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Bundesrat

Das Machtnetz der Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider

Die neue Bundesrätin hat es mit Charme und Charisma geschafft, ­Allianzen zu schmieden.

Erik Nolmans

Die neu gewaehlte Bundesraetin Elisabeth Baume-Schneider spricht bei der Annahme der Wahl, bei der Ersatzwahl in den Bundesrat durch die Vereinigte Bundesversammlung, am Mittwoch, 7. Dezember 2022 im im Nationalratssaal in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

MADAME UNBEKÜMMERT punktet mit ihrer herzlichen und zugänglichen Art.

Keystone

Es war die Überraschung der Bundesratswahl vom 7. Dezember: Nicht die allseits als Favoritin gehandelte Basler Ständerätin Eva Herzog, sondern Elisabeth Baume-Schneider aus dem Randkanton Jura darf als Ersatz für die scheidende SP-Kollegin Simonetta Sommaruga in den Bundesrat einziehen. Auch sie selber war überrascht, wie ihre Reaktion zeigte: Als das Wahlergebnis verkündet wird, springt sie auf, klatscht spontan in die Hände und umarmt überschwänglich die um sie sitzenden Ratskollegen. Bei der Dankesrede findet sie das Blatt mit den üblichen Grussworten an die italienische und rätoromanische Schweiz nicht und überspielt das mit Humor: Beim nächsten Mal werde sie es besser machen – und erntet auch dafür Applaus.

Ihre herzliche und spontane Art hat sicher auch geholfen, ihr die für die Wahl nötigen Stimmen zu bringen. In den Hearings mit den anderen Parteien, die einer Bundesratswahl jeweils vorausgehen, präsentierte sie sich ebenso dossierfest wie zugänglich. Mit ihrer Lockerheit konnte sie auch bei den bürgerlichen Parteien punkten, obwohl sie politisch stärker links steht als SP-Kollegin Herzog. So antwortete sie etwa auf die Frage der SVP nach ihrer Haltung zur Armee, ihr sei aufgefallen, dass ihr Mann während seiner Dienstzeit jeweils deutlich mehr Alkohol konsumiert habe.

Die Mitstreiter

In ihrer eigenen Partei ist Baume-Schneider vor allem mit den Kollegen aus der Westschweiz eng, allen voran mit dem Waadtländer Nationalrat Samuel Bendahan, mit dem sie auch im Vizepräsidium der SP amtet. Gut kann sie es mit Baptiste Hurni, Nationalrat aus dem Kanton Neuenburg. Auf ihre 123 Stimmen bei der Wahl kam sie aber nur mit der überraschend breiten Unterstützung bürgerlicher Parlamentarier, die sie in den Hearings von sich überzeugt hatte. Viele Stimmen gab es aus der FDP-Fraktion, wo etwa der Waadtländer Nationalrat Olivier Feller zu ihren Unterstützern zählte. Punkten konnte die Bauerntochter aber auch bei den Landwirtschaftsvertretern, etwa bei Bauernverbandspräsident Markus Ritter (Mitte) oder Rinderzüchter Andreas Aebi (SVP). In der Wirtschaft ist sie vor allem regional gut vernetzt.

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