt, erscheint seit vierzig Jahren. Ihre Bücher zum selben Thema wurden in diverse Sprachen übersetzt und erreichten Millionenauflagen.
«Die Höhe des Intelligenzquotienten erlaubt keine Voraussage über den Geschäftserfolg.»
Das ist ja ganz hübsch, aber so richtig umwerfend ist es auch wieder nicht. Nehmen wir zum Beispiel Elon Musk, den reichsten Menschen der Welt. Er steht aktuell bei einem Vermögen von 660 Milliarden Dollar, also bei zwei Dritteln des Schweizer Bruttoinlandprodukts. Sein Biograf Seth Abramson schätzt Musks Intelligenzquotienten auf «zwischen 100 und 110» und sagt: «Es gibt null Hinweise für einen höheren IQ-Wert.»
Damit sind wir beim Problem. Die Höhe des Intelligenzquotienten erlaubt keine Voraussage über den Geschäftserfolg. Im Business zählen Faktoren, die ein IQ-Test nicht messen kann. Wichtiger sind Kreativität, taktisches Gespür, soziale Kompetenz, Führungsqualitäten und Durchsetzungsvermögen.
An der Universität von Amsterdam haben sie dazu eine aufschlussreiche Studie gemacht. Sie verglichen die früher üblichen IQ-Tests von rund 60’000 schwedischen Rekruten mit deren späteren Steuerdaten des Finanzamtes. Frage: Verdienen die Klugen dann im richtigen Leben mehr als die Dummen?
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Die Studie stellte die Erwartung auf den Kopf. Den höchsten Intelligenzquotienten hatten Berufstätige die um die 70’000 Euro im Jahr verdienten. Die Spitzenverdiener mit über 180’000 Euro im Jahr lagen beim IQ deutlich tiefer. Die Korrelation von Intelligenz und Berufserfolg war negativ.
Professor Thijs Bol, der Studienleiter, kommentierte seine Resultate mit Ironie: «Spitzenverdiener sind nicht dümmer als der Schnitt, sie sind nur nicht intelligenter.»
Das wissen sie inzwischen auch in den Unternehmen, wenn sie Top-Jobs neu besetzen. Unser Ratschlag deshalb an all die hochintelligenten BILANZ-Leserinnen und -Leser, die Karriere machen wollen. Wenn Sie demnächst bei einem Assessment einen IQ-Test machen müssen, dann stellen Sie sich besser etwas dümmer an, als Sie wirklich sind.
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