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Streit bei Tech-Konzern

Fehde zwischen Daniel Borel und Wendy Becker lähmt Logitech

Was ist dran an den Vorwürfen im hässlichsten Machtkampf der Schweiz?

Marc Kowalsky

Chairperson Wendy Becker in ihrem Reihenhaus in London-Kensington.

Chairperson Wendy Becker in ihrem Reihenhaus in London-Kensington.

Jérémie Souteyrat für BILANZ

Das Daniel Borel Innovation Center auf dem Gelände der EPFL in Lausanne ist der weltweite Hauptsitz und ein wichtiges Forschungs- und Entwicklungscenter von Logitech. Gewidmet ist es dem Firmengründer: «Wir haben die einmalige Chance, die Leistungen unseres Mitbegründers Daniel Borel zu ehren und anzuerkennen», so der damalige Europa-Chef Junien Labrousse bei der feierlichen Eröffnung 2010.

In Teilen des Daniel Borel Center ist Daniel Borel derzeit der meistgehasste Mann.

Seitdem der grösste Einzelaktionär des Tech-Konzerns am 15. September aus der Deckung kam und an der Generalversammlung die Abwahl von VR-Präsidentin Wendy Becker forderte, ist bei Logitech der Teufel los. Dass sich der Gründer und Chairman Emeritus eines SMI-Konzerns gegen die amtierende Präsidentin stellt, sie öffentlich mit wenig schmeichelhaften Attributen überschüttet (siehe BILANZ 10/23) und eine Kampagne für ihre Absetzung orchestriert, ist einmalig in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte. Becker, immerhin die einzige Frau an der Spitze eines SMI-Konzerns, teile die Werte der Firma nicht, so Borel. Sie ignoriere Ratschläge, entscheide nicht und habe das Management-Team nicht im Griff. Kurz: Borel hält Becker für völlig ungeeignet für ihren Posten. Er sieht sein Lebenswerk in Gefahr: «Sie fährt Logitech an die Wand!» Und die Aussenwelt fragt sich: Ist der einzige Technologie-Weltkonzern made in Switzerland tatsächlich in Existenznot? Oder hat der inzwischen 73-jährige Firmengründer mit noch 1,5 Prozent der Aktien die Zeichen der Zeit nicht erkannt und will mit dem Radau die Vergangenheit zurückbeschwören?

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Marc Kowalsky
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