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Buchtipp «Beliebige Fracht» von Ian Kumekawa

Ein Schiff als Spiegelbild der globalen Wirtschaft

Wie die Geschichte eines Frachtschiffs die Globalisierung erklärt und was Schweizer Unternehmen und Führungskräfte aus dieser Entwicklung lernen.

Guido Schilling

Guido Schilling ist seit bald 40 Jahren als Headhunter tätig und Herausgeber des «Schillingreports».
Guido Schilling ist seit bald 40 Jahren als Headhunter tätig und Herausgeber des «Schillingreports». PR

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Als ich Ian Kumekawas «Beliebige Fracht» zur Hand nahm, hätte ich nicht erwartet, wie sehr mich die Geschichte eines einzelnen Frachtschiffs faszinieren würde. Der Harvard-Historiker erzählt die grossen wirtschaftlichen Umbrüche der letzten 50 Jahre anhand der wechselvollen Karriere eines 94 Meter langen Schiffs: vom Versorger für Ölplattformen in der Nordsee über eine Truppenunterkunft im Falklandkrieg, ein Wohnschiff für VW-Mitarbeitende bis hin zum Gefängnis und schliesslich zur nigerianischen Ölindustrie. Ein gewöhnliches Objekt, das die Geschichte der Globalisierung in sich trägt.

Vom KMU zum globalen Player

Als Headhunter, der seit bald 40 Jahren eng mit der Schweizer Wirtschaft arbeitet, fühlte ich mich beim Lesen immer wieder an meine eigene berufliche Realität erinnert. Was Kumekawa anhand eines Schiffs beschreibt, durfte ich anhand von Unternehmen und ihren Führungsteams beobachten.
Gerade mittelgrosse Schweizer Firmen zeigen diese Entwicklung oft eindrücklicher als die bekannten Grosskonzerne. Viele waren in den 1980er-Jahren noch stark regional oder europäisch geprägt und entwickelten sich erst durch die Globalisierung zu eigentlichen Nischenweltmeistern. Unternehmen wie Komax, VAT, Huber+Suhner, Belimo oder Interroll folgten ihren Märkten rund um die Welt und bauten internationale Produktions- und Vertriebsnetze auf. Auch grössere Firmen waren schon etwas früher denselben Weg gegangen: vom schweizerisch geprägten Unternehmen zum globalen Akteur.

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Globalisierung verändert die Anforderungen

Dies hatte Folgen für die Führungsetagen. Wo früher Generalistinnen und Generalisten mit Schweizer Stallgeruch gefragt waren, brauchte es nun Führungskräfte mit internationaler Erfahrung und Verständnis für globale Märkte, Lieferketten und Geschäftskulturen. Mit dem von mir vor mehr als 20 Jahren lancierten «Schillingreport» lässt sich diese Entwicklung Jahr für Jahr nachvollziehen: Globalisierung ist kein abstraktes Konzept, sondern das Ergebnis stark veränderter Anforderungen.
«Beliebige Fracht» ist keine Abrechnung mit der Globalisierung, sondern eine differenzierte Bestandsaufnahme. Das Buch macht sichtbar, dass hinter Begriffen wie Offshoring oder Kapitalismus immer konkrete Menschen stehen – Gewinner wie Verlierer. Gerade diese Vielschichtigkeit macht die Lektüre so lesenswert.
Kumekawa verleiht den Entwicklungen, die ich in vier Jahrzehnten an der Seite von Schweizer Unternehmen beobachten durfte, eine eindrückliche Form.

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