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Buchtipp vom ZFF-CEO

Gross denken und die Komfortzone verlassen

Im Buch «Die 10×-Regel» plädiert Grant Cardone dafür, Ziele zehn Mal höher zu stecken, als was ­realistisch erscheint.

Christian Jungen

ZFF, FESTIVAL, FILM,
Christian Jungen (52) ist CEO und Besitzer des Zurich Film Festival. Keystone

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Da ich jedes Jahr Hunderte von Filmen schauen darf, bleibt mir wenig Zeit zum Lesen von Büchern. Aber ich lese immer dann ein Buch, wenn alle anderen Filme schauen: im Flugzeug nach Los Angeles. Den über zwölfstündigen Flug nutze ich seit Jahren, um entweder eine Biografie oder ein Buch mit Tipps für Unternehmer zu lesen.
Auf meinem letzten Flug nach Hollywood habe ich «Die 10×-Regel» von Grant Cardone verschlungen. Aufmerksam geworden auf den Titel bin ich durch Künzli-Besitzer Roberto Martullo, der das Buch in einem Podcast mit Alan Frei empfohlen hatte. Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite ein schlüssig argumentierendes Plädoyer dafür, sich zehn Mal grössere Ziele zu setzen, als was man für realistisch hält – und zehn Mal härter dafür zu arbeiten als alle anderen.
Für uns Schweizer, die wir ja den Mittelstand und den Kompromiss lieben, ist es stellenweise irritierend. Denn Cardone hält nichts vom Durchschnitt. Er fordert das Erreichen von Exzellenz durch das Verlassen der Komfortzone. Zunächst müsse man durch grosse Träume die Grenzen des Vorstellbaren im Kopf verschieben. Danach müsse man Erfolg als Pflicht verstehen und Angst als Triebfeder für das Überwinden von Hindernissen nutzen.

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Cardone schreibt direkt und mit vielen Ausrufezeichen. Er will aufrütteln und motivieren, den inneren Schweinehund zu überwinden. Das tut er gekonnt – weil er unsere Ausreden («Der Tag hat nur 24  Stunden») adressiert. Er schreibt aus eigener Erfahrung. Cardone hat früh seinen Vater verloren; geriet auf die schiefe Bahn: Alkohol und Drogen. Dann hat er sich aufgerappelt. Heute ist er Verkaufstrainer, Immobilienkönig und Investor. Beim Lesen hat man das Gefühl, der Coach stehe neben einem. Das Buch ist sehr amerikanisch, enthält kein Gramm Fett und Tipps, die man sofort beherzigen kann. Cardone argumentiert etwa, man müsse mit seinem Unternehmen den Markt dominieren. Deshalb reiche es nicht, einen Post pro Tag abzusetzen. Man müsse mehrere veröffentlichen, um dank eines hohen Grundrauschens «top of mind» zu sein.
Solche Ratgeberliteratur reflektiere ich nach dem biblischen Motto «Prüfet alles, und das Gute behaltet». Von Cardones Buch habe ich viel übernommen. In Los Angeles hatte ich einen Workshop mit meinem Geschäftspartner Max Loong. Wir haben eine ambitionierte Wachstumsstrategie für Social Media entworfen und das Motto für das 22.  Zurich Film Festival festgelegt: «Dream big.»

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