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Bilanz-Briefing

Vom MAGA-Lautsprecher zur Lame Duck

Themen der Woche: Trumps historische Midterm-Schlappe, Martin Schlegels Frontalangriff auf die UBS und ein skurriles Chef-Vakuum bei Rieter.

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Eigentlich war ihm die Rolle der «Angry Duck» vorbestimmt – die Niederlage bei den Midterms war längst eingepreist, doch davon, so der Tenor, würde sich der MAGA-Lautsprecher kaum beeindrucken lassen.
Aber dann wurde das Desaster monumental, und so lautet die grosse Frage der nächsten Tage und Wochen: Doch eher «Lame Duck»? Dabei kommt die Gefahr für Trump gar nicht so stark vom neuen Kongress. Den Bedeutungsverlust des Parlaments hat er trotz Mehrheit in beiden Kammern in seiner zweiten Amtszeit weiter entschieden vorangetrieben, er regierte einfach am Kongress vorbei, ausser dem «Big Beautiful Bill» regelte er praktisch alles mit «Executive orders». Jetzt mögen die Demokraten zwar in Aktivismus verfallen, doch man sollte ihre Selbstzerstörungskraft nie unterschätzen. Und vor allem: Trump kann mit Veto und besagten Präsidialerlassen weiter regieren, wie es auch schon Obama in seinen letzten zwei Jahren getan hat.
Gefährlicher für ihn ist der Aufstand der eigenen Partei. Die Notenbank und der Supreme Court lehnen sich bereits gegen ihn auf, wenn sich jetzt auch Gegenspieler bei den Republikanern in grossem Stil verbünden, droht die ganz grosse Kakofonie. Von einer «Abstrafung auf Watergate-Niveau» spricht bereits der verbliebene texanische Senator Ted Cruz, Prototyp des parteiinternen Wendehalses. Ein zweiter Nixon droht Trump allerdings schon aus einem Grund nicht zu werden: Der belagerte Präsident aus den Siebzigerjahren, von Trumps rechtem Lager mit einer Renaissance geehrt, ertränkte seinen Frust regelmässig mit Hochprozentigem – sein einziger Sport war «hitting the bottle». Das sedierte ihn so weit, dass er am Ende seiner Amtszeit nichts Schlimmes mehr anrichtete. Trump dagegen spielt Golf und ist Abstinenzler. Da ist man versucht zu sagen: leider.

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Schlegel gegen UBS

Es war die eiserne Regel der Nationalbank unter «Big Thomas» Jordan: Bloss nicht in die politische Arena eintreten – die Unabhängigkeit stand über allem. Jordans Nachfolger Martin Schlegel setzt da einen Kontrapunkt: Er führt die SNB ohne Not mitten ins politische Getöse. Schon beim Finanzstabilitätsbericht im Juni übernahmen die Währungshüter vollständig die fragwürdige Argumentation des Finanzdepartements, gegen den Widerstand aller Wirtschaftsverbände, unter anderem mit der Aussage, dass die Aktionäre angeblich eine deutlich höhere Kapitalisierung als bei den Wettbewerbern schätzen. Leider folgte die Praxis nicht der Theorie: In den letzten Monaten fiel die Aktie immer dann, wenn die Spekulationen über erhöhte Kapitalforderungen anzogen.
«Die SNB unterstützt den Vorschlag des Bundesrats» betonte Schlegel jetzt in der «Handelszeitung». «Aus Sicht der Finanzstabilität ist eine möglichst hohe Unterlegung am besten», hatte er zuvor bereits festgehalten. Nach den neuen Regeln soll die UBS-Eigenkapitalunterlegung bei 19 Prozent liegen und damit etwa fünf Prozentpunkte über den Wettbewerbern. Da bleibt die Frage: Warum nur 19 Prozent? Am sichersten wären nach Schlegels Logik 100 Prozent. Allerdings gäbe es dann keine Banken mehr.

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Spuhler vs. Haefner

Und da dachten wir, Gier sei nur bei verhassten Bankern zu finden. Und dann das: Ein Chef bei einem Industrieunternehmen, der nicht antritt, weil er angeblich nach seiner Zusage und öffentlicher Bekanntgabe neue Bonusforderungen stellte, was die Firma in einer seltenen Form des Shaming offen benennt – zumindest hat es besagter Daniel Lippuner bei Rieter damit zu spezieller Bekanntheit gebracht. Dass er im Nebenjob weiter VR-Präsident und Mitinhaber des Komponenten-Produzenten Heberlein Technology bleiben wollte, war ohnehin kein prächtiges Signal.
Doch wer profitiert jetzt? Der Ex-Chef der Firma, deren Übernahme die Rieter-Krise massiv befeuert hat: Der überteuerte Kauf der deutschen Barmag erhöhte die Schuldenlast massiv – jetzt ist der dortige Ex-Vormann namens Georg Stausberg plötzlich Rieter-Chef, obwohl er fünf Wochen zuvor noch als zu leicht empfunden wurde. Bleibt die Frage: Lassen sich Bonusfragen nicht vor der offiziellen Nomination klären? Die grössten Einzelaktionäre bei Rieter sind Stadler-Patron Peter Spuhler und Amag-Eigner Martin Haefner. War da nicht was? Genau: Bei Swiss Steel verbiss sich das ungleiche Duo heftig ineinander. Die neuerliche Posse spricht nicht unbedingt für neue Harmonie bei Führungsfragen.

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Nächste Woche: 300 Reichste kommen

Die Spannung steigt: Nächste Woche, so viele Interna seien verraten, verabschieden wir in der Redaktion das Cover unser neuen 300-Reichsten-Ausgabe und biegen auf die Zielgerade ein für die Schätzung der Top Ten und der Gesamtvermögen – die Reichsten-BILANZ erwartet sie in genau drei Wochen.

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