Guten Tag,
Wie sich die Finma-Präsidentin vom Rücktrittsdruck befreite – mit harten Bandagen und Unterstützung des SVP-Lagers.
Kettensprengerin: Finma-Präsidentin Marlene Amstad (M.) mit dem applaudierenden Ex-Finanzminister Ueli Maurer (o.l.) und dessen staunender Nachfolgerin Karin Keller-Sutter.
Matthias Schardt / Kombinatrotweiss für BILANZDer Bericht war noch nicht erschienen, da kam schon die erste Rücktrittsforderung. Die Finma-Präsidentin Marlene Amstad müsse abtreten, forderte der Bankenpersonalverband am 19. Dezember, einen Tag vor der offiziellen Vorstellung des lange angekündigten Untersuchungsberichts der Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) zum CS-Aus. Drei Tage zuvor hatte der «Blick» bereits grossflächig auf der Frontseite getitelt: «Nur Finma-Chefin muss um Job zittern.» Zumindest zierte den Artikel ein fast schon jugendliches Bild der Präsidentin – ohne die markante schwarze Hornbrille.
Zwei Tage nach dem Erscheinen des Berichts sah auf einmal alles anders aus. Rücktrittsforderungen gab es keine mehr, stattdessen führte die «NZZ am Sonntag» Amstad in ihrer Wohlfühlrubrik «Die beste Woche hatte …» Es war eine kommunikative Meisterleistung der Sonderklasse –zwei Tage vor dem Fest Amstads schönstes Weihnachtsgeschenk.
Dass die Finma als zentrale Aufsichtsbehörde nach dem dramatischen Ende der zweitgrössten Bank des Landes das Hauptziel der Kritik bilden würde, war seit Langem absehbar. Doch wie sich die 56-jährige ehemalige Ökonomieprofessorin, vom Rauschen in den Innereien der von ihr beaufsichtigten globalen Bankkonzerne fast vollständig unbefleckt, von dem medialen Druck befreite, obwohl sie seit 2016 Mitglied des Verwaltungsrates, seit 2018 Vizepräsidentin und seit 2021 vollamtliche Präsidentin der Finma war: Das darf als grösster Entfesselungsakt des gesamten Dramas gelten. Amstad als Houdini der Finanzszene, so das wohlwollende Bild.
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