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Carte Blanche

Erfolgreich oder nicht – who cares?

Ob ein Film ein Kassenschlager ist oder an einem unbedeutenden Filmfestival läuft – Fördergeld gibts gleich viel. Immer mehr spielen ideologische Vorgaben die Hauptrolle.

Michael Steiner

«Von den rund 35 Spielfilmen jährlich schaffen es die wenigsten in die Kinoauswertung», schreibt Michael Steiner.
«Von den rund 35 Spielfilmen jährlich schaffen es die wenigsten in die Kinoauswertung», schreibt Michael Steiner.Keystone

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Ein Blick auf Zürich zeigt, was helvetische Politik generell so unter förderungswerter Kultur versteht. Das Opernhaus ist mit jährlich 90 Millionen Franken Unterstützung der Krösus. Kein Wunder, Museumsmusik tut keinem weh, und darum ist das Opernhaus der wichtigste Partner für die Finanzindustrie – um die ausländischen Kunden für paar Stunden stillzustellen und mal ein Nickerchen zu machen. Der Konsens geht durch alle politischen Parteien, selbst die Linke torpediert dieses Erfolgsmodell nicht.
«Werft die Rockrabauken raus und renoviert das Opernhaus», sang Falco schon 1981, und daran hat sich bis dato nichts geändert. Beim Opernhaus besteht kein Grund zur Klage, die Gelder werden skandalfrei verwaltet, und das Haus gibt allen eine Chance, die das 20. Jahrhundert musikalisch verpasst haben. Hochkarätige Musiker und Dirigenten werden angeheuert, ja sogar Weltstars kann man bestaunen. Das Schauspielhaus und die Theaterkunst werden in Zürich mit 60 Millionen gefördert; in den letzten Jahren wurde die künstlerische Leitung hinterfragt, weil die Zuschauerzahlen sinken.
Michael Steiner (56) ist einer der kommerziell erfolgreichsten Schweizer Filmemacher. Zu seinen Werken gehören «Grounding – Die letzten Tage der Swissair» (2006) oder «Sennentuntschi» (2010).
Meine Kunst, das Filmschaffen, ist die teuerste Kunstform und wird von der Zürcher Filmstiftung mit 40 Millionen unterstützt. Um einen Film auf die Beine zu stellen, bedarf es nebst dem Segen der Zürcher Filmstiftung auch des Zuspruchs des Schweizer Fernsehens und der Sektion Film des Bundesamtes für Kultur (BAK). Dafür muss man eine Eingabe bei allen Institutionen machen, und Expertenkommissionen entscheiden dann, ob das Drehbuch gut genug ist, um gefördert zu werden.

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Die sich ständig ändernden Kommissionen bestehen aus Drehbuchautoren, Regisseuren, Redaktoren, Produzenten, Verleihern, Kritikern etc. Es gibt kein Leistungsprinzip bei der Filmförderung, und falls das mal so geäussert wurde, haben die Produzentenverbände diese Absicht längst torpediert. In den Nullerjahren wurde die Succès Cinéma neu definiert: Sie schüttet Geld aus an Filme, die an der Kinokasse erfolgreich sind. Geld kriegt auch, wer an Filmfestivals gezeigt wird.
Die Festivals sind an ein Punktesystem geknüpft, anfänglich gab es nur Punkte für die grossen Filmfestivals wie Berlin, Cannes oder Venedig. Mittlerweile haben die Produzenten das Verteilsystem so umgestaltet, dass man für 100’000 Kinozuschauer in der Schweiz gleich viel Geld kriegt wie für einen Film, der an drei internationalen Filmfestivals lief, von denen Sie, liebe Leser, noch nie etwas gehört haben. Dies darum, weil die meisten Gelder der Rückförderung nicht an die Autoren und Regisseure fliessen, sondern an die Produktionsfirmen. Die tragen ja auch das Risiko, was bedeutet, dass sie mit allen Förderern gut auskommen müssen, um bei der Verteilung des Kuchens dabei zu sein. Am besten kommt man darum den ideologischen Vorgaben nach, welche von den Förderern durch ihre politischen Hintermänner und Hinterfrauen vorgegeben werden – natürlich nicht bindend, sondern nur als Richtlinie. Man will der Kunst ja nicht im Wege stehen.

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Wenn man gut arbeitet, kann man mit staatlicher Förderung fast risikofrei Filme produzieren. Jedes Jahr werden um die 80 Filme in der Schweiz hergestellt, Dok- und Spielfilme zusammen. Von den ungefähr 35 Spielfilmen schaffen es die wenigsten in die Kinoauswertung, die meisten laufen an besagten Festivals und werden danach in der Cinémathèque suisse archiviert. Das ist in etwa so, wie wenn man Marco Odermatt nach dem Gewinnen des Lauberhornrennens sagt, er dürfe nicht in Kitzbühel starten, weil es noch andere gibt, die auch gerne Ski fahren. Ein Intendantensystem und eine Entfilzung wären ein Anfang, um das Ende dieser Ära einzuläuten. Wird aber nicht passieren, die Talfahrt geht weiter. KI dürfte das ändern, weil durch sie die Infrastruktur, die jetzt noch hinter dem Ganzen steht, wegbrechen wird. Zum Glück.

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