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Bilanz-Briefing

SpaceX verliert, Schweiz gewinnt

Die Themen der Woche: Starker SMI, Briten-Drama, Headhunter-Big-Bang, PLB bitte.

Dirk Schütz

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«Wir sehen in den USA die maximierte Bro-Börse mit dem Präsidenten als oberstem Cheerleader». BILANZ

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Das muss ein Signal sein für Switzerland first: Nicht nur hat es die Nationalmannschaft bei den total etwa 1000 WM-Spielen geschafft, tatsächlich Gruppenerster zu werden. Vor allem: Die Börse hat diese Woche mit dem lockeren Sprung des SMI über die 14 000er-Marke neue Rekordstände erreicht, selbst lange bleischwere Aktien wie Nestlé oder UBS geben ordentlich Schub.
Elon Musks SpaceX hat dagegen innerhalb weniger Tage gegen 40 Prozent verloren. Es bleibt ein mulmiges Gefühl, losgelöst von den Zahlen. Immer stärker steigt der Verdacht, dass die staatlichen Finanzaufseher zu einer gigantischen Bereicherungs-Hilfe für den Präsidenten und seine Tech-Bros verkommen. Bis zum letzten Jahr wurde die SEC von einem regelgetriebenen Hardliner geführt. Trump setzte auch hier einen Adlaten auf den Posten.
Die Technologiebörse Nasdaq etwa lockerte die Regeln, damit SpaceX sofort in den Nasdaq-100-Index aufgenommen werden kann. Von dem erwartbaren Strohfeuer zu Handelsbeginn profitierte eine kleine Clique. Kleinanleger, die nach der Start-Bonanza einstiegen, sitzen auf heftigen Verlusten. Wir sehen in den USA die maximierte Bro-Börse mit dem Präsidenten als oberstem Cheerleader. Da entdecken die internationalen Anleger plötzlich die grundsoliden Schweizer Werte - besonders, wenn sie auch vom grossen US-Markt profitieren wie etwa Emmi-Chefin Ricarda Demarmels, deren überraschenden Angriff auf Amerika wir in unserer neuen Ausgabe nachzeichnen. Freut uns.

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Briten-Tragödie

Bald der siebte Premierminister in zehn Jahren: Das Brexit-Thema mag noch eine Glaubensfrage gewesen sein, ein Fakt ist jedoch unbestritten – Grossbritannien durchlebt seit dem EU-Votum eine Dekade der politischen Instabilität. Geradezu bizarr ist da die Debatte, ob die Briten jetzt zurückkehren, wie es sich offenbar die wie ein verlassener Liebhaber auftretenden Deutschen sehnlichst wünschen: «Kommen die Briten zurück in die EU?» lechzte etwas das Handelsblatt. Aufhänger ist die offene EU-Zuneigung des fast sicheren Starmer-Nachfolgers Andy Burnham.
Doch die Debatte offenbart ein falsches Verständnis von Wirtschaft. Natürlich hat der Brexit den Wohlstand gesenkt: Wer in offenen Märkten Barrieren aufstellt, muss dafür zahlen. Doch entscheidend für die Malaise sind hausgemachte Probleme: Fehlende Wettbewerbsfähigkeit, Deindustrialisierung, Steuererhöhungen, marode Infrastruktur. Jetzt den Brexit als Sündenbock zu verteufeln, wäre ein weiteres Alarmsignal des ohnehin schon in den Märkten als zu links geltenden Burnham - ein Modethema, mit dem sich mangelnde Strukturpolitik weiter verschleppen liesse. Noch fehlt jede Vision, was er anders machen will als der graue Starmer. Dass er gern in den Pub geht, ist kein Programm. «Take back control» lautete der Slogan der Brexiteers. Indeed, es wäre ein Motto für wirkliche Regierungsarbeit. Doch die Fantasie ist begrenzt.

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Legendäre Ledersessel

Es sind die legendärsten blauen Ledersessel der Schweizer Wirtschaft: Der Headhunter Björn Johansson beriet auf den Edelmöbeln mit ausschweifendem Blick über dem Zürichsee unzählige CEO, VR-Präsidenten und Bundesräte und noch viel mehr Aspiranten. Mehr als 1500 Platzierungen gelangen ihm in seinen 33 Jahren der Selbständigkeit. Da war die Meldung, dass er sich von den Amerikanern von Spencer Stuart übernehmen lässt, eine veritable Bombe in der kleinen, aber hoch lukrativen Branche.
In unserer heute erscheinenden Ausgabe liefern wir die Hintergründe. Für einen Boutique-Gründer wie Johansson ist die eigene Nachfolge die Königsdisziplin, wenn der 78-Jährige nicht den Weg des deutschen Headhunter-Doyens Dieter Rickert gehen wollte, der seine Firma einfach schloss und die Mitarbeitenden auf die Strasse stellte. Dass er mit der Schweizer Spencer-Stuart-Chefin Sigrid Artho seit Jahren in engem Austausch stand, machte den Deal erst möglich. Und natürlich: Es lohnt sich auch für ihn. Zwar geben sich die Beteiligten erwartbar schmallippig, doch einen tiefen zweistelligen Millionenbetrag werden die Amerikaner bezahlt haben. Sein Einstiegshonorar pro Mandat von 175 000 Franken, so viel hält er gleich fest, sei auch bei dem neuen Arbeitgeber nicht verhandelbar: «Björn is not getting cheaper – on the contrary.» Noch liegt Marktführer Egon Zehnder deutlich vorn. Jetzt greift das neue Tandem an.

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Nächste Woche: Zauderndes Parlament

Nächsten Donnerstag ist es so weit: Dann veröffentlicht die Nationalbank ihren jährlichen Bericht zur Finanzstabilität. Die Glaubwürdigkeit hat gelitten, seit die Währungshüter vor vier Jahren der Credit Suisse noch wenige Monate vor Ausbruch der Grosskrise eine solide Verfassung bescheinigten. Dass Präsident Martin Schlegel, damals noch als Leiter des Zweiten Departments für die Finanzstabilität zuständig, hier etwas optimistisch unterwegs war, begründet vielleicht auch seine heute sehr harte Linie. Wir dürfen gespannt sein, wie die UBS in dem Bericht wegkommt.
Interessant in diesem Zusammenhang: Der IMF fordert in seinem aktuellen Schweiz-Report diese Woche eine Massnahme, mit der die Politik aus unverständlichen Gründen noch immer wartet: Die Einführung des sogenannten Public Liquidity Backstop, kurz PLB – ein Finanzinstrument, das an praktisch allen Finanzplätzen in irgendeiner Version existiert. Der Staat wird damit gesetzlich befugt, bei einer Bankenkrise Liquidität in grossem Stil zur Verfügung zu stellen. Doch in der Schweiz hakt die Einführung weiter im Parlament. Das ist das wahre Drama der UBS-Regulierung.

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