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Buchtipp «Todesengel»

Zwischen Bergidylle und Abgrund

Ein Bündner Krimi zeigt auf, wie fragil das Leben sein kann und wie weit Entscheidungen nachwirken – mit einer Wucht, die sich erst spät zeigt.

Peter Kappeler

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Der 56-jährige Peter Kappeler ist seit bald 15 Jahren CEO der Versicherung Pax. PR

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Mit Risiken umzugehen, gehört zu meinem Alltag. Als CEO einer Vorsorgeversicherung setze ich mich täglich mit den grossen Fragen über Leben, Tod und alles, was dazwischen passiert, auseinander. Es ist wohl kein Zufall, dass mich genau diese Themen auch in meiner Freizeitlektüre beschäftigen.
Ich verbringe gerne Zeit in den Bündner Bergen. Die Landschaft ist mir vertraut. Umso stärker wirkt es, wenn diese Orte zur Bühne von Verbrechen werden, wie in den Krimis von Philipp Gurt, die konsequent in und um Chur spielen. Auch in seinem Roman «Todesengel» verbindet sich Fiktion mit einer Landschaft, die real existiert und sich vor Ort nachvollziehen lässt. Schauplätze, die ich kenne, werden Teil einer Geschichte, die plötzlich näher rückt. Greifbarer wird. Unbequemer. Das fasziniert mich.
Der Fall beginnt mit einem verstörenden Bild: eine junge Frau, am Waldrand auf einer Bank platziert – so arrangiert, als wäre sie noch am Leben. Doch ein Detail irritiert besonders. Schnell zeigt sich, dass die Tat nicht für sich allein steht. Die beiden Ermittlerinnen Giulia de Medici und Nadia Caminada stossen auf Parallelen zu einem Jahrzehnte zurückliegenden Verbrechen. Was folgt, ist kein eigentlich klassischer Kriminalroman, sondern ein langsames, behutsames Freilegen von Zusammenhängen, die lange im Verborgenen lagen.

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Die eigentliche Stärke des Romans liegt für mich weniger im Plot als in seiner Konsequenz: Entscheidungen verschwinden nicht. Sie wirken weiter, manchmal über Jahre, manchmal über Generationen. Und oftmals mit einer Wucht, die sich erst spät zeigt.
Das ist eine Erfahrung, die auch meine Branche prägt. Risiken sind selten isoliert. Sie entwickeln sich, verketten sich, entfalten ihre Wirkung über die Zeit. «Todesengel» erzählt genau davon. Ohne belehrend zu sein, aber mit einer Klarheit, die nachhallt.
Gleichzeitig bricht der Roman bewusst mit der Vorstellung von alpiner Idylle. Die Bündner Landschaft bleibt ruhig, fast unberührt. Sie kontrastiert damit die Geschichte, verstärkt sie, macht sie glaubwürdiger. «Todesengel» ist für mich mehr als ein spannender Krimi. Es ist ein Buch über Verantwortung. Und über die unbequeme Wahrheit, dass sich die Folgen unseres Handelns nicht einfach abschütteln lassen.

Buchtipp

«Todesengel» von Philipp Gurt, Kampa Verlag, 384 Seiten, Fr. 27.90.
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