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Auf der Suche nach seiner Zeit

Giangiacomo Rossetti versammelt in seinen Bildern seine Freunde, seine Frau oder sich selbst in rätselhaften Szenen. Er bedient sich dabei Motive alter Meister und moderner Klassiker, als stünde er am Mischpult.

Brigitte Ulmer

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ZEITREISENDER Giangiacomo Rossetti im Haus und Fotostudio seines Grossvaters in Mailand, aufgenommen von seinem Bruder Michele Rossetti. Michele Rossetti

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Giangiacomo Rossetti ist gut darin, Spuren zu legen – und ebenso, sie wieder zu verwischen. Liegt da im Bild «Golden Bowl, for Their Eyes Were Heavy» (2025/26) eine sterbende Christusfigur unter einer gelben Decke – oder ist es der Künstler selbst? Flankiert ist die Figur von zwei Freunden – oder Jüngern? – und einem Hund. Dass der Hund in die Gegenwart gehört, ist eindeutig, denn der Afghanische Windhund gehört Giangiacomo, und er taucht auch in anderen Arbeiten immer wieder auf. In der rechten Hand hält der Liegende einen Goldkelch, der direkt ins Gesicht des einen Mannes leuchtet. Spielt der Künstler hier mit unseren Erwartungen – und führen uns unsere eigenen Assoziationen in die Irre?
Für ein anderes Bild, das ebenfalls kürzlich in seiner Solo-Ausstellung bei Mendes Wood DM in Paris zu sehen war, montierte sich Rossetti selbst in eine belebte Pariser Strassenszene der Belle Époque – in Pierre-Auguste Renoirs «Les Parapluies» (1881–1886). Er liess dabei ein Mädchen aus dem Bild verschwinden und trat an seine Stelle. Was am untern Rand zunächst wie ein Spiegel wirkt, entpuppt sich als Hula-Hoop-Reifen des abwe-senden Kindes. Rossetti legt seine Figuren über kunsthistorische Vorlagen, als zirkulierten diese in einem digitalen Bildraum.

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In der subversiven Nonchalance, mit der der 36-jährige Mailänder Künstler Kunstgeschichte mit Gegenwart kurzschliesst, liegt etwas radikal Zeitgenössisches – eine Logik, die man aus dem Internet kennt, mit seinen allzeit verfügbaren Bildwelten aus allen Epochen. Diese Haltung trifft einen Nerv und verschaffte ihm interna-tionale Aufmerksamkeit. Seine Arbeiten waren in Topgalerien wie Greene Naftali in New York, Mendes Wood DM in Paris, São Paulo und Brüssel zu sehen, ebenso wie im Castello di Rivoli in Turin oder in der Power Station in Dallas und im Fiorucci Art Trust in London. Und letztes Jahr beauftragte ihn Jonathan Anderson zudem, ein Bild für seine erste Dior-Show zu schaffen, das «den Geist der Kollektion einfängt».
Wir treffen uns vor einem Haus an der Piazza Sempione in Mailand, unweit des Arco della Pace, den Napoleon Bonaparte einst errichten liess. Der Künstler hat um eine Stunde verschoben und kommt dennoch zu spät, aber bei Rossetti ist Zeit ohnehin eine relative Grösse. Mit seiner schlaksigen Figur und dem langen Haar könnte er direkt seinen eigenen Bildern entstiegen sein.
Das Haus wirkt an diesem Morgen selbst wie eine historische Kulisse: Die Räume sind leer, die Wände kahl. Während wir die Treppen hochsteigen, fällt der Blick auf die Staffeleien und halbfertigen Bilder in den oberen Stockwerken, die verraten, dass hier gearbeitet wird. Fotografien liegen herum, die das Haus in seinem einstmals bewohnten Zustand zeigen. Designermöbel, viel Orange, eine progressive Wohnästhetik. Das Haus gehörte, wie Giangiacomo erzählt, seinem Grossvater, einem bekannten Mailänder Fotografen, und einst befand sich hier auch dessen Fotostudio. Ein Ort der Bildproduktion also, der in diesen April-Tagen vor dem Verkauf für kurze Zeit nochmals aktiviert wird: durch den Maler selbst und durch seinen Bruder Michele, der ihn für «Bolero» fotografieren wird.

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Rossetti lebt seit acht Jahren in Brooklyn. Während der Biennale Venedig wird seine Einzelausstellung im Palazzetto Tito in Dorsoduro eröffnet. Hier in Mailand nutzt er die verbleibenden Tage, um an einigen Werken weiterzuarbeiten.
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GIANGIACOMO ROSSETTI «24 Hours a Day», 2017–2021, Öl auf Holztafel.Michele Rossetti
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GIANGIACOMO ROSSETTI «24 Hours a Day», 2017–2021, Öl auf Holztafel.Michele Rossetti
Bolero Wie sind Sie zur Kunst gekommen?
Giangiacomo Rossetti Meine Familie ist stark mit Kunst verbunden: Mein Vater ist Künstler, meine Mutter Stylistin, ein Grossvater war Fotograf, der andere Illustrator für Werbung – er hat unter anderem das Nutella-Männchen und die Figuren der Überraschungseier entworfen. Kunst, Ausstellungen, die Biennale in Venedig – das war für mich immer völlig normal. Trotzdem wollte ich zuerst eher Wissenschaftler, Anwalt oder Fotograf werden.
Was hielt Sie davon ab?
Irgendwann bekam ich ein Buch von Giorgio de Chirico in die Hände, in dem mich ein Text sehr geprägt hat: «Il mestiere del pittore» (Das Handwerk des Malers). Darin schreibt er über traditionelle Maltechniken, über Handwerk, Materialien und die Methoden der alten Meister – Oberfläche, Firnis, Finish, Kopieren, das Studium klassischer Werke. Kurz danach begann ich zu malen und schrieb mich an der Accademia di Brera ein. Mein erstes Bild war in Eitempera.
In Ihren Bildern weiss man oft nicht genau, in welcher Zeit man sich befindet. Wie kam es, dass Sie sich immer wieder an Kunsthistorischem orientieren?

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Am Anfang malte ich sehr minimalistisch, fast im Stil von Robert Ryman. Das hat mir aber keine Freude gemacht. Danach kamen dunkle Bilder, fast nur Übermalungen, aus denen Figuren auftauchten. Ich habe gelernt, Szenen aufzubauen, oft über die Kunstgeschichte. Irgendwann war mir klar: Ich will nicht gegen die Malerei arbeiten, sondern mit ihr. Und ich wollte etwas finden, was mich langfristig trägt. Mich interessierte die gesamte Geschichte der Malerei. Ich kannte Vasari, den Renaissance-Chronisten, ich wusste viel über Materialien – aber es war auch absurd: viel Theorie im Kopf, kaum Praxis. Ich war in einer konzeptuellen Klasse. Genau das wurde zur Herausforderung, als ich dieses Buch gelesen habe. Dann hatte ich das Gefühl, durch einen Zeittunnel zu gehen. Ich begann, Figuren zu sehen, die mit Zeit spielen oder sie verschieben: Balthus, Manet, Carlo Crivelli. Crivelli war spannend, weil er noch gotische Elemente verwendet – Formen aus einer anderen Zeit, die er in seine Gegenwart holt. Genau das interessiert mich. Auch Böcklin war ein Experimentierender, ebenso Poussin. Viele grosse Maler haben bewusst auf ältere Vorbilder zurückgegriffen.
Figurative Malerei war aber damals, in den frühen Zehnerjahren, doch so etwas wie ein Tabubruch.

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Ja, das war fast schon Punk. Heute ist sie selbstverständlich. Damals war es eine Reibung. Der amerikanische Kunsthistoriker Benjamin Buchloh sprach sogar von Regression. Ich hatte auch meine Konflikte mit Figuration. Alles kann benutzt werden, aber man muss vorsichtig sein. Mein Abschlussbild während meines Studiums in Basel war eine Kopie von Böcklin, in Böcklins Geburtsstadt und dem zentralen Erinnerungsort seines Werks war das eine Irritation. Heute wirkt es fast harmlos.
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GIANGIACOMO ROSSETTI «Golden Bowl, For Their Eyes Were Heavy», 2025/26, Öl auf Holztafel, Künstlerrahmen.Nicolas Brasseur
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GIANGIACOMO ROSSETTI «Golden Bowl, For Their Eyes Were Heavy», 2025/26, Öl auf Holztafel, Künstlerrahmen.Nicolas Brasseur
Seit seinen Anfängen bedient sich Rossetti im grossen Reservoir der Kunstgeschichte wie an einem reich gedeckten Buffet. Und er geht immer raffinierter ans Werk: Er überführt religiöse Renaissance-Darstellungen in heutige Settings in Brooklyn, zeigt sich in Anlehnung an Gustave Courbets Selbstporträts in verletzlicher Pose und sammelt Motive, Bildtraditionen und Malstile mit einer Selbstverständlichkeit, als wären es frei verfügbare Bausteine. Darüber legt er oft eine altertümlich wirkende Lasur. Seine Bilder funktionieren wie Zeitmaschinen: Sie öffnen Räume, in denen man zwischen Epochen hin- und hergleitet. Körperhaltungen stammen aus der Renaissance, Objekte erinnern an den Barock, kleine Details wiederum an die Romantik, an Futurismus oder die Scuola romana der Zwischenkriegszeit.

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Bolero Ein Kritiker schrieb, Sie würden alten Meistern die Kehle durchschneiden.
Giangiacomo Rossetti Das ist nicht meine Absicht. Ich will keine Meister töten, sondern sehe mich eher in der Position des Lehrlings. Ich interessiere mich für ihr Material und ihre Motive. Ich habe konzeptionell begonnen, aber irgendwann begann ich, mich wirklich für die Materialität zu interessieren. Ich habe das Handwerk gelernt – und kann es heute einsetzen.
Erforschen Sie auch die technischen Aspekte?
Ich kombiniere gern sehr unterschiedliche Dinge: Materialien ebenso wie alte Techniken. Zum Beispiel flüssigen Bernstein, den die flämischen Maler früher als Firnis verwendeten – ein Naturharz, gelöst in Terpentin oder Leinöl.
Und die Motive?
Ich glaube nicht, dass heute noch jemand so streng malt wie die alten Meister. Ich jedenfalls nicht. Im Gegenteil: Mich interessiert gerade das Fehlen dieser Strenge, ich liebe die Freiheit. Manchmal sind meine Bilder Mash-ups – ein wenig französische Malerei des 19. Jahrhunderts, aber gemalt mit Materialien des 18. Jahrhunderts.
Sie sampeln die Zeiten?
Vielleicht. Ich habe eine gewisse Gelassenheit gegenüber der Zeit. Ich töte nicht die Meister – ich töte die Zeit. Lineare Erzählungen sind zerbrochen. Es gibt keine festen Regeln mehr. Genau daraus entsteht Verantwortung. Für mich ist Kunst nicht einfach Ausdruck von Kreativität, sondern ein stetiges Arbeiten mit vorhandenen Bausteinen, die mich weiterführen.

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ZWISCHEN DEN WELTEN Der in Brooklyn lebende, in Mailand und Basel ausgebildete italienische Künstler hat kein Zugehörigkeitsgefühl.Michele Rossetti
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ZWISCHEN DEN WELTEN Der in Brooklyn lebende, in Mailand und Basel ausgebildete italienische Künstler hat kein Zugehörigkeitsgefühl.Michele Rossetti
Was viele von Rossettis Bildern verbindet, ist die somnambule Wirkung seiner Figuren. Vielleicht veranlasste diese Qualität Jonathan Andersons Team bei Dior dazu, ihn zu beauf-tragen, ein Bild zur ersten Show zu schaffen, das «den Geist der Kollektion einfängt». Er malte einen Freund auf einem antiken Stuhl, in Jeans und blauem Hemd, in stiller Nachdenklichkeit. Daneben, auf einem zweiten Stuhl, eine Vase mit einer rosa Nelke – Symbol für Erinnerung und Liebe. Rossetti sagte, der Mann habe «die Schönheit der 1990er-Jahre, als wäre er ein Zeitreisender».
Sein jüngstes Projekt, «The Dead», das er in Venedig zeigen wird, geht vom Fotoarchiv seines Grossvaters aus. Rossetti transformierte Familienbilder der 1950er- bis 1980er-Jahre in tiefblaue Monotypien – Momente kurz vor dem Verschwinden.
Bolero Was hat Sie zur neuen Serie inspiriert?
Giangiacomo Rossetti Ich habe John Hustons Film «The Dead» gesehen, nach einer Erzählung in James Joyces «Dubliners». Es geht darum, wie Erinnerung unsere Gegenwart prägt und was wir vom Vergangenen in uns weitertragen. Dass wir zwischen den Lebenden und den Toten existieren, ohne klare Grenze. Meine Familie, auch die Verstorbenen, sind in meinem Leben sehr präsent. Venedig ist stark mit mir verbunden – mit meinen Fantasien und Geschichten. Als Kind war ich oft dort.

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GIANGIACOMO ROSSETTI «Variations in Pink and Blue», 2022, Öl auf Leinwand.Michele Rossetti
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GIANGIACOMO ROSSETTI «Variations in Pink and Blue», 2022, Öl auf Leinwand.Michele Rossetti
Er spricht von der Eleganz der Mode in den Bildern, vom ausgesuchten Stil seiner Grosseltern. In den Bildern erscheint die Grossmutter als junge Amerikanerin mit cooler Sonnenbrille und sein Grossvater als schnittig-galanter Mann. Die Nonchalance im Stil scheint sich auf ihren Enkel übertragen zu haben, der auf vielen Porträts wie ein grungiger Dandy wirkt, mit überlangen Hosen und auffälligen Farbkombinationen. Geboren in Mailand, wuchs er in Oriano auf der italienischen Seite des Lago Maggiore auf, weil seine Eltern nicht wollten, dass er in der Stadt gross wird. Er aber sei nie wirklich Teil der ländlichen Welt geworden. Nach Mailand ging er zum Studium, vor acht Jahren zog er nach Brooklyn.
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GIANGIACOMO ROSSETTI «Here Comes the Child», 2025/26, Öl auf Holztafel, Künstlerrahmen.Nicolas Brasseur
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GIANGIACOMO ROSSETTI «Here Comes the Child», 2025/26, Öl auf Holztafel, Künstlerrahmen.Nicolas Brasseur
Bolero Wie unterscheidet sich das Lebensgefühl von Mailand und Brooklyn?
Giangiacomo Rossetti Mein Viertel in Brooklyn ist extrem ruhig, aber New York insgesamt ist natürlich sehr lebendig. Mailand ist auch spannend. Die Stadt ist geprägt von Gio Ponti, der Architektur der Zwischenkriegszeit. Es ist eine Stadt, die sich ständig verändert und weniger von der Vergangenheit belastet ist als andere italienische Städte.
Wo fühlen Sie sich heute zugehörig?
Ich habe nie wirklich ein Zugehörigkeitsgefühl zu einem Ort gehabt. Vielleicht, weil meine Familie nicht aus dem Ort stammt, in dem ich aufgewachsen bin. Ich definiere mich nicht stark über einen bestimmten Ort. Wenn ich irgendwo bin, bin ich meist schnell zufrieden. Ich kenne aber viele Italiener in New York, die es da schwierig finden. Und umgekehrt Amerikaner in Italien, die sich schnell langweilen. Ich aber verbringe gern Zeit in verschiedenen Umgebungen.

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Während der Pandemie war es in New York aber sicherlich nicht leicht.
Den Lockdown verbrachte ich in Up-state New York. Ich habe dort auch geheiratet – es war eine dunkle, seltsam stille, aber auch idyllische Zeit. Der Ort inmitten der Natur erinnerte mich an meine Kindheit. Es war ein sonderbares Gefühl, an einem Ort zu sein, der nicht der eigene ist – und sich trotzdem vertraut anfühlt. Ein fremder Ort, der in einem Moment völliger Entkopplung plötzlich wie Heimat wirkte.
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GIANGIACOMO ROSSETTI «Against the Wind», 2026, Öl auf Leinwand.Michele Rossetti
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GIANGIACOMO ROSSETTI «Against the Wind», 2026, Öl auf Leinwand.Michele Rossetti
Ein Künstler braucht den Rückzug. Ihre Bilder zeigen aber immer auch Ihre Freunde. Wie finden Sie zurück zu sich?
Ich mag es tatsächlich sehr, meine Freunde zu sehen, Leute zu treffen, auch viel unterwegs zu sein, zu Vernissagen zu gehen – in New York gibt es unzählige Eröffnungen jeden Monat – und zu reisen. Und dann brauche ich die Rückkehr in die Stille, zur Konzentration. Sie muss sein. Ich gehe jeden Tag ins Atelier. Auch wenn es nur kurz ist. Aber ich bin kein Eremit.
Sie müssen ein besonderes Verhältnis zur Zeit haben, wenn Sie ständig zwischen verschiedenen Epochen hin- und herswitchen. Macht sich das auch in Ihrem Alltag bemerkbar?
In letzter Zeit habe ich gemerkt, dass sich die Zeit extrem verlangsamt, wenn ich male. Es können zwei Monate vergehen, während ich an einem Bild arbeite. Dann lebe ich wie in einer Zeitschleife. Und dann ist plötzlich viel Zeit vergangen. Ich werde bald 37. Vielleicht ist es das erste Mal, dass ich mein Alter spüre. Ich hoffe, ich gewöhne mich daran. Malerei widersetzt sich dieser Zeitlichkeit – sie erzeugt etwas, das über die eigene Zeit hinaus besteht.

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DANDYHAFT Still entrückt zwischen Schönheit und Melancholie.Michele Rossetti
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DANDYHAFT Still entrückt zwischen Schönheit und Melancholie.Michele Rossetti
Giangiacomo Rossetti, «The Dead», Fondazione Bevilacqua La Masa – Palazzetto Tito, Venedig, bis 26. Juli.
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