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Wissenschaft

Der Gender-Gap beim Wirtschaftsnobelpreis

In keiner Preiskategorie wurden weniger Frauen ausgezeichnet als in den Wirtschaftswissenschaften. Warum eigentlich?

Stefan Mair

Nobelpreis
Nobelpreis-Medaille: Frauen bekommen sie fast nie HZ

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Nobelpreis fรผr Wirtschaft? Mรคnnersache! Nur zwei von 87 Ausgezeichneten sind Frauen. In der Physik nur vier von 218. Damit gehรถren diese Kategorien zu den absoluten Schlusslichtern bei der Gender-Verteilung. Eine der Ausgezeichneten mit dem Wirtschaftsnobelpreis, Elinor Ostrom, war zudem nicht mal ร–konomin, sondern Politikwissenschaftlerin. Von den insgesamt 57 Nobelpreistrรคgerinnen wurden die meisten in den Kategorien Frieden und Literatur prรคmiert.
Immerhin: Seit ein paar Jahren werden Frauen  hรคufiger ausgezeichnet: Zwischen 2001 und 2020 haben 28 Frauen die Auszeichnung erhalten, wรคhrend es zwischen 1981 und 2000 nur elf und zwischen 1961 und 1980 nur sieben waren. Aber warum spielen Frauen beim Wirtschaftsnobelpreis fast keine Rolle?
ยซDie Volkswirtschaftslehre ist immer noch eine ziemlich mรคnnerlastige Disziplinยป, sagte dazu der Star-ร–konom Ernst Fehr in einem Interview. Es machten erheblich mehr Mรคnner als Frauen das Doktorat, welches ein Voraussetzung fรผr eine spรคtere Professur sei.

Fรถrderung verstรคrken

Zwar gebe es in seinem Departement einen Beschluss fรผr besondere Bemรผhungen, um Frauen fรผr Professorenstellen zu gewinnen. Doch habe dies bisher nicht gefruchtet. ยซWir haben in den letzten Jahren mehrfach Angebote fรผr Professuren an Frauen gemachtยป, so Fehr. Doch da derzeit sehr viele Departments international um eine kleine Zahl von Frauen im Wettbewerb seien, hรคtten die Frauen die Angebote aus Zรผrich bisher ausgeschlagen.

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Aber tun Unis und andere Forschungsinstitute wirklich genug, um die Stimme von ร–konominnen hรถrbar zu machen? Das Argument, dass es zu wenig Frauen im Fach gibt, gilt nรคmlich nur mehr begrenzt. In den letzten Jahren hat sich eine ganze Reihe von ร–konominnen einen Namen gemacht  und zunehmend ihren Platz in Medien, auf Podien und beim Kampf um Forschungsgelder behauptet.

ร–konominnen erobern ihren Platz

Neben Dina Pomeranz von der Universitรคt Zรผrich sind Arbeitsmarktรถkonomin Conny Wunsch von der Universitรคt Basel und ร–konomieprofessorin Patricia Funk von der Universitร  della Svizzera italiana weitere unter vielen Beispielen von Topfrauen in der Volkswirtschaftlehre. Dazu gehรถren auch Monika Bรผtler (HSG) oder Isabel Martinez (ETH), die als Kolumnistin fรผr die Handelszeitung schreibt. Auch Irmi Seidl (ETH) und Margith Osterloh (Crema Research) reihen sich in die Riege der Top-ร–konominnen des Landes.
Besonders wichtig: Die ร–konominnen bringen oft andere Forschungsschwerpunkte ein als Mรคnner. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung erstellte vor einigen Jahren ein Ranking, das nur ร–konominnen berรผcksichtigt. Sie analysierte, dass ร–konominnen neue Schwerpunkte im Fach setzen. Selten beschรคftigten sich die Frauen, die in der Rangliste auftauchen, mit Steuern oder Ungleichheit, mit dem Wirtschaftswachstum, der Automobilwirtschaft oder dem Arbeitsmarkt โ€“ also mit Themen, die viele der einflussreichsten Mรคnner der Zunft besetzen.

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Frauen gewinnen ihren Einfluss in der ร–konomie hรคufig mit Umweltthemen, in der Megadebatte um die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels sind sie sehr prรคsent. Und selbst in den รผblichen Arbeitsmarktthemen setzen sie neue Schwerpunkte. Diese Perspektivenvielfalt ist wertvoll und bringt uns weiter. Auf sie darf nicht mehr verzichtet werden - auch beim Nobelpreis.
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