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Concorso d’Eleganza Villa d’Este

Hier trifft sich der automobile Olymp

Zwischen herrschaftlichen Villen gleiten am Comer See ­PS-starke Kunstwerke über die Kieswege. Ein Spektakel sondergleichen.

Stefan Poth

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Eleganz und Oldtimer: Villa d’Este feiert rollende Kunstwerke. Suse Heinz für BONANZA

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Der Concorso d’Eleganza in Cernobbio bei Como ist keine klassische Autoschau. Er ist der Olymp der gut gekleideten Benzin-Aristokratie.
Wer Mitte Mai dieses Jahres durch die Tore der Villa d’Este schreitet, trägt entweder Leinen von Loro Piana, eine Uhr im Gegenwert eines Einfamilienhauses – oder beides.
Und irgendwo zwischen Oleanderhecken, Bellinis und perfekt gebügelten Einstecktüchern stehen Autos herum, die man eigentlich gar nicht mehr als solche bezeichnen darf. Es sind eher rollende Kunstwerke.
2026 war am Comer See vieles wie immer. Und genau deshalb grossartig. Die Fähren spuckten US-Sammler mit sonnengegerbten Gesichtern aus, Zürcher Vermögensverwalter diskutierten über originale Weber-Vergaser, während britische Händler versuchten, möglichst beiläufig neben einem Ferrari 250 GTO zu stehen; einem der teuersten Oldtimer überhaupt.
Vollendete Formen, so weit das Auge reicht.
Vollendete Formen, so weit das Auge reicht.Suse Heinz für BONANZA
Vollendete Formen, so weit das Auge reicht.
Vollendete Formen, so weit das Auge reicht.Suse Heinz für BONANZA
Niemand will hier reich wirken. Wirklich reich wirkt man am Concorso nämlich nur, wenn man aussieht, als hätte man die Einladung vergessen. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel: Und die Ausnahmen gleiten wie übernatürliche Wesen in ihren schillernden Roben und Massschuhen über den gepflegten Rasen des traumhaften Parks der Villa Erba.

Die «Bügelfalte» schlägt alle

Über allem schwebte dieses Jahr jedoch ein Auto, das nicht geschniegelt posierte wie manche Besitzer, sondern wie ein athletischer Gentleman aus einer anderen Zeit wirkte: der BMW 328 von 1937 mit dem Kosenamen «Bügelfalte». Allein der Name klingt schon nach deutscher Ingenieursromantik mit Zigarette im Mundwinkel. «Bügelfalte», ein Auto benannt nach einer Metallkante. Natürlich gewann dieses Fahrzeug die Kategorie «Best of Show». Nicht irgendein restauriertes Schmuckstück mit zu viel Klarlack, sondern ein Werkswagen des legendären Mille-Miglia-Rennens. Einer mit Geschichte, Narben und genau der richtigen Portion Patina.

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Und plötzlich wird klar, worum es hier eigentlich geht: nicht um PS-Zahlen oder Auktionsergebnisse, sondern um Glaubwürdigkeit. Die «Bügelfalte» gewann, weil sie echt wirkte inmitten einer Welt, die manchmal fast zu perfekt inszeniert erscheint.
Der BMW 328 von 1937, Kosename «Bügelfalte», gewann in der Kategorie «Best of Show».
Der BMW 328 von 1937, Kosename «Bügelfalte», gewann in der Kategorie «Best of Show».Suse Heinz für BONANZA
Der BMW 328 von 1937, Kosename «Bügelfalte», gewann in der Kategorie «Best of Show».
Der BMW 328 von 1937, Kosename «Bügelfalte», gewann in der Kategorie «Best of Show».Suse Heinz für BONANZA
Natürlich ist der Concorso auch Theater. Die Autos rollen im Schritttempo über den Kies wie Supermodels auf Valium, flankiert von Menschen, die aussehen, als wären sie direkt aus einem Slim-Aarons-Fotoband spaziert. Da sitzen italienische Industrielle neben Tech-Millionären aus Kalifornien, während ältere Herren in Wildleder-Loafern diskutieren, ob ein unrestaurierter Lamborghini Miura moralisch wertvoller sei als ein perfekt restaurierter.

Motoren als Ingenieurskunst

Am schönsten ist der Anlass ohnehin nicht bei den offiziellen Präsentationen, sondern in den Zwischenräumen: frühmorgens am Parkplatz der Villa Erba, wenn Motorhauben geöffnet werden und die Besitzer kurz vergessen, geschniegelt zu wirken. Dort zeigt sich die Szene ungeschminkt. Da steht ein japanischer Sammler ehrfürchtig vor einem Fiat 8V Zagato, während ein französischer Händler versucht, einen Bugatti-Besitzer zum Mittagessen zu überreden. Und irgendwo im Hintergrund knattert ein alter Ferrari Testarossa mit leicht zu fettem Gemisch Richtung Uferstrasse. Perfektion ist eine menschengemachte Zielsetzung. Diese Autos haben ihr Eigenleben und eine Seele.

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Der Comer See liefert dazu die perfekte Kulisse. Morgens liegt leichter Nebel über dem Wasser, mittags glitzern Mahagoni-Boote vor den Hotelterrassen, abends riecht die Luft nach warmem Stein, kubanischem Zigarrenrauch und teurem Parfum. Wer hier ankommt, möchte Teil einer Welt sein, in der Eleganz nicht ironisch gemeint ist.
Dolce Vita in Harry‘s Bar, zwischen italienischer Riviera und altem Jetset.
Dolce Vita in Harry‘s Bar, zwischen italienischer Riviera und altem Jetset.Suse Heinz für BONANZA
Dolce Vita in Harry‘s Bar, zwischen italienischer Riviera und altem Jetset.
Dolce Vita in Harry‘s Bar, zwischen italienischer Riviera und altem Jetset.Suse Heinz für BONANZA
Der Concorso d’Eleganza funktioniert deshalb nicht wie ein modernes Event, sondern eher wie ein sehr exklusives Wochenende unter Gleichgesinnten, die zufällig Zugang zu aussergewöhnlichen Autos haben.
BMW verstand das 2026 besser als alle anderen. Neben der «Bügelfalte» inszenierten die Münchner auch ihre neue Vision BMW Alpina – ein grosses, elegantes Gran-Turismo-Konzeptfahrzeug, das wirkte, als hätte ein Privatjet beschlossen, Automobil zu werden. Doch selbst dieses futuristische Statement konnte dem alten 328 kaum die Show stehlen. Vielleicht weil in Cernobbio am Ende immer dasselbe gilt: Zukunft ist willkommen, solange sie den Duft der Vergangenheit respektiert.

Von Träumen und Stil

Der Concorso d’Eleganza bleibt damit einer der letzten Orte, an denen Reichtum noch Stil haben darf. Nicht laut, nicht vulgär, sondern geschniegelt, charmant und leicht exzentrisch.
Und genau deshalb fährt man hin. Nicht nur wegen der Autos und der Kulisse am Comer See. Sondern wegen der Menschen, die glauben, ihre Traumautos zu besitzen, dabei ist es genau umgekehrt: Der Traum vom perfekten Auto hat sie in Besitz genommen.

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Como: See, Stil und Substanz 1

1: Wer am Comer See einen Drink nehmen will, sollte die Como Bar 1950 auf dem Zettel haben. In der Nähe der Piazza gelegen, verbindet sie italienische Lässigkeit mit klassischem Bar-Charme. Hier bestellt man einen Negroni, beobachtet das Treiben der Stadt und vergisst für einen Moment die Zeit. Ein perfekter Ort für einen Aperitivo, bevor sich die Nacht über den See legt. www.instagram.com/comobar1950
2: Echte Lombardei statt Instagram-Kulisse findet man in der Trattoria Osteria Nisciolano. Kein Schnickschnack, keine Show – dafür hausgemachte Pasta, kräftige Risotti und Flaschen, die länger am Tisch bleiben als geplant. Ein Ort, an dem Einheimische essen, Kellner noch Empfehlungen aussprechen und man den Abend garantiert nicht nach dem ersten Glas beendet. www.instagram.com/nisciolano
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Suse Heinz für BONANZA
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Suse Heinz für BONANZA
3: Während sich die Massen am See um die erste Reihe drängeln, versteckt sich das Relais & Spa Castello di Casiglio in einem historischen Schloss etwas abseits des Trubels. Alte Mauern, ein weitläufiger Park, ein grosszügiger Spa und das klassische Dolce Vita machen das Haus zum perfekten Rückzugsort. Ein Geheimtipp für alle, die Luxus lieber leise als laut geniessen. www.hotelcastellodicasiglio.it
4: Harry’s Bar in Cernobbio ist genau die Art von Ort, die man am Comer See sucht: elegante Terrasse, perfekte Drinks und ein Publikum, das den Sommer offensichtlich verstanden hat. Mit Blick auf den See und einer Atmosphäre irgendwo zwischen italienischer Riviera und altem Jetset sitzt man hier gerne länger als geplant. So fühlt sich Dolce Vita an, wenn man sie richtig macht. www.harrysbarcernobbio.it
Dieser Artikel ist im Bonanza, einem Magazin der BILANZ, erschienen (Juni 2026).

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