Ägypten-Liebhaber kennen das Ägyptische Museum am Tahrir-Platz in Kairo; es öffnete seine Tore vor 124 Jahren, damals mit fünftausend Artefakten. Diese Sammlung vermehrte sich über das Jahrhundert und bestand eines Tages aus 150 000 Elementen, die man nicht alle lagern, geschweige denn angemessen ausstellen konnte. Ein zusätzliches Museum musste her. Vor 33 Jahren präsentierte dann eine italienisch-ägyptische Machbarkeitsstudie, wie und wo man dieses zweite Museum bauen konnte; Platz dafür gab es in Gizeh, unweit der Sphinx und der Pyramiden. Es dauerte allerdings zehn weitere Jahre, bis eine Ausschreibung erfolgte, zu der fast 1600 Entwürfe eingingen. Es sollte einer der weltweit grössten Architekturwettbewerbe der Geschichte werden. Gewonnen wurde er vom irischen Architektenbüro Heneghan Peng aus Dublin. Der Name der neuen grossen Sammlung: Grand Egyptian Museum (GEM).
Heute präsentiert sich das GEM auf gleicher Stufe wie die Weltmuseen in Paris, London oder New York. Im Gegensatz zu diesen stellt das GEM jedoch ausschliesslich seine eigene Zivilisation und Historie vor: Fast 100 000 Objekte bilden die weltweit grösste Sammlung altägyptischer Kunst. Dabei will man sich nicht nur als Aufbewahrungsort der Vergangenheit zeigen, sondern auch als Ort der Innovation und des zeitgenössischen Designs. Dafür wurde laut Aussage des ehemaligen Direktors Tawfik seit dem Aushub im Jahr 2009 rund 1 Milliarde Dollar investiert. Der Bau hat ausserdem viele lokale Streitereien, aber auch nationale Revolutions- und Staatskrisen überlebt. Wer das Museum besuchen will, dem sei geraten, sich vor der Anreise in die gewaltige Geschichte Ägyptens einzulesen. Denn vor Ort kollidieren Geschichten, Eindrücke, Statuen und Artefakte, sodass man es kaum richtig verarbeiten kann. Allein die Ausstellungsfläche beträgt rund 90 000 Quadratmeter, aufgeteilt auf zwölf Hauptausstellungshallen, in denen die pharaonische, griechische und römische Antike präsentiert wird.
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Die Statue von Ramses II.in der Haupthalle des GEM.Getty Images
Die Statue von Ramses II.in der Haupthalle des GEM.Getty Images
Zahlreiche Glanzlichter
Eine besondere Erwähnung würden unzählige Elemente verdienen, zwei werden hier hervorgehoben: die 1820 in Memphis entdeckte Statue von Ramses II. und natürlich die Totenmaske von Tutanchamun. Beide fanden im Museum einen würdigen Platz. Die 3200 Jahre alte und elf Meter hohe Figur von Ramses II. stand seit 1955 beim Hauptbahnhof von Kairo. Für den Museumsneubau wurde sie abgetragen und in der Haupthalle des GEM neu aufgestellt. Speziell dabei ist: Wegen ihrer Grösse musste die 83 Tonnen schwere Statue vor dem Bau der neuen Museumshalle aufgestellt werden. Der Koloss dient jetzt auch als Beispiel dafür, wie das Grand Egyptian Museum Geschichte mit neustem Fachwissen und modernster Technik präsentiert.
Nachdem sie 3000 Jahre lang begraben gewesen war, entdeckte der britische Ägyptologe Howard Carter 1922 im Tal der Könige die goldene Totenmaske des altägyptischen Pharaos Tutanchamun. In einem dunklen Raum im GEM wird das fabulöse Exponat zelebriert – es ist der einzige Ort im Museum, wo man sich einreihen muss und vom Sicherheitsdienst mit Argusaugen beobachtet wird. Es ist wie ein touristischer Tanz um das goldene Kalb respektive eben um die goldene Totenmaske. Schlicht fantastisch. Und auch wenn man die Pyramiden schon einmal gesehen hat: Wer da draussen beim GEM ist, kann sich einen erneuten Besuch des knapp drei Kilometer entfernten und 4500 Jahre alten Weltkulturerbes nicht verkneifen. Es ist ja schliesslich das einzige der sieben Weltwunder aus der Antike, welches heute noch erhalten ist. Ein zeitloses Weltwunder.
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Ägyptische Gastfreundschaft
In der arabischen Kultur ist Hospitality stark verwurzelt; sie zeichnet sich durch Herzlichkeit und Spontaneität aus. Reisende sind immer willkommen. Dazu stellen wir in Kairo zwei hervorragende Hotels im Luxussegment und drei Gastrobetriebe vor: Unweit des ersten Ägyptischen Museums bietet das «Nile Ritz-Carlton» eine Oase in der 25-Millionen-Metropole. Es verfügt über 500 Zimmer, einen Wellnessbereich, Restaurants und ein Casino, und man geniesst von hier einen Panoramablick auf Nil und Corniche. Ein anderes Bleisure-Hotel ist das «Waldorf Astoria», das im gehobenen Stadtteil Heliopolis liegt, zwischen Flughafen und Downtown. Das Haus ist stark im Geschäftssegment und bietet mehrere Tagungsräume. Ägyptens Küche zeigt sich in vielen Variationen, beispielsweise im «Khufu’s» in Gizeh, mit Sicht auf die Pyramiden. Dort zaubert Küchenchef Mostafa Seif zeitgenössische Menüs. Kairo bietet auch traditionelle Streetfood-Gerichte, so im «Zööba», wo Hühnerleber-Hawawshi mit frisch gebackenem Brot serviert wird. Ein Geheimtipp ist die Jazz Bar im Hotel Kempinski (Qasr El Nil, Kairo). Sie bietet Livemusik, Burger, alkoholische Getränke und Zigarren. Wer die frische Luft vorzieht, begibt sich einen Stock höher in die Poolbar, hoch über dem Nil.