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Bilanz-Briefing

Der Ständerat stellt die UBS ins Abseits

Die Themen der Woche: UBS-Schlappe, No fun for Fredy, Kühnes Erbe, Nestle vs Putin

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Finanzministerin Keller-Sutter, das muss man neidlos anerkennen, hat sich taktisch als Meisterspielerin gezeigt.
Finanzministerin Keller-Sutter, das muss man neidlos anerkennen, hat sich taktisch als Meisterspielerin gezeigt.BILANZ

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Ob es das teuerste Interview der Schweizer Wirtschaftsgeschichte war, wird sich nicht abschliessend klären lassen. Aber: Mit seiner klaren Ansage in der NZZ vor dem Ständerats-Entscheid vom Mittwoch hat UBS-Chef Ermotti dem bankenkritischen Lager unfreiwillig Munition geliefert. «Ermottis Ego ist Amok gelaufen», urteilt messerscharf der selbst eher nicht an Ego-Schwäche leidende maximal meinungsfreudige Berner Rechtsprofessor Peter V. Kunz, bekanntester Mittel-Initial-Promoter der Schweiz. Die Lektüre von Ermottis Interview offenbart jedoch: Es ist erstaunlich sachlich – aber wen interessiert das im Kampfgetöse?
Fakt ist: Sieben Ständeräte aus dem Mitte / FDP-Lager sind nach anfänglicher Zustimmung für den Kompromissvorschlag der eigenen Wirtschaftskommission (50 Prozent Eigenkapital, 50-Prozent AT-1 Anleihen für die Auslandstöchter-Kapitalisierung) spontan auf die harte 90-Prozent-Eigenkapital-Variante gekippt, was kaum substanz-gestählte Standhaftigkeit bei diesem hochkomplexen Dossier signalisiert. Finanzministerin Keller-Sutter, das muss man neidlos anerkennen, hat sich taktisch als Meisterspielerin gezeigt – dass sie am Entscheidungstag ganz in Rot vor die Ständeräte trat, war ebenfalls ein Signal: Die glühendsten Anhänger der Hardcore-Regulierung sitzen bei der SP. Die Wirtschaft ist praktisch geschlossen dagegen – alle Verbände von Bankiervereinigung bis Swissmem lehnen das Radikal-Paket ab. Doch das ignorierte die Magistratin, notabene Vertreterin der vermeintlichen Wirtschaftspartei FDP – genauso wie das Votum ihres eigentlichen Vorbilds Kaspar Villiger, dessen Schuldenbremse sie so eisern verteidigt: Der Freisinn-Doyen fürchtet gar, dass der Finanzplatz Schweiz durch überharte Regulierung auf das Niveau Österreichs zurückfällt.

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Mit dem Entscheid stellt sich die Schweiz so weit abseits der internationalen Regeln, dass sie die grossen Investoren nachhaltig verschreckt. Die Finanzierungskosten für die heimische Industrie steigen zwangsläufig, wenn die einzige globale Bank selbst höhere Kapitalkosten aufgebrummt bekommt. Und dass mehr Kapital nicht mehr Attraktivität bedeutet, wie die Regulierungs-Theoretiker behaupten, zeigt sich bei der täglich Zeugnisvergabe an der Börse – die UBS-Aktie verlor in den letzten Tagen mehr als zehn Prozent. Der Anteil des Finanzplatzes an der Wirtschaftsleistung ist in den letzten 20 Jahren von 14 auf 9 Prozent gesunken. Eine Grossbank hat die Schweiz bereits verloren. Jetzt schwächt sie den letzten globalen Player ohne Not weiter. Soll nur keiner sagen, man hätte es nicht gewusst.

Partners-Group-Blues

Es ist nur eine kleine Verschiebung, aber sie hat Symbolkraft: Fredy Gantner, Zugmaschine des an der Börse heftig abgestraften Baarer Private-Equity-Hauses Partners Group, sieht den Kurs seiner Firma als so stark unterbewertet, dass er zukauft – mit 5,24 Prozent an der Firma hält er mehr als seine Co-Gründer Urs Wietlisbach (5,08) und Marcel Erni (5,03). In unserer neuen Coverstory mit dem Titel «No fun for Fredy» (siehe unten) analysieren wir das Leiden des über viele Jahre so erfolgsverwöhnten Unternehmens, das lange aus Börsensicht nichts falsch machen konnte und jetzt offensichtlich nichts mehr richtig machen kann: Mit einem Minus von mehr als 40 Prozent ist die Partners Group in diesem Jahr unbestrittenes SMI-Schlusslicht.

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Wobei: Ums Geld geht es den Gründern schon lange nicht mehr. In ihren Vermögenshöhen nördlich von zwei Milliarden Franken zählt nur eines: der Nimbus. Und der hat gelitten. Denn eines wollen die Partners-Group-Granden partout nicht: in der Finanzwelt als Loser dastehen. Gantner ging deshalb in den letzten Monaten nach 15 Jahren wieder höchstpersönlich auf Roadshow und traf mehr als 40 Investoren. Motto: Von Shareholder zu Shareholder – I share your pain. Es ist ein weiter Weg: Gestern notierte das Papier auf Jahrestief.

Neuordnung bei Kühne

Derartige Sorgen haben die Kühne&Nagel-Aktionäre derzeit nicht. Das Logistik-Papier legte dieses Jahr um mehr als 30 Prozent zu. Auch das Ableben des Patriarchen brachte keine Delle – er hat sein Vermächtnis gut geplant, wie wir ebenfalls in unserer neuen Ausgabe aufzeigen. Die Beerdigung am letzten Donnerstag in Hamburg lieferte interessante Indizien. Die Basler Anwalts-Eminenz Thomas Staehelin, als Präsident der Kühne-Stiftung neu die Schlüsselfigur, hielt eine würdevolle Rede und signalisierte damit, dass er sich auch mit 78 Jahren nicht als Übergangsfigur sieht – immerhin ist er doch elf Jahre jünger als Kühne bei seinem Hinschied.
Karl Gernandt, Kühnes langjähriger Mann für alles, wählte dagegen das Format eines imaginären Briefs, was leicht anbiedernd wirkte und den Exegeten Status-Nervosität anzeigte. Souverän im Hintergrund: Kühne&Nagel-VR-Präsident Jörg Wolle und Holding-CEO Dominik de Daniel – das Machtzentrum verlagert sich noch stärker in die Schweiz, was es für den Hamburg-Statthalter Gernandt nicht einfacher macht. Gar nicht bei der Beerdigung: Stiftungsrats-Mitglied Thomas Buberl – der Axa-Chef kam erst am nächsten Tag im Firmenjet zur Stiftungsrats-Sitzung eingeflogen, was eher wenig Pluspunkte gab. Beim WEF ist er nach seinem aggressiven Vorgehen gegen den Gründer Klaus Schwab bereits aus dem Rat ausgetreten. Die Prognose sei gewagt: Lange dürfte er auch bei Kühne nicht mehr dabei sein.

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Nächste Woche: Nestlés Fight

Die Neutralität-Initiative wird kaum Erleichterung bringen: Ein Ja zu Blochers Herzensprojekt am Sonntag hätte die Machthaber in Moskau vielleicht milde gestimmt, doch die Ablehnung darf als fast sicher gelten. Das heisst: Nächste Woche geht der Kampf für Nestlé mit den russischen Behörden in die nächste Runde. Bislang gibt es zwar formal keine Eigentums-Übernahme, doch Putin liess das Geschäft mit immerhin rund 7000 Mitarbeitern unter Zwangsverwaltung stellen.
Es geht um zwei Prozent des Umsatzes, im derzeitig anspruchsvollen Umfeld unangenehm. Ein weiteres Problem, das Konzernchef Navratil nicht braucht. Sein grosses Ziel Volumenwachstum ist angesichts der angespannten Konsumentenlage ohnehin hart genug. Die Aktie hat in den letzten zwei Monaten mehr als zehn Prozent verloren. Dieser Weg wird auch kein leichter sein.

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