Es ist ein Satz von entwaffender Offenheit: «Viele der Leute, die wir im Auge hatten, sind tot», sagte der Kriegs-Präsident über potentielle neue Staatschefs im Iran. Wohl selten hat ein US-Befehlshaber bei Kriegsbeginn so entspannt zugegeben, keinen Exit-Plan zu haben. Gewiss, dass der Schlächter von Teheran keine weiteren Schreckenstaten begehen kann, ist ein Segen - im Januar liess er bis zu 30 000 friedliche Demonstranten kaltblütig ermorden, nach einer langen Terrorkarriere. Doch ob damit wirklich auch sein mörderisches Regime abdankt, steht in den Sternen.
Die wahre Macht liegt allerdings nicht in Washington, sondern in New York: Wie lange der der grosse Improvisator auf den Iran fixiert bleibt, entscheiden die Finanzmärkte in seiner Heimatstadt. Bislang signalisieren sie Ruhe: Dow Jones und Nasdaq verlieren nur leicht, weit entfernt vom legendären «Liberation Day», und auch beim noch wichtigeren staatlichen Anleihenmarkt ist die Nachfrage nur wenig gesunken, was leicht erhöhte Inflationsängste wegen des höheren Ölpreises signalisiert. Also: Alles im grünen Bereich – noch hat der Markt Vertrauen in die turmhohe militärische Überlegenheit der US-Israel-Allianz, selbst die Flucht in den Franken hat sich nicht verstärkt. Trumps abstrakte Börsen-Zuchtmeister bleiben deutlich gelassener als all die hyperventilierenden Gutmenschen-Kommentatoren, die das Ende des Völkerrechts und den grossen Flächenbrand proklamieren.
Partner-Inhalte
Werbung
Dabei gehört auch zur Wahrheit: Schlimmer kann das Regime nicht werden. Sollte nach dem Modell Venezuela ein neuer Autokrat folgen, der Terror-Attacken gegen die Bevölkerung mildert und mit Trump vielleicht sogar einen Öl-Deal macht, darf er sich als Sieger feiern. Die Chancen sind intakt. Da kann er sich sogar das offene Eingeständnis leisten, keinen Plan für das Endgame zu haben. Als sicher darf in diesen Zeiten allein gelten: Nur wenn in New York die Märkte massiv einbrechen, bläst Trump den Angriff schnell ab. Noch sieht es nicht danach aus.
Von der Bank gefallen
Das war eine interessante Story, die die NZZ da am Samstag brachte und die die grosse Financial Times zähneknirschend nachziehen liess: Sie hatte im Januar die Nachfolge-Debatte um die UBS-Spitze losgetreten und das CEO-Ende von Bankchef Ermotti auf Frühjahr 2027 gelegt. Jetzt haben die Spitzen der Bank offenbar signalisiert: Der Chef bleibt länger. Begründung: Die Unsicherheit bei der Regulierung ist so gross, dass die Erfahrung Ermottis in diesem Prozess elementar ist.
Das mag alles sein, aber sagen wir es so: Ein Bekenntnis zu Nachfolgekandidaten sieht anders aus. Schon der vormalige Präsident Weber schwärmte über Jahre von seiner «Bench» hinter Ermotti – auf ihr sassen so klingende Namen wie Orcel, Blessing oder Zeltner. Doch dann fielen alle hinunter, und Weber setzte auf einen Retail-Banker aus Holland, der mit seinem Nachfolger Kelleher allerdings wenig kompatibel war. Erleben wir ein Déjà-vu? Wir wissen es nicht. Aber der Druck ist erstmal weg, der Verwaltungsrat hat sich Zeit gekauft, und die Investoren haben in diesen wilden Zeiten sicher nichts dagegen, das erfahrene Duo Kelleher-Ermotti länger auf der Brücke zu wissen.
Werbung
Gnade der Vorgänger
Es ist die Zeit der grossen Salärberichte, gestern war «Iron Mario» Greco an der Reihe. Und siehe da: Der Mann, der die «Zürich» seit zehn Jahren erfolgreich steuert, hat es mit 10,4 Millionen Franken in den exklusiven Club der zweistelligen Millionen-Bezüger geschafft. Auch der 66-Jährige ist bei den Investoren so geschätzt, dass der Verwaltungsrat die Nachfolge-Suche aufschiebt. Interessant eher: der unscheinbare Präsident Liès begnügt sich mit 2 Millionen, deutlich weniger als sein ebenfalls unscheinbares Pendant bei der Swiss Re, der Belgier de Vaucleroy. Der bezog zuletzt 3,4 Millionen Franken, obwohl seine Firma nur die Hälfte des Zürich-Gewinns schafft.
Gewiss, die Wege der Salär-Festsetzung bleiben unergründlich. Aber eine Spur könnte sein: Es gilt die Gnade der gut verdienenden Vorgänger. Bei der Swiss Re war Langzeit-Präsident Kielholz immer üppig besoldet, die Zürich hat ihre Präsidenten immer karg gehalten (lange lag das Paket unter einer Million). Ach ja, da fällt uns wieder einmal der Vontobel-Präsident Utermann ein: 2,6 Millionen für ein Teilzeitpensum bei einer Bank, deren Gewinn und Börsenwert gerade ein Zwanzigstel der Zürich betragen. Aber eben: Da hatte der Vorgänger auch so viel. Eine spezielle Form der Legacy-Vergoldung.
Werbung
Nächste Woche: Zahltag
Und dann wird auch der oberste Banker seine Zahlen zeigen: Am Montag werden die erwarteten 14 – 15 Millionen Franken für Ermotti wieder Wallungen auslösen. Interessant dabei: Die 25 Millionen für Novartis-Chef Narasimhan gehen eher unter, und dass im letzten Jahr auch der Galderma-Chef Orskov (19 Millionen) und Partners-Group-Vormann Layton (16,8 Millionen) vor dem UBS-Chef lagen, liess sich auch eher im Kleingedruckten finden.
An dieser Stelle findest du einen ergänzenden externen Inhalt. Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies von externen Anbietern gesetzt und dadurch personenbezogene Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen.
Sehen wir das Positive: Die Emotionen zeigen, dass die Schweiz noch immer eine Banken-Nation ist. Aber dann sollte man ihr mehr Sorge tragen.