Expertenmeinung
Zwei Risikokapitalisten über die Chancen von Cysec. «Absolutes Hype-Thema»
Julian Riebartsch ist Astro- und Teilchenphysiker und Investment Associate der Beteiligungsfirma btov Partners: «Confidential Computing ist ein absolutes Hype-Thema, und zwar zu Recht: Gerade viele Grossunternehmen vertrauen den internationalen Cloud-Anbietern nicht, denn die Datenverarbeitung in der Cloud ist auf Laufzeitebene noch immer nicht verschlüsselt. Aber die Regulation schreibt immer mehr Datenschutz auch während der Verarbeitung in der Cloud vor. Gleichzeitig gibt es nur wenige Firmen, die so etwas programmieren können, weil die Thematik extrem komplex ist – konkret gibt es einen grösseren US-Anbieter, dessen Technologie aber schon etwas älter ist. Cysec will nun solche Verschlüsselungsdienste massentauglich machen.
Das Team ist technisch extrem versiert, aber es muss zeigen, dass es auch die Business-Seite wirklich beherrscht: Da fängt der Verantwortliche gerade erst an. Die Verschlüsselungsalgorithmen von Cysec können nicht geknackt werden, auch nicht von Quantencomputern. Das ist ein Plus, aber nicht erfolgsentscheidend. Insgesamt hat Cysec eine interessante Technologie in einem noch jungen, aber stark wachsenden Markt. Von daher ist die Firma gut positioniert. Ich glaube, dass Cysec dann gute Chancen hat, wenn sie sich businessmässig richtig aufstellt. Dazu muss sie extrem auf die Applikationsebene gehen, denn dort wird der Kampf entschieden werden.»
«Nicht aggressiv genug»
Philipp Stauffer ist als Co-Gründer und Partner von Fyrfly Venture Partners seit 2001 im Silicon Valley aktiv: «Der Markt für Confidential Computing ist 30 Milliarden schwer und wird noch massiv wachsen, in unseren Augen um über 15 Prozent pro Jahr bis 2026. Das Gebiet ist also äusserst interessant. Cysec ist Hardware-agnostisch und unterstützt verschiedene Cloud-Technologien, die Firma hat also ein grosses Spielfeld. Den Product-Market Fit hat sie aber noch nicht wirklich gefunden – wie gut ihre Technologie wirklich ist, lässt sich also noch nicht abschätzen.
Das Team scheint die richtigen Kompetenzen mitzubringen. Es muss aber superagil sein, um in diesem hochkompetitiven Markt bestehen zu können. Entscheidend für den Erfolg wird sein, mit Hardwareherstellern und Anwendungsentwicklern die richtigen Partnerschaften einzugehen, um das Ökosystem zu entwickeln – das ist keine leichte Aufgabe. Aber es gäbe sowohl in den USA wie in Europa interessante komplementäre Firmen, auch in der Schweiz – etwa Decentriq.
Mir gefällt, dass Cysec das Umsatzmodell gerade anpasst vom einmaligen Verkauf auf wiederkehrende Einkünfte. Aber ich finde, die Firma müsste vom Umsatz her weiter sein angesichts des Gründungsdatums, der Teamgrösse und der Opportunität im Markt. Besonders im wichtigen US-Markt geht sie mir nicht aggressiv genug zur Sache. So riskiert sie, nur Verfolger statt Marktführer zu werden.»