Für die Schweizer Fussballnationalmannschaft ist die WM leider bereits vorbei. Für die Fifa steuert sie auf den Höhepunkt zu. Entsprechend kulminiert auch die Kritik an den sagenhaften Preisen, die der Schweizer Verein für die Sitz- und Logenplätze in den amerikanischen Stadien verlangt. Natürlich darf man sich fragen, weshalb der Fussballweltverband im Durchschnitt rund fünfmal mehr Geld verlangt als an den bisherigen Weltmeisterschaften. Und man darf selbst entscheiden, ob ein Finalspiel mehr als 2000 Dollar – so viel kostete das günstigste Ticket für das Spiel im Metlife Stadium in New Jersey – wert ist. Klar aber ist: Die Fifa ist mit ihren saftigen Preisen in den USA nicht allein. Alle, die im Land der unbegrenzten Preise für Sportunterhaltung erstklassige Events vermarkten, gehen ans Limit der Kaufkraftabschöpfung. Beispiel Superbowl: Die günstigsten Tickets, die allerdings noch schwerer zu bekommen sind als eine Rolex zum regulären Preis, kosten rund 900 Dollar; im Schnitt zahlt ein Fan aber mehr als 3000 Dollar. Beispiel US Open: Unter 600 Dollar geht am Finaltag gar nichts, während Tennisfans bereits für die Hälfte an einem Roland-Garros-Final teilnehmen können.
Ausserdem sind Sportveranstaltungen nicht die einzigen Events, die in den USA überdurchschnittlich viel kosten. Superstar Taylor Swift verlangte in den USA knapp 2000 Dollar für Tickets für ihre «Eras Tour», während diese in der Schweiz zu einem Preis von knapp 200 Franken verkauft wurden, in Osteuropa für weniger als die Hälfte. Und auch in Europa wissen die Veranstalter, was ihr Event potenziellen Kunden wert ist. Logenplätze in Wimbledon zum Beispiel können nur für mehrere Jahre gekauft werden und sind heiss begehrt; unter 500’000 Pfund ist in der letzten Zuteilung im vergangenen Jahr gar nichts gegangen. Wimbledon verkauft eben nicht bloss Weltklassetennis, sondern sozialen Status.
Will heissen: Nicht die Fifa ist ein unanständiger Ticketbösewicht, der einen Volkssport zu einem Entertainment-Event für eine vermögende Elite macht. Alle Veranstalter, die einen Sport- oder Entertainment-Event – falls es da überhaupt Unterschiede gibt – der Spitzenklasse im Angebot haben, wissen, dass sie in der Ära der «Experiences» etwas anbieten können, das einzigartig ist. Das gilt für den Formel-1-Grand-Prix in Monaco genau gleich wie für den Zugang zum Sushi-Restaurant Saito in Tokio, wo Abend für Abend nur acht Gäste verköstigt – und unterhalten – werden.
BWL, erste Lektion: Was selten, rar und gefragt ist, ist in der Regel teuer. Nicht nur Fifa-Tickets.