Herr Naville, wieso geben viele US-Bürger in der Schweiz ihren Pass ab?
Martin Naville: Die überwiegende Mehrheit ist Doppelbürger. Der Hauptgrund ist sicher, dass US-Bürger eine Steuererklärung ausfüllen müssen. Die meisten Doppelbürger zahlen am Schluss in den USA gar keine Steuern. Der Vorgang ist aber sehr kompliziert, aufwendig und am Schluss auch gefährlich. Wenn jemand vergisst, die Steuererklärung einzureichen, gibt es schnell eine saftige Busse.
Ist die US-Staatsbürgerschaft also ein Nachteil?
Der amerikanische Pass verkompliziert dass Leben massiv. Früher konnte man ohne Zusatzaufwand einen US-Pass haben, heute ist es eine grosse Unannehmlichkeit, und die muss sich lohnen. Als Reservepass in der Schublade lohnt sich der US-Pass nicht mehr. Man muss aber die Relationen beachten: Gut tausend Amerikaner geben pro Quartal ihren Pass ab. Bei der Lotterie für eine Arbeitsbewilligung - der Green Card - bewerben sich viermal pro Jahr Hundertausende. Es gibt keinen Exodus von amerikanischen Bürgern. Es ist ein bisschen ein Luxusproblem von Doppelbürgern in der Schweiz.
Werden weiterhin so viele Amerikaner in der Schweiz den Pass abgeben?
In der Schweiz wurden in den letzten fünf Jahren viele Pässe zurückgegeben. Sehr viele Doppelbürger, die den Pass nicht wirklich benötigten, haben mittlerweile auf die Staatsbürgerschaft verzichtet. Der Trend wird sich aber im Ausland fortsetzen: Auch in anderen Ländern werden sich Doppelbürger überlegen, ob sie wegen des FATCA-Steuergesetzes und des automatischen Informationsaustausches ihren US-Pass wirklich brauchen. In der Schweiz ist die Sensibilisierung für das Thema bereits sehr viel höher wegen des US-Steuerstreits.