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Mode

Caroline Scheufele über Couture, Chopard-Juwelen und die Vision hinter ihrer Mode

Vier Haute-Couture-Kollektionen hat Caroline Scheufele bisher im Dialog mit den Juwelen von Chopard entworfen. Ein Gespräch über die Vision hinter Caroline’s Couture.

Sara Allerstorfer

Caroline's Couture und Schmuck aus der Red Carpet Collection von Chopard
Caroline's Couture und Schmuck aus der Red Carpet Collection von ChopardElisa Baudoin

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BOLERO Sie entwerfen seit Jahrzehnten Haute Joaillerie. Warum brauchte es irgendwann plötzlich Kleidung? Was konnten Sie mit Diamanten und anderen Edelsteinen nicht erzählen, was ein Kleid vollenden konnte?
CAROLINE SCHEUFELE Für mich ist die Couture kein Richtungswechsel, sondern die natürlichste Erweiterung meines kreativen Universums. Über viele Jahre hinweg habe ich Schmuck entworfen, der die schönsten Kleider der Welt begleiten sollte. Irgendwann entstand der Wunsch, die gesamte Silhouette zu gestalten. Ein Schmuckstück veredelt eine Frau, doch ein Kleid verleiht ihr Ausstrahlung, begleitet ihre Bewegungen und erzählt eine Geschichte, bevor sie überhaupt ein Wort spricht. Caroline’s Couture entstand aus der Überzeugung, dass Schmuck und Kleid, von Anfang an gemeinsam gedacht, eine gemeinsame Geschichte erzählen.
Haute Couture lebt traditionell von den Codes eines Modehauses. Ihre Codes stammen aus der Schmuckwelt. Wie übersetzt man Edelsteine, Schliffe und Volumen in Stoff, ohne dass daraus bloss dekorative Details werden?
Ich versuche nie, ein Schmuckstück einfach auf Stoff zu reproduzieren. Mich interessiert vielmehr, ein Gefühl zu übertragen. Die Art und Weise, wie ein Edelstein das Licht einfängt, Volumen offenbart oder Emotionen hervorruft, wird zur Inspirationsquelle für Material, Schnitt oder Silhouette. Ich schaffe einen Dialog, in dem sich beide Welten mit derselben Präzision und Poesie gegenseitig bereichern.

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134901-1001_840590-1001_82A628_-1001_Red Carpet Collection ©Elisa Baudoin_V3_conv.jpeg
CAROLINE'S COUTURE Bluse aus Seidenorganza, Rock, mit Perlen, Pailletten, Kris-tallen und Blumen handbestickt. Chopard Schmuck aus der Red-Carpet-Collection, alles aus 18 Karat ethischem Weissgold: Damenuhr und Chandelier-Ohrringe mit Diamanten, Zebra-Ring, pavébesetzt mit schwarzen und weissen Brillanten, die Augen aus Onyx-Cabochons.Elisa Baudoin
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CAROLINE'S COUTURE Bluse aus Seidenorganza, Rock, mit Perlen, Pailletten, Kris-tallen und Blumen handbestickt. Chopard Schmuck aus der Red-Carpet-Collection, alles aus 18 Karat ethischem Weissgold: Damenuhr und Chandelier-Ohrringe mit Diamanten, Zebra-Ring, pavébesetzt mit schwarzen und weissen Brillanten, die Augen aus Onyx-Cabochons.Elisa Baudoin
Ein Kleid ist nie nur eine Kreation für sich – die Frau, die es trägt, verändert und prägt es. Was fasziniert Sie an diesem Zusammenspiel?
Ein Kleid erzählt eine intimere Geschichte. Es begleitet den Körper, offenbart die Persönlichkeit, vermittelt eine Haltung. Es lebt mit der Frau. Ich denke gern, dass ein Schmuckstück eine kostbare Emotion ist, während ein Kleid eine Emotion in Bewegung darstellt. Wenn beide miteinander in Dialog treten, entsteht etwas zutiefst Harmonisches: Ausstrahlung.
Wann ist ein Kleid für Sie gelungen? Wenn es perfekt aussieht oder wenn sich die Trägerin darin verändert?
Technische Perfektion ist unverzichtbar. Entscheidend ist für mich, wie sich eine Frau fühlt, wenn sie das Kleid anzieht. Ich wünsche mir, dass sie das Kleid vergisst und nur das Selbstvertrauen, die Freiheit und die Freude wahrnimmt, die es ihr schenkt. Es soll das hervorheben, was sie bereits einzigartig macht. Wahre Eleganz entsteht immer aus dieser Authentizität.
Welche gestalterischen Prinzipien aus der Haute Joaillerie begleiten Sie in der Couture – und welche mussten Sie bewusst hinter sich lassen?
Sowohl in der Juwelierskunst als auch in der Mode kann das kleinste Detail das Gleichgewicht einer Kreation verändern. Gleichzeitig habe ich gelernt, zu akzeptieren, dass ein Kleidungsstück seine eigene Freiheit besitzt. Ein Schmuckstück wird geschaffen, um die Zeit unverändert zu überdauern. Ein Kleid hingegen erwacht durch Bewegung und durch die Frau erst richtig zum Leben. Gerade diese lebendige Dimension macht die Couture für mich so faszinierend.

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Sie arbeiten mit denselben Ansprüchen ans Handwerk wie in der Haute Joaillerie. Wo entdecken Sie heute noch Techniken oder Kunsthandwerker, die selbst Sie überraschen?
Ich liebe es, Kunsthandwerker kennenzulernen, ihre Arbeitsweise zu entdecken und zu verstehen, wie sie mit Materialien umgehen. Hinter jedem handwerklichen Können verbergen sich Geschichten, Kulturen und persönliche Sensibilitäten. Besonders fasziniert mich, wenn traditionelle Techniken zeitgemäss neu interpretiert werden können. Wir erforschen auch ständig neue Materialien, Stickereien und Lichteffekte. Die Couture entwickelt sich durch jene weiter, die die Grenzen ihres Handwerks immer wieder neu ausloten.
Luxus wird heute auch über Understatement definiert. Ihre Couture dagegen darf spektakulär sein. Wo verläuft für Sie die Grenze zwischen Opulenz und Über-inszenierung?
Wahrer Luxus hat für mich nie etwas mit Zurückhaltung oder Exzentrik zu tun. Er ist vor allem eine Frage der richtigen Balance. Die Couture erlaubt eine Form von Kühnheit, die das Prêt-à-porter nicht zwingend anstrebt. Sie soll Träume wecken, Gemütsbewegungen auslösen und aussergewöhnliches Handwerk feiern. Spektakuläres hat jedoch nur dann einen Wert, wenn es der Eleganz dient. Eine Silhouette kann äusserst reich gearbeitet sein und dennoch eine grosse Leichtigkeit bewahren. Wahre Raffinesse liegt in diesem subtilen Gleichgewicht von Stärke und Zartheit.

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Caroline Scheufele au rooftop du Martinez.jpg
Mit sechzehn entwarf Caroline Scheufele ihr erstes Schmuckstück. Heute designt sie auch Couture mit derselben Poesie.Ryan Northrop
Caroline Scheufele au rooftop du Martinez.jpg
Mit sechzehn entwarf Caroline Scheufele ihr erstes Schmuckstück. Heute designt sie auch Couture mit derselben Poesie.Ryan Northrop
BOLERO Die meisten Couturiers beginnen mit einem Stoff oder einer Silhouette. Beginnen Sie mit einem Schmuckstück oder einer Farbe?
CAROLINE SCHEUFELE Jede Kollektion beginnt mit einer Emotion. Diese kann von einem aussergewöhnlichen Edelstein, einer besonderen Farbharmonie, einem Lichtmoment auf einer Reise oder einfach von einem Material ausgelöst werden, das den Wunsch, zu gestalten, weckt. Natürlich bilden die Haute-Joaillerie-Kollektionen von Chopard einen wesentlichen Ausgangspunkt. Die Kleider werden geschaffen, um mit dem Schmuck in Dialog zu treten, niemals um mit ihm zu konkurrieren. Danach beginnt die Arbeit mit den Stoffen. Ein Material hat seine eigene Art, Licht einzufangen, Bewegung zu begleiten und Gefühle auszudrücken. Letztlich verleiht es der Silhouette ihre Seele.
Was berührt Sie heute mehr: ein perfekt geschliffener Diamant oder ein Kleid, in dem Hunderte Stunden Handarbeit stecken?
Ich könnte mich niemals entscheiden. Hinter einem perfekt geschliffenen Diamanten ebenso wie hinter einem Couturekleid stehen unzählige Stunden Geduld, höchste Präzision und Menschen, die ihr Leben einem aussergewöhnlichen Handwerk widmen. Diese Hände, diese Leidenschaft und die Weitergabe von Wissen verleihen einer Kreation ihren eigentlichen Wert. Luxus ist für mich vor allem etwas zutiefst Menschliches.

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Für Caroline’s Couture entwickeln Sie eigene Stoffe und arbeiten mit spezialisierten Ateliers zusammen. Eigene Stoffentwicklungen sind aufwendig und wirtschaftlich kaum der einfachste Weg. Warum war Ihnen dieser Schritt wichtig?
Für mich ist das Material weit mehr als nur ein Träger – es ist der Ausgangspunkt jeder Emotion. Wenn ich keinen Stoff finde, der exakt das ausdrückt, was ich mir vorgestellt habe, wird es ganz natürlich, ihn selbst zu entwickeln. Das ist zweifellos ein anspruchsvoller Weg, aber Couture bestand noch nie darin, den einfachsten Weg zu wählen. Sie bedeutet, einer Vision bis zum Ende treu zu bleiben. Die Entwicklung eigener Stoffe schenkt uns eine aussergewöhnlich kreative Freiheit. Wir können mit Licht, Texturen, Transparenz und Volumen auf vollkommen einzigartige Weise spielen. So wie in der Haute Joaillerie jeder Edelstein aufgrund seiner individuellen Persönlichkeit ausgewählt wird, wird jeder Stoff zu einer exklusiven Kreation, um eine ganz bestimmte Geschichte zu erzählen.
Wann setzt sich bei Caroline’s Couture die Unternehmerin durch – und wann die Kreativdirektorin?
Zwischen diesen beiden Facetten meiner Tätigkeit besteht selbstverständlich ein fortwährender Dialog. Die Unternehmerin achtet auf die langfristige Entwicklung des Hauses. Die Krea-tivdirektorin hingegen denkt ohne Einschränkungen in Möglichkeiten. Bei Caroline’s Couture habe ich oft der Krea-tiven den Vortritt gelassen. Manche Ideen erforderten Zeit, Investitionen oder äusserst ambitionierte Entwicklungsprozesse. Vielleicht waren das nicht die einfachsten Entscheidungen, aber sie waren die richtigen. Vernunft ist unverzichtbar, aber sie darf niemals den Traum verhindern.

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Woran möchten Sie künftig erkennen, dass die Kollektion mehr geworden ist als eine kreative Erweiterung der Haute Joaillerie von Chopard?
Ich werde es daran erkennen, dass Frauen sich für eine Kreation von Caroline’s Couture entscheiden, nicht weil sie ein Schmuckstück ergänzt, sondern weil sie selbst eine Emotion auslöst. Ich möchte ein echtes Universum aufbauen – mit einer eigenen Ästhetik, einer eigenen Sprache und einer eigenen Sensibilität. Wenn eine Silhouette von Caroline’s Couture in zehn Jahren sofort erkennbar ist, ohne dass man das Logo sehen muss, dann werden wir unser Ziel erreicht haben. Grosse Häuser zeichnen sich durch ihre Identität aus – mehr als durch ihre Signatur. Genau diese Handschrift, zugleich zeitlos und zutiefst feminin, möchte ich weiterentwickeln.
Wo soll die Marke in zehn Jahren stehen?
Couture ist ihrem Wesen nach eine sehr persönliche Erfahrung. Jede Kreation entsteht aus einem Dialog mit der Frau, die sie tragen wird. In zehn Jahren sehe ich Caroline’s Couture als ein etabliertes Couturehaus innerhalb der internationalen Haute Couture, anerkannt für sein aussergewöhnliches Savoir-faire, seine exklusiven Stoffe und seinen einzigartigen Blick auf zeitgenössische Weiblichkeit. Ich wünsche mir, dass jede Begegnung, jede Anprobe und jedes Kleid als einzigartiger Moment empfunden wird, in dem Emotion, Handwerkskunst und Kreativität zusammenkommen.

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«Vernunft darf niemals den Traum verhindern.»

Caroline Scheufele, ­Co-Präsidentin und Artistic Director Chopard
Über die Autoren

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