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Digital Shapers 2026

Frameworkers

Sie setzen die Leitplanken der Digitalisierung, in der Politik, in der Verwaltung, in Verbänden.

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Digital Shapers: die Frameworkers.
Digital Shapers: Frameworkers. KI-Illustration: Tessy Ruppert

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Die Digital Shapers treiben mit ihren Ideen und Projekten die digitale Transformation in der Schweiz voran. In zehn Kategorien werden die Vordenkerinnen und Vordenker aus Wirtschaft, Technologie, Wissenschaft und Gesellschaft vorgestellt. Sie stehen für Innovationskraft, unternehmerischen Mut und den Willen, mit digitalen Lösungen echten Mehrwert zu schaffen. So wird sichtbar, wer die digitale Zukunft der Schweiz aktiv gestaltet und prägt.

GERHARD ANDREY, 50

Mitgründer Liip und Nationalrat, Freiburg
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Thierry Porchet
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Thierry Porchet
Das Verdienst des 50-jährigen Freiburger Nationalrats liegt in der Verknüpfung von technologischem Know-how, unternehmerischer Praxis und politischer Gestaltung. Als Vertreter der Grünen und IT-Unternehmer war er stark an der Neuausrichtung der elektronischen Identität (E-ID) beteiligt. Nachdem ein privatisierter Entwurf 2021 vom Volk abgelehnt worden war, lancierte er einen parteiübergreifenden Mehrfachvorstoss für eine vertrauenswürdige, staatliche E-ID. Einfluss hatte er auch beim Gesetz mit dem sperrigen Kürzel EMBAG. Es fördert die Digitalisierung der Bundesverwaltung und verpflichtet Behörden, wann immer möglich elektronische Mittel zu nutzen, vom Bund über die Kantone bis zu den Gemeinden. Andrey schaffte es, einen Paragrafen im Gesetz zu verankern, damit staatlich entwickelte Software als Open Source gefördert wird unter seinem Credo «Public Money, Public Code». Im Parlament engagiert er sich stark für den Ausbau der zivilen Cyberabwehr. Gemeinsam mit Politikern anderer Lager setzte er sich erfolgreich für mehr Ressourcen für das Bundesamt für Cybersicherheit ein, um die Schweiz besser gegen Hackerangriffe zu wappnen. Zudem ist er Mitgründer der Digitalagentur Liip.

MARTIN BÜRKI, 56

Präsident ComCom, Bern
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Sandra Stampfli
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Sandra Stampfli
Bereits die Digitalisierung hat die Welt der Wirtschaft und der Unternehmen beschleunigt; die künstliche Intelligenz erhöht das Tempo noch einmal. Davon allerdings ist bei der Eidgenössischen Kommunikationskommission ComCom nicht viel zu spüren. Das Gremium mit Behördenfunktion, das als Regulator über die Telekom-Infrastruktur in der Schweiz wacht, hat die letzte Medienmitteilung vor bald einem Jahr publiziert. Sie hatte die Ernennung von Martin Bürki zum neuen Präsidenten der ComCom zum Thema. Und auch seither ist nichts an Neuigkeiten aus der Kommission an die Öffentlichkeit gelangt. Mit Ausnahme der Diskussion über die inkriminierte Nähe von Bürki zur wichtigsten beaufsichtigten Firma im Land, der Swisscom. Aber vielleicht ist ja gerade die Absenz von Aufregung der Kern seiner Rolle. Klar ist jedenfalls: Bürki will sich «mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass die Schweiz auch künftig über eine zukunftsfähige, sichere und wettbewerbsstarke Telekommunikationsinfrastruktur verfügt». Word!

Weitere neun Kategorien

JUDITH BELLAICHE, 55

Präsidentin Asut, Zürich
GLP, GRUENLIBERALE PARTEI,
Keystone
GLP, GRUENLIBERALE PARTEI,
Keystone
Im Hunderter-Tableau der Schweizer Digital Shapers wimmelt es nur so von kreativen Unternehmern, Robo-Tüftlern, Finanztechies und Powercodern. Da mag der Posten der Präsidentin eines Verbands zunächst einmal etwas – nun ja – unsexy erscheinen. Judith Bellaiche hat das schon mindestens zweimal gehört. Auf ihrem aktuellen Posten als Präsidentin des Schweizerischen Verbands der Telekommunikation (Asut). Und zuvor, als sie von 2019 bis 2024 Geschäftsführerin des Wirtschaftsverbandes für die digitale Schweiz (Swico) war. Bellaiche selber sieht das selbstredend diametral anders und streicht die wellenschlagende Power einer solchen Organisation heraus: «Ohne Verband bringt man die Dinge nicht vorwärts.» Die studierte Juristin, die sich als ehemalige Zürcher Kantonsrätin und Nationalrätin bestens an der Schnittstelle von Politik und Wirtschaft auskennt, schildert eine gut geführte Interessengemeinschaft als Kraftquelle für Ideen und Veränderungswille: «Ein Verband bündelt Energie – im Falle von Asut die Idee der Digitalisierung.» Die rund 350 Asut-Mitglieder stehen für die digitale Infrastruktur des Landes. Die Bandbreite dieses Schweizer Digi-Backbones reicht von den grossen nationalen Telekommunikationsunternehmen Salt, Sunrise und Swisscom bis hin zu Datencentern, Cloud-Services, Multimedia-Anbietern, Kraftwerken und globalen Riesen wie ABB.
Die aktuellen Geschehnisse der digitalen Welt findet Judith Bellaiche hochspannend. Das Wesen der künstlichen Intelligenz hält sie nicht wie einige andere für überschätzt, sondern stuft es als Gamechanger ein. Ähnlich beispielsweise wie die Entwicklungen, die um die Jahrtausendwende im Internet-Goldrausch einsetzten. Nun stünden wir wieder an einem Wendepunkt: «Die jetzige Zeit bringt einiges an Strukturwandel – und nicht alle Player, die in der Internet-Ära zu den Gewinnern zählten, werden in der beginnenden KI-Phase ebenfalls auf der Siegertreppe stehen.» Bellaiches Wissen ist nicht nur in Verbänden geschätzt, sondern auch in Verwaltungsräten. Seit Mai 2025 sitzt sie neu in den VRs der Mobiliar Genossenschaft und der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ). «Diese Tätigkeit würde ich gerne ausbauen», sagt die Political-Affairs-Expertin, die dieses Jahr schon zum dritten Mal in die Reihen der Digital Shapers gewählt worden ist. Womit sie an einem Ort einziehen wird, dem niemand den Sex-Appeal absprechen kann: in die Hall of Fame der Digital Shapers.

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JON FANZUN, 56

CEO Swico, Zürich
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Jon Fanzun hatte schon viele Funktionen inne. Er war Journalist, Projektmanager einer NGO, Stabschef zweier Bundesräte und Generalsekretär der FDP. Seit gut eineinhalb Jahren ist er nun der offizielle Botschafter der ICT-Unternehmen: Er leitet den Verband Swico, der sich als «Verband der Digitalisierer» bezeichnet und in dem fast alle Mitglied sind, die in der Branche tätig sind. Fanzun schlägt sich dabei mit Themen vom Geräterecycling über Urheberrechtsabgaben bis hin zur Plattformregulierung oder zum heiss diskutierten Leistungsschutzrecht herum. Aktuell versucht Swico die Bestrebungen einer KI-Regulierung in die für seine Mitglieder richtige Richtung zu lenken. Bei Mitgliedern von Schweizer KMUs bis hin zu Giganten wie Microsoft nicht immer eine einfache Aufgabe.

RICHARD HESS, 38

Head of Digital Finance Schweizerische Bankiervereinigung, Zürich
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Die Schweizer Banken zählen nicht immer zu den Schnellsten, wenn es um Digitalisierung und neue Technologien geht. Beim Branchenverband Bankiervereinigung sorgt Richard Hess dafür, dass sich das ändert. Seit 2020 leitet er den Bereich Digital Finance, der unter anderem an einer gemeinsamen Open-Banking-Strategie der Schweizer Banken arbeitet oder im letzten Jahr mit dem Deposit Token ein eigenes Konzept eines digitalen Frankens vorgestellt hat, der – anders als klassische Stable Coins – mit dem Bilanzgeschäft der Banken vereinbar ist. Der studierte Ökonom stiess 2018 zur Bankiervereinigung, nachdem er zuvor für verschiedene Unternehmensberater gearbeitet hatte.

MARCEL MEYER, 34

Geschäftsführer GRdigital und Leiter Fachstelle Tourismus Graubünden, Conters im Prättigau GR
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Zum Digitalen fand Marcel Meyer über Umwege. Eine nicht bestandene Masterarbeit im Marketingbereich an der ZHAW wurde für ihn zum Wendepunkt. An der Fachhochschule Graubünden absolvierte er einen Master in Business Administration und fand damit endgültig seinen Platz in der digitalen Welt. Heute gilt der 34-Jährige als «Mr. Digital Graubünden». Seinen beruflichen Antrieb fand er im Tourismus. Schon an früheren Stationen wurde ihm klar: «Digitalisierung ist nur dann gut, wenn sie den Alltag einfacher macht und Menschen konkret unterstützt.» Heute leitet der ehemalige Grenadier als Geschäftsführer von GRdigital die kantonale Anlauf- und Koordinationsstelle für digitale Transformation, begleitet Projekte von der Idee bis in den Alltag. «Wir sollten eigentlich GReinfach heissen und nicht GRdigital», meint Meyer dazu. Denn für ihn ist klar: Der Kern der digitalen Transformation liegt in der Einfachheit. Parallel dazu baut er als Leiter der Fachstelle Tourismus gezielte Unterstützung für Destinationen auf – mit dem Ziel, die digitale Transformation im Bündner Tourismus zu beschleunigen. Zudem gibt er sein Wissen als Dozent an Fachhochschulen, in Podcasts und als Speaker weiter. Den nötigen Ausgleich findet Meyer bewusst abseits von Bildschirmen – in den Bündner Bergen beim Trailrunning, Skifahren und Wandern oder bei seiner Familie.

LENNIG PEDRON, 47

CEO Trust Valley, Lausanne
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Es sind gewaltige Summen: Das Statistikportal Statista schätzt die weltweit verursachten finanziellen Schäden durch Cyberkriminelle für das Jahr 2026 auf 9,4 Billionen Franken – bis 2030 sollen sie auf 14,9 Billionen klettern. Hier setzen Lennig Pedron und ihr Programm Trust Valley der Technischen Hochschule EPFL in Lausanne an. Die Initiative soll Unternehmen im Bereich des digitalen Vertrauens und der Cybersicherheit beraten und voranbringen. Pedron ist seit Beginn als CEO dabei. 2019 startete das Pilotprojekt «Tech4Trust», das sich mittlerweile zum halbprivaten Programm Trust Valley weiterentwickelt hat. Zudem ist Pedron Mitgründerin und Präsidentin der gemeinnützigen Organisation Icon mit Standorten in Genf, Lausanne, London oder Brüssel. Das Ziel der NGO: Experten zu Cybersicherheit, KI und Blockchain miteinander vernetzen. Zudem wolle man «das Bewusstsein der Zivilbevölkerung für technische Fragen schärfen». Für ihre Leistungen wurde die Unternehmerin 2023 in Paris zur «European Cyber Woman of the Year» gekürt. Auch ist sie dieses Jahr für die «Most Inspiring Women in Cyber» nominiert. Dies sei eine grosse Ehre, so Pedron. Und dankt ihrem Team: «Ich sehe diese Nominierung in erster Linie als Anerkennung für die gemeinsame Arbeit, die wir jeden Tag leisten.»

VIKTOR ROSSI, 57

Bundeskanzler, Bern
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Keystone
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Der Bundeskanzler der Schweiz spielt eine wichtige Rolle als oberster Digitalchef des Bundes und Verantwortlicher für die Strategie Digitale Schweiz. Er gilt als der Motor der digitalen Transformation. Sein besonderes Verdienst liegt darin, die Digitalisierung von einer rein technischen Infrastrukturaufgabe zu einem strategischen Führungsthema erhoben zu haben. Dabei vereint er technologische Souveränität, föderale Kooperation und eine konsequente Nutzerzentrierung. Ein Eckpfeiler von Viktor Rossis Wirken ist die Weiterentwicklung der digitalen Governance. Unter seiner Leitung wurden das Lenkungsmodell und der Bereich Digitale Transformation und die Lenkung der Informations- und Kommunikationstechnologie in der Bundeskanzlei gestärkt, um IT-Vorhaben in der Bundesverwaltung koordiniert und mit vereinten Kräften anzugehen, beispielsweise mit einer gemeinsamen Ausrichtung im Bereich der künstlichen Intelligenz. Der 57-Jährige forciert auch das Once-Only-Prinzip: Bürger und Unternehmen sollen Daten nur einmalig erfassen müssen, woraufhin die Verwaltung diese über gesicherte Schnittstellen datenschutzkonform austauscht, was die Bürokratie reduziert und die Effizienz steigert.
Besondere Bedeutung kommt seinem Engagement für die digitale Souveränität und das Behördenlogin Agov zu. Ausserdem treibt er die Umsetzung des Bundesgesetzes über den Einsatz elektronischer Mittel zur Erfüllung von Behördenaufgaben voran, welches die rechtliche Pflicht für Open Government Data festschreibt sowie die Verpflichtung, Software als Open Source der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Rossis Werdegang ist geprägt von einer vielseitigen Ausbildung – von der Kochlehre über das Lehrerstudium für Wirtschaft und Recht an der Uni Bern bis zum Nachdiplomstudium in öffentlichem Recht. Nach elf Jahren als Direktor der Kaufmännischen Berufsschule Biel-Bienne wechselte er 2010 zur Bundeskanzlei. Dort leitete Rossi die Sektion Geschäftsverwaltung und verantwortete ab 2015 das IKT-Schlüsselprojekt Genova zur Implementierung einer Verwaltungssoftware-Standardlösung des Bundes. Seit seiner Ernennung zum Vizekanzler (2019) und später der Wahl zum Bundeskanzler (2024) prägt er massgeblich den Kulturwandel innerhalb der Verwaltung. Rossi fordert mehr Mut zu Agilität, mehr digitale Souveränität, eine konstruktive Fehlerkultur, eine auch digital krisenfeste Schweiz und eine proaktive, sicherheitsbewusste Integration von KI-Anwendungen.

JOANNE SIEBER, 43

CEO Deep Tech Nation Switzerland Foundation, Zürich
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Markus Lamprecht
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Markus Lamprecht
Joanne Sieber ist CEO der Deep Tech Nation Switzerland Foundation. Die Stiftung, die 2024 von UBS und Swisscom gegründet wurde, will den Innovationsstandort Schweiz stärken. Ihr Ziel ist ambitioniert: Innert zehn Jahren will sie 50 Milliarden Franken an Risikokapital mobilisieren und 100’000 Jobs schaffen. Denn: «Die Schweiz ist exzellent in Forschung, aber zu oft zu schwach in der Kommerzialisierung», sagt Sieber, die an der HSG Internationales Management studiert hat. Das will sie ändern. «Die Schweiz soll zu den führenden Deep-Tech-Nationen weltweit gehören.» Sieber arbeitet an der Schnittstelle von Technologie, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Sie will Strukturen aufbauen oder gezielt weiterentwickeln, die ein ganzes Ökosystem stärken. «Also dort, wo Entscheidungen echte Hebelwirkung haben. Das ist enorm motivierend», sagt sie.

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KARIN TAHENY, 44

Chief Digital + Technology Officer S-GE, Zürich
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PR
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Karin Taheny gilt als Gestalterin der digitalen Transformation an der Schnittstelle von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Die 44-jährige Schweizerin stiess 2018 zu Switzerland Global Enterprise (S-GE) und leitet dort seit vier Jahren die digitale Transformation. S-GE betreibt im Auftrag von Bund und Kantonen Exportförderung und Standortpromotion. Für die von Taheny mitkonzipierte GoGlobal-Plattform erhielt ihr Unternehmen den WTPO Award 2024 des International Trade Centre für den besten Technologieeinsatz. Die Plattform unterstützt Schweizer KMUs durch personalisierte Exportinformationen und Marktanalysen beim Zugang zu globalen Märkten. Neben ihrer Tätigkeit bei S-GE bringt sie sich im Verwaltungsrat des Schulverlags Plus ein, um das Bildungswesen digital zu modernisieren. Taheny wuchs in Jonen AG auf und studierte Betriebswirtschaft. Die Erfahrung in digitaler Transformation erarbeitete sie sich über mehrere beruflichen Stationen, darunter drei Jahre bei Google, zuletzt als Vertical Lead Finanzen von Google Ads. Bei Omnicom Schweiz war sie zuletzt verantwortlich für digitales Marketing. Bei der digitalen Marketingagentur DEPT Schweiz war sie in der Geschäftsleitung für Finanzen und Operations zuständig und zugleich Direktorin für Digitales Marketing.
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