Beim Bier ist alkoholfrei längst Mainstream. Wein ohne Alkohol steckt hingegen noch in der Nische – und unter Kennern sind solche Produkte umstritten. Doch im Markt bewegt sich etwas. Coop, der grösste Weinhändler der Schweiz, spürt eine steigende Nachfrage und reagiert: «Wir investieren in eine Entalkoholisierungs-Anlage für Wein», sagt Coop-Chef Philipp Wyss.
Der Grossverteiler ist nicht nur Händler, sondern betreibt einen eigenen Weinausbau. Klärung, Filtration, Lagerung, Reifung und Abfüllung übernimmt Coop oft selbst. Insbesondere alkoholfreie Schaumweine kommen bei der Kundschaft immer besser an. Das Segment sei in den letzten Jahren stark gewachsen, so Coop. Bei herkömmlichem Rotwein ist die Nachfrage laut Philipp Wyss dagegen rückläufig. «In den letzten Jahren nahmen die Volumen jährlich um fünf Prozent und mehr ab.» Einige schwere Rote dürften im Regal der Supermärkte deshalb Produkten mit weniger Promille Platz machen. Schon jetzt hat Coop zwischen 20 und 30 alkoholfreie Weine in seinen Supermärkten.
Schwere Weine sind immer weniger gefragt.Sven Thomann
Sven Thomann
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Andere Händler setzten ebenfalls darauf. Mövenpick preist entalkoholisierte Weine in ihrem Newsletter prominent an. Auch Flaschenpost.ch sieht Bewegung in diesem Bereich. Der Onlineanbieter macht bisher zwar lediglich rund zwei Prozent des Umsatzes mit alkoholfreiem Wein. Doch die Nachfrage steigt stark, sagt Dominic Blaesi, Co-CEO und Mitgründer von Flaschenpost.ch: «2025 betrug die Wachstumsrate zum Vorjahr 50 Prozent.» Offenbar trinken auch immer mehr zu Weihnachten und Neujahr Wein ohne: «Allein im vierten Quartal 2025 stieg der Umsatz mit alkoholfreiem Wein zum Vorjahr um 300 Prozent», sagt Blaesi. Besonders bei alkoholfreien Schaumweinen sei in den letzten zwei Jahren in der Herstellung viel passiert. «Sie sind mittlerweile geschmacklich vielschichtiger und haben mehr Struktur und Körper.» Bessere Verfahren, sanfteres Entalkoholisieren und hochwertige Ausgangsprodukte tragen dazu bei. Bis solche Weine massentauglich sind, müssen sie erst Vorurteile überwinden: Viele erinnern sich an frühere Qualitätsmängel und müssen wohl erst vom erneuten Degustieren überzeugt werden.