Der Fussballstar sitzt nur noch auf der Bank – und reist aus dem Portugal-Camp ab. Der Fall macht sichtbar, woran auch Firmen scheitern: einstige Überfiguren rechtzeitig in eine neue Rolle zu bringen.
Karin Kofler
«Es geht darum, den ‹Falling Stars› eine neue Rolle zuzuweisen», schreibt Gastautorin Karin Kofler.HZ
Derzeit gibt es wieder einmal ein Drama um Christiano Ronaldo: Der alternde portugiesische Fussballstar und Rekordschütze ist letzte Woche aus dem Trainingscamp der portugiesischen Nationalmannschaft abgereist. Noch ist der Grund für diesen Eklat nicht ganz geklärt. Aber: Der 41-Jährige düste im Privatjet ab, nachdem ihn der neue Coach Jorge Jesus gegen Norwegen in der Nations-League-Qualifikation neunzig Minuten auf der Bank hatte schmoren lassen und sich gegen Dänemark Ähnliches abzeichnete.
Es liegt nahe, dass der fünfmalige Weltfussballer des Jahres gekränkt ist, weil er trotz seinem aussergewöhnlichen Leistungsausweis und seiner Rolle als Captain nicht mehr gesetzt ist. Diejenigen, die in ihm immer eine egozentrische Diva gesehen haben, freuen sich und spötteln, Ronaldo habe den Zeitpunkt für den perfekten Abgang verpasst. Diejenigen, die ihn verehren, fürchten, dass alles, was noch kommt im Nationalteam, zu einer Demütigung auf Raten wird.
Der Fall ist auch aus Managementsicht interessant, weil er ein geradezu klassisches Führungsdilemma aufzeigt: Wie umgehen mit ausserordentlichen Leistungsträgern, wenn sie den Zenit überschritten haben oder man diesen Erfolgsfiguren aus anderen Gründen eine neue Rolle zuweisen muss?
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Die Gastautorin
Karin Kofler ist regelmässige Gastkolumnistin und selbstständige Publizistin.
Was sich mit Superpromi CR7 abspielt, gibt es en miniature auch im Business immer wieder: Überfiguren oder Outperformer in Teams, mit denen man einfach nicht den richtigen Umgang findet, wenn es Zeit für einen Neustart ist. Das letzte bekannte Beispiel war WEF-Gründer Klaus Schwab: Am Versuch, diesen verdienstvollen Mann mit seiner grossen Leistung für die Schweiz würdevoll zu entmachten, scheiterte die Organisation am Schluss kläglich.
Im Kern geht es dabei immer um die Frage, wie man einen aussergewöhnlichen Menschen, der eine Institution lange Zeit entscheidend prägte, begrenzt, ohne ihn zu demütigen. Oft scheitern diese Prozesse nicht nur am Ego und an der selektiven Wahrnehmung der Hauptfiguren, sondern auch an der Unfähigkeit der Involvierten, die gegenseitigen Erwartungen rechtzeitig und wertschätzend zu adressieren und dem «Falling Star» eine passende neue Rolle zuzuweisen, mit welcher er der Organisation noch immer von Nutzen sein kann. In der Forschung findet man einiges an Literatur zum Impact von Outperformern. Gerade im Fussball ist sie eklatant.
So zeigt etwa eine Untersuchung in der National Football League aus dem Jahr 2023, dass Stars selbst bei nachlassender eigener Performance die Gesamtleistung eines Teams noch immer steigern können, wenn sie in dieser Phase zu einer neuen Organisation wechseln – weil die Mannschaft von ihrer Erfahrung und Strahlkraft profitiert. «Seine Leistung zählt. Die Vergangenheit ist irrelevant», hat Portugals Trainer Jorge Jesus jedoch betont. Ronaldo habe zwar einen speziellen Status, aber es gebe auch Regeln, nach denen er, Jesus, die Spieler einsetze. Es ist das Recht des Coachs, diesen Prinzipien zu folgen. Portugal wurde bis dato mit Ronaldo gleichgesetzt. Solche Abhängigkeiten sind nie gut. Und doch teile ich Jorge Jesus’ Aussage nur bedingt, wonach die Vergangenheit nicht zähle. Entscheidend ist, wie man Leistung definiert. Welchen Impact kann ein Spieler wie Ronaldo noch haben, wenn er die Tore nicht mehr macht? Und ist er bereit, eine neue Rolle anzunehmen? Amir Abrashi, der Captain von GC, ist bei den Hoppers als 36-Jähriger auch mehr als Identifikationsfigur und Motivator wichtig denn als Spieler.
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Auch Unternehmen tun sich schwer mit Menschen, die nicht mehr in die Rolle passen, für die sie ursprünglich eingestellt wurden. Rollen werden nach Stellenbeschrieben verteilt und nicht nach den sich verändernden Fähigkeiten und Beiträgen von Menschen. Es gilt das Prinzip «One size fits all».
Durch diese mangelnde Flexibilität geht Unternehmen viel Potenzial verloren. Die Kunst besteht nicht darin, einen nachlassenden Leistungsträger loszuwerden, sondern herauszufinden, was sein neuer Mehrwert sein kann. Und das gilt nicht nur für alternde Fussballstars wie Ronaldo.
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