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Digital Shapers 2026

Fintechies

Sie bringen die Finanzindustrie auf die nächste digitale Stufe.

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Digital Shapers: Fintechies. KI-Illustration: Tessy Ruppert

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Die Digital Shapers treiben mit ihren Ideen und Projekten die digitale Transformation in der Schweiz voran. In zehn Kategorien werden die Vordenkerinnen und Vordenker aus Wirtschaft, Technologie, Wissenschaft und Gesellschaft vorgestellt. Sie stehen für Innovationskraft, unternehmerischen Mut und den Willen, mit digitalen Lösungen echten Mehrwert zu schaffen. So wird sichtbar, wer die digitale Zukunft der Schweiz aktiv gestaltet und prägt.

KATHRIN BRAUNWARTH, 45

Head Data, Tech & Innovation Axa Schweiz, Winterthur
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Yves Bachmann
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Yves Bachmann
Wenige Unternehmen sitzen auf so vielen Daten wie Versicherer, und bei wenigen ist die Arbeit mit Daten so tief in der DNA verankert. Entsprechend viel verändert sich bei der Axa in Zeiten der KI. «Wir sitzen auf einem grossen Schatz», sagt Kathrin Braunwarth. Mit generativer KI arbeitet die Axa schon ausführlich, etwa beim Schadensmanagement und beim Kontakt mit Kunden. Grosses Potenzial habe auch die agentische KI, so Braunwarth. «Das Tempo der Veränderungen ist in meinem Feld so hoch wie noch nie», sagt die Deutsche. «Und das macht Spass!» Seit 2023 führt sie die Axa auf deren Weg zur «Data Driven Company». Zuvor war Braunwarth für die deutschen Versicherer Versicherungskammer und Allianz tätig.

PASCALE BRUDERER, 48

Gründerin und Verwaltungsratspräsidentin Swiss Stablecoin, Zürich
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Patrick Gutenberg / Tamedia
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Patrick Gutenberg / Tamedia
Vom politischen Parkett zur unternehmerischen Gestaltung der digitalen Zukunft der Schweiz – Pascale Bruderer ist ein Paradebeispiel für eine gelungene zweite Karriere. Die Beratungstätigkeit für das Facebook-Projekt Libra war für die ehemalige Nationalratspräsidentin ein «Eye-Opening Moment». «Die Schweiz sollte nicht auf Technologiegiganten warten, sondern ihre Stärken wie Rechtssicherheit, Stabilität und Innovationskraft selbst nutzen und souveräne Lösungen anbieten», so Bruderer. 2022 gründete sie Swiss Stablecoin und treibt seither die Lancierung eines regulierten digitalen Frankens in der Schweiz voran. Die internationalen Entwicklungen geben ihr recht, Stablecoins sind auf dem Vormarsch. Die von ihr präsidierte Swiss Stablecoin setzt auf Partnerschaften mit der Finanz- und Realwirtschaft. «So können wir möglichst breite Wirkung entfalten.» Die Plattform bietet Unternehmen die Möglichkeit, in ihren Transaktionen und Geschäftsmodellen von der Effizienz eines Stablecoins zu profitieren. Auch der Bundesrat sieht Potenzial in der Technologie und präsentierte einen Gesetzesvorschlag, der bald im Parlament beraten wird. «Kommt die erwartete Regulierung, legen wir los», sagt Bruderer. Kleinere Projekte sind bereits vorgängig geplant.

Weitere neun Kategorien

RICCARDO CONTI, 31

Co-Gründer Fume, Lugano
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Das Jahr 2026 wird für Riccardo Conti das Jahr der Entscheidungen. Denn der Kryptounternehmer konnte mit seinem Fondsservice-Anbieter Fume den grössten US-Fondsadministrator für digitale Vermögenswerte als Kunden gewinnen, der die Fume-Technik nun bei Pilotversuchen einsetzt. Fume ist eine Tokenisierungsplattform für Fonds, die Investmentmanagern erlaubt, die Verwaltung ihrer Fonds mithilfe einer Blockchain zu vereinfachen und zu automatisieren. «Wir haben zwei Geschäftsmodelle», sagt Fume-Gründer Conti: «Einerseits bieten wir eine vollständig ausgelagerte Fondslösung an, mit der wir die regulatorische Lizenz bereitstellen und uns im Rahmen eines Fund-as-a-Service-Angebots um Compliance, Reporting und den operativen Betrieb kümmern. Das zweite Modell, das sich leichter skalieren lässt, besteht in der Lizenzierung unserer Software.» Fume wird sich nun auf das zweite Modell konzentrieren. Die Verwaltung eines Fonds auf Blockchain mache nur Sinn, wenn auch die Fondsinvestoren digital unterwegs sind und Aus- und Rückzahlungen in Stablecoins akzeptieren. «Dann kann die gesamte Abwicklung per Smart Contracts automatisiert werden», so Conti, der einen IT-Master der ETH Lausanne hat. Gerade in Nahost und Asien gebe es bei Investoren Interesse daran. Sollte der US-Fondsadministrator, dessen Name Conti noch nicht nennen mag, die Software von Fume breiter einsetzen, hofft der 31-Jährige auf den Durchbruch und will noch 2026 eine Finanzierungsrunde durchführen, die einen einstelligen Millionenbetrag einbringen soll.

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JOHS HOEHENER, 67

Profi-VR, Luzern
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Wenn man in der Schweiz jemanden als Fintech-Pionier bezeichnen kann, dann Johannes «Johs» Hoehener. Vor seinem Rückzug in den frühen Unruhestand war er bei der Swisscom der entscheidende Mann, der das sogenannte Fintech-Cluster des Telekomriesen zusammenhielt. Ausserdem sorgte er dafür, dass die Swisscom im Bankenbereich zu den wichtigsten Infrastrukturanbietern der Schweiz gehört. Vorletztes Jahr wurde Hoehener ausserdem als «Fintech Influencer of the Year» ausgezeichnet. Damit honorierte die Jury das «konstante und unermüdliche Engagement» von Hoehener für das Schweizer Fintech-Ökosystem. Inzwischen lässt er als Profi-VR seine Erfahrung diversen anderen Firmen zugute kommen.

LIDIA KURT, 40

CEO BX Digital und Seturion, Zürich
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Wer Lidia Kurts Ausführungen lauscht, erkennt rasch, wo die Zukunft des Wertpapierhandels liegt – nämlich im «Backend» der digitalen Infrastrukturen. Dass sich in diesem Feld etwas ändern muss, erachtet sie als wesentlich, denn das aktuelle System sei «absurd träge», wie sie es ausdrückt: «Dass die Abwicklung eines Wertpapierkaufs über Zentralverwahrer heute noch zwei Tage dauert, ist in der digitalisierten Welt ein Relikt der Vergangenheit», erklärt die CEO. Mit Seturion baut sie eine paneuropäische Abwicklungsplattform für tokenisierte Vermögenswerte auf. Die Vision dahinter liegt in der Schaffung eines einheitlichen europäischen Kapitalmarkts. «Letztlich muss das Handeln mit einem Wertpapier so einfach werden wie das Versenden einer E-Mail», betont Kurt. Während Seturion als Muttergesellschaft unter dem Dach der Gruppe Börse Stuttgart die technologische Infrastruktur für namhafte Partner in ganz Europa liefert, fokussiert sich die Tochtergesellschaft BX Digital auf den Schweizer Markt. Hier ist der Handel direkt integriert, um Banken und Emittenten eine schlüsselfertige Lösung für Aktien, Bonds, ETFs und Co. zu bieten.
Dass Lidia Kurt die Transformation des Wertpapierhandels so umfassend vorantreibt, ist kein Zufall: Schon immer war sie eine Grenzgängerin zwischen den Welten, mit einem tiefen Verständnis für den Finanzsektor sowie einem ausgeprägten Flair für Technologie. Als sich 2017 das Aufkommen der Blockchain-Technologie abzeichnete, war sie von deren Möglichkeiten so fasziniert, dass sie ihre Chance ergriff: Sie gründete ihre erste Firma und begleitete Banken sowie Börsen bei deren ersten Schritten in Richtung der digitalen Assets. «Es hat mich regelrecht hineingezogen», erinnert sich Kurt. Heute beobachtet die 40-Jährige einen massiven Mindset-Shift: Blockchain ist nicht mehr das Synonym für Kryptospekulation, sondern das Fundament für die nächste Evolution des Wertpapierhandels. Lidia Kurt will dieses Momentum nutzen. «Die Technologie ist heute skalierungsfähiger und erprobter denn je, und die Institutionen sind bereit für den Wandel.» Wo früher Papier und später digitale Register dominierten, schickt sich nun die Blockchain an, die Effizienzgrenzen neu zu definieren.

IGOR IZRAYLEVYCH, 34

Mitgründer und CEO S-Pro, Zürich
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Jessica Klostermeier
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Jessica Klostermeier
Mit 23 Jahren und seinem Schulfreund Andrew Fisiuk gründete Igor Izraylevych in der Ukraine das Unternehmen S-Pro. Spezialisiert auf innovative Softwarelösungen und heute auch auf KI-Entwicklung, wuchs es aus einfachen Anfängen zu einem internationalen Unternehmen mit heute über 300 Mitarbeitern, Fisiuk ist bis heute COO. 2018 gabs die ersten Kunden in der Schweiz, 2022 folgte die Eröffnung eines Beratungsbüros und 2023 die endgültige Fokussierung auf den Schweizer Markt, wo die Firma heute die meisten Kunden hat. 35 Prozent der Kunden sind nach eigenen Angaben aus der Schweiz. Auch das Headquarter ist inzwischen hierzulande, die F&E-Zentren sind in Zug, Zürich und Lodz (Polen). Izraylevych startete als Programmierer und entwickelte eine Smart-Home-Lösung, später Social Mobile Apps. Vor fünf Jahren absolvierte er die Weiterbildung zum MBA in Kiew. Neben seiner Tätigkeit bei S-Pro ist Izraylevych Ambassador bei Vision, einer internationalen Organisation für nachhaltiges Wachstum.

ADRIANO LUCATELLI, 60

Gründer und CEO Descartes Finance, Zürich
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Aus dem Private Banking kommend, gründete Adriano Lucatelli 2015 Descartes Finance. Aus einem Robo Advisor für freies Vermögen entwickelte sich ein Embedded-Finance-Anbieter für Vorsorge und Vermögensverwaltung. Heute liefert Descartes «As-a-Service»-Lösungen für Partner wie die Neobanken Yuh und Neon sowie die Glarner Regionalbank und erreicht damit bis zu 700’000 Endkunden. Die Stärke liegt in der Unabhängigkeit: Descartes gehört keiner Bank an und vertreibt keine eigenen Produkte. «Wir treiben die Digitalisierung der privaten Vorsorge und Vermögensverwaltung mit maximaler Transparenz und ohne Interessenkonflikte voran», sagt Adriano Lucatelli. Sein Ziel ist der weitere Ausbau zur führenden Embedded-Finance-Plattform im Vorsorgebereich: «Mit Neon und Yuh haben wir eine gute Basis gelegt.»

DAVID RIEGELNIG, 52

CEO und Mitgründer Rulematch, Zürich
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Luca Andrea Donati
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Luca Andrea Donati
Rulematch ist ein Finanz- und Technologieunternehmen, das eine Handels- und Abwicklungsplattform für digitale Vermögenswerte (insbesondere auch Kryptowährungen) betreibt und sich an Finanzinstitute wendet. Das Start-up wurde Ende 2021 gegründet, seit Mai 2022 läuft die Firma unter dem heutigen Namen Rulematch. Mitgründer Riegelnig, der seither als CEO amtet, startete seine Karriere im althergebrachten Bankingsektor, insgesamt zwölf Jahre, von 2003 bis 2015, war er in Diensten der Credit Suisse, zuletzt als Head Operational Risk im Private Banking. Nach einer Zwischenstufe bei Cyan Alpha Partners ging er 2018 zu Bitcoin Suisse, der wichtigsten Drehscheibe fürs Business mit Kryptowährungen hierzulande. Auch dort brachte der HSG-geschulte Ökonom seine besondere Stärke ein: Risikomanagement. Als Head Risk Management war er auch Mitglied der Geschäftsführung von Bitcoin Suisse.

HANS PETER WOLF, 52

Strategic Advisor FNZ, Neuheim ZG
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Hans Peter Wolf hatte als Gründer eine gute Nase. Sein 2003 gegründetes Fintech-Unternehmen Appway verkaufte er 2021 zu einem nicht genannten Preis an den neuseeländischen Konkurrenten FNZ. Danach blieb der Serial Entrepreneur an Bord und sorgte als Chief Technology Officer dafür, FNZs globales Produktangebot zu vereinheitlichen. Weltweit nutzen rund 650 Vermögensverwalter und Fondsmanager die Technologieplattform von FNZ, zu der auch Wolfs Appway gehört. Insgesamt werden dank der Plattform über zwei Billionen Dollar verwaltet, fünfmal so viel wie 2020. Und das Tech-Unternehmen startet weiter durch: Vergangenen Juli kündigte FNZ eine Kooperation mit Microsoft an, um neue KI-gestützte Lösungen für die Vermögensverwaltungsindustrie zu entwickeln. Im Dezember dann konnte FNZ eine Finanzierungsrunde über 650 Millionen Dollar platzieren. Im Oktober letzten Jahres hat sich Wolf aus der operativen Arbeit zurückgezogen, ist aber weiter als Strategic Advisor an Bord. Geleitet wird FNZ von Blythe Masters, die dem letzten Verwaltungsrat der Credit Suisse angehörte.

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MICHAEL STEMMLE, 54

Gründer Additiv, Zürich
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Sven Germann
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Sven Germann
Michael Stemmle ist kein Berufsmusiker, bezeichnet sich aber dennoch als Dirigenten. «Denn eine meiner wichtigsten Aufgaben besteht darin, Leute mit den passenden Talenten zusammenzubringen und zur Zusammenarbeit zu motivieren», erklärt er. Dies tut er erfolgreich mit Additiv, die er Ende der 90er-Jahre ins Leben rief. Heute agiert das Unternehmen weltweit als Enabler, der es Banken, Versicherern und Vermögensverwaltern ermöglicht, digitale Finanzlösungen über eine einzige Plattform anzubieten. «Und zwar ‹as a service› sowie ‹end to end›, also bedarfsgerecht, agil und ohne Bruchstellen», führt Stemmle aus. Im Kern des Angebots stehe immer die Frage, wie man innovative Finanzanwendungen möglichst einfach zu den Endkunden bringt – und wie diese Services digital produziert und automatisiert werden. «Für beide Fragen können wir mit unserer Standardplattform massgeschneiderte Antworten liefern.» Dabei begann die Additiv-Erfolgsgeschichte gänzlich analog ausserhalb des Finanzsektors: In ihren Anfängen produzierte die Firma für verschiedene Schweizer Medientitel, darunter auch BILANZ, Sonderausgaben und war im Sportmarketing unterwegs. Doch mit dem zunehmenden Siegeszug der digitalen Technologien veränderten sich auch die Ausrichtung und das Angebot der Firma.
2011 erfolgte die Fokussierung auf die Finanzwelt, 2017 führte Additiv die Cloud als Trägertechnologie ein, und ab 2023 erfolgte die Transformation des Geschäftsmodells von SaaS zur Plattform. Mit dieser lässt sich heute die gesamte Wertschöpfungskette der digitalen Finanzdienstleistungen orchestrieren. Der Clou: Während Banken und Co. bedarfsgerecht die notwendige Infrastruktur beziehen können, um etwa Anlage-, Kredit- und klassische Bankangebote zu erbringen, sind sie auch in der Lage, diejenigen Dienstleistungen zu bestimmen, die sie selbst erbringen oder von anderen regulierten Partnern über die Plattform beziehen möchten. Dieser Lego-Ansatz kommt bei den Kunden aus der Finanzwelt bestens an: Additiv unterhält heute nebst ihrem Hauptquartier in Zürich unter anderem Büros in Dubai, Singapur, Frankfurt und London. Zudem werden in Osteuropa und Asien Entwicklungslabore betrieben.
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