Die grosse Amerika-Welle überschwemmt uns: Gestern Fussball-WM-Start, heute Musks Mega-SpaceX-Börsenparty, am Sonntag Trumps 80.Geburtstag, und dann noch der ganz grosse Bogen am 4. Juli: 250 Jahre USA. Und das führt zu einer zentralen Frage, die die obersten Verfassungsrichter am Supreme Court derzeit heiss diskutieren: Waren die legendären Gründerväter Alkoholiker?
Der Supreme-Court-Richter Neil Gorsuch, der ein Kinderbuch zu den «Heroes of 1776» geschrieben hat, nennt laut Wall Street Journal Fakten: «John Adams trank schon zum Frühstück einen Krug starken Apfelweins, James Madison trank jeden Tag angeblich einen Pint Whiskey und Thomas Jefferson behauptete, dass er nicht viel Alkohol trinke – nur drei oder vier Gläser Wein pro Abend». Warum das wichtig ist? Waffenfans wollen ein Gesetz aufheben, dass Drogenabhängigen bislang den Waffenbesitz verbietet.
Die Waffengegner halten dagegen: Schon zu Gründerzeiten seien die Rechte von «gewohnheitsmässigen Trinkern» vielerorts eingeschränkt gewesen. Doch das sei eben schon damals eine falsche Rechtsprechung gewesen, so Gorsuchs feingliedrige Juristenlogik, da die Verfassungsgeber ja selbst heftige Trinker gewesen seien – und stolz ihre Waffen trugen. Fazit: Die Einschränkung des Waffenrechts ist unzulässig. Only in America.
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Zoll-Hoffnung Parmelin
Neues gibt es auch im ewigen Zollstreit. Da hat der US-Handelsbeauftragte Greer jetzt also verkündet, Trump wolle die Zölle auf die Schweiz auf 12,5 Prozent anheben, für die EU gäbe es dagegen nur 10 Prozent. Der Grund: Die Schweiz verkaufe Waren, die aus Zwangsarbeit stammten. Pakistan und Indonesien erlauben Kinderarbeit, werden aber nur mit 10 Prozent belegt. Nach Logik sucht längst keiner mehr.
Aber es gibt Hoffnung: Bundespräsident Parmelin darf nächste Woche beim Gala-Diner der G7 in Evian am Nachtessen mit Trump teilnehmen, wie der Tages-Anzeiger berichtet. Auch Greer wird erwartet, anders als KKS zu Trump hat Parmelin zu ihm wirklich einen Draht gefunden, auch weil Greer Französisch spricht. Jetzt gilt es, nicht den Fehler vom letzten Sommer zu wiederholen: Zu lange zu warten. «Parmelin muss Trump den Deal verkaufen: Fünf Prozent für die freie Schweiz als Gegenpol zu 10 Prozent für die sozialistische EU», raunt ein Berater aus dem Lager des Wirtschaftsministers. «The art of the deal» à la vaudoise: Der Weinbauer muss seine Chance für den Pitch seines Lebens nutzen.
SpaceX-Mania
Bei der SpaceX-Bewertung ist Logik ebenfalls schwer zu finden. Das vermeintliche Raumfahrt-Unternehmen ist in Wahrheit ein Konglomerat: Ein langsam wachsendes Raketengeschäft, die ermattete Social-Media-Plattform X, eine KI namens Grok, die hinter den Branchenstars Anthropic und Open AI hinterherhinkt – und ein solide wachsendes Satellitengeschäft als einzige wirkliche Perle.
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Die anvisierte Börsenkapitalisierung von 1800 Milliarden Dollar wird mehr als zur Hälfte mit dem Wert des KI-Geschäfts begründet. Die Leadbank Goldman Sachs setzt den Umsatz der Sparte von 3,2 Milliarden Dollar im letzten Jahr auf 322 Milliarden im Jahr 2030 an. Eine Verhundertfachung in vier Jahren, mit der schlechtesten KI unter den grossen Anbietern? Klingt nach «Greater Fool Theory»: Jetzt einsteigen, den Musk-Hype mitnehmen – und nach dem Anstieg einen Dummen finden, der die Titel kauft.
Nächste Woche: Abwarten, bitte
Madame hat vorgelegt: Mit ihrer Leitzins-Erhöhung um 0,25 Prozent hat die EZB-Chefin Lagarde als erste grosse Notenbank die geldpolitische Wende vollzogen. Jetzt bleibt die Frage: Zieht Martin Schlegel nächsten Donnerstag nach?
Die Zeichen stehen eher auf Abwarten. In der Eurozone ist die Inflation im Mai auf böse 3,2 Prozent gestiegen, das Ziel von zwei Prozent ist in die Ferne gerückt. Die Nationalbank ist jedoch noch im Zielband, auch wenn der Trend sorgenvoll stimmt: Ein Anstieg von 0,2 Punkten auf 0,6 Prozent. Vor gut zwei Jahren setzte die SNB noch den Trend, als sie als erste grosse Notenbank vor der EZB in den Zinssenkungs-Zyklus einstieg. First Mover kann Schlegel nicht mehr sein, das ist gut so. Doch Follower braucht er auch nicht zu sein – noch nicht.
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