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Bilanz-Briefing

Schweiz im Schneckentempo: Warum Innovation und Reformen hier ewig dauern

Die Themen der Woche: Behäbige Schweiz, Infantinos Kante, SIG-Drama, Börsenjagd.

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Die angeblich so innovativ-agile Schweiz gönnt sich im rasantem KI-Zeitalter Snail Speed statt Warp Speed.
Die angeblich so innovativ-agile Schweiz gönnt sich im rasantem KI-Zeitalter Snail Speed statt Warp Speed. BILANZ

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Weltraum-Jünger kennen «Warp Speed» vom legendären Raumschiff Enterprise - eine Geschwindigkeit, die schneller ist als Licht. Die Amerikaner nannten ihre Covid-Impfstoff-Entwicklung «Operation Warp Speed» - und waren in der Tat radikal speditiv erfolgreich.
In der Schweiz dämpft das Obergericht nach acht Prozesstagen im Vincenz-Prozess die Hoffnung auf ein zügiges Urteil – die Verkündung könne «noch Wochen» dauern, verkündete der Richter. Seit der ersten Anzeige gegen Vincenz sind neun Jahre vergangen. Vor einem Jahr hat das Stimmvolk den Eigenmietwert abgeschafft. Doch die neue Regelung gilt erst ab 2029, über die Steuererleichterung dürfen sich Hausbesitzer somit erst fünf Jahre nach der Abstimmung freuen. Die Heiratsstrafe wurde im März an der Urne verboten. Doch die Abschaffung kommt erst 2032, wie der Bundesrat diese Woche mitteilte, die Steuererleichterung zeigt sich auf dem Konto damit satte sieben Jahre nach der Abstimmung.
hat zwar noch immer kein Warp Speed gefunden, um seinen Traum von der Pension auf dem Mars realisieren zu können. Aber er verkündete kürzlich, dass die KI bald schlauer sein werde als die Menschheit – und uns so betrachten würde wie wir heute Schimpansen. Wann es so weit sein wird? «In fünf Jahren» so Musk im Economist. Muss man nicht glauben, Musks Prognose-Eintritts-Quote liegt etwa so weit von der Realität entfernt wie die Erde vom Mars. Was wir aber als sicher taxieren dürfen: Die angeblich so innovativ-agile Schweiz gönnt sich im rasantem KI-Zeitalter Snail Speed statt Warp Speed. Einmal mehr gilt: Muss man sich leisten können.

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Infantino machiavellistisch

Es war ein Ausflug ins Anti-Zyklische. Auf einer ganzen Zeitungsseite stellte sich die NZZ am Dienstag gegen die Verteufelung des Fifa-Herrschers Infantino und forderte mehr Dialog zwischen den verfeindeten Lagern von Fifa und Uefa. Und überhaupt: Der Vorschlag von einem Teilverkauf der WM an US-Investoren (inklusive 30-Millionen-Salär für Infantino) sei doch gar nicht so schlimm. Am gleichen Tag verkündete die Fifa dann allerdings den Abtritt des COO Kevin Lamour, der Infantino heftig kritisiert und ihm Täuschung vorgeworfen hatte. Das war eine Form von Dialog, die der Fifa-Dominator dann doch nicht schätzte.
Der Vorgang zeigt zweierlei: Infantino kann weiter unbedingte Gefolgschaft einfordern. Seine Nummer zwei, der schwedische Generalsekretär Grafström, äusserte sich anfangs ebenfalls kritisch zu Infantinos Ausverkaufsplänen, reihte sich dann aber wieder brav («volle Unterstützung») hinter dem Chef ein. Der reagierte machiavellistisch besonders beschlagen: Er liess Grafström das Kündigungsgespräch mit Lamour führen, die Nummer zwei musste die Nummer drei feuern – diese Demütigung gönnte sich Infantino. Und das führt - leider - zur zweiten Erkenntnis über den Meister der Winkelzüge aus dem Wallis: Die Nachrichten über sein berufliches Ableben sind verfrüht.

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SIG-Wechsel

Die Schaffhauser SIG schafft es selten in die Schlagzeilen, Plastikverpackungen sind emotional eher unspektakulär. Doch der zweite Chefwechsel in nur zwölf Monaten, mit der Installation einer Ex-Interims-Chefin namens Ann-Kristin Erkens als definitive CEO, bringt dann doch etwas Medienaufmerksamkeit, allerdings eher von der Sorte, die man nicht wirklich braucht.
Da hat also ein schwedischer Präsident namens Ola Rollen einen finnischen CEO namens Mikko Keto nach nur fünf Monaten gefeuert, inklusive Subito-Abgang. Er solle das Wachstums- und Innovations-Potential heben, hatte Rollen dem CEO noch bei dessem Start mit warmen Worten auf den Weg gegeben. Dass Keto vor allem ein Kostensenker war, der in der Disziplin Wachstum keine Erfahrungswerte vorzuweisen hatte, wäre zwar dem Lebenslauf zu entnehmen gewesen, wog aber offenbar nicht schwer genug. Zudem drückten zwei überdimensionierte Zukäufe schwer auf die Bilanz. Nehmen wir es als Beispiel von «unconscious bias»: Der eine Skandinavier vertraut dem anderen, keiner kennt die Schweiz, nach fünf Monaten ist der eine weg - und die Frage bleibt: Wie lange bleibt der andere noch? Der einzige prominente Schweizer im achtköpfigen VR ist Emmi-Präsident Riedener. Geglänzt hat niemand in dem Kontrollgremium.

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Nächste Woche: Börse - immer höher?

Es ist schon fast unheimlich: Auch am Ende des Sommers ist die Strasse von Hormus noch nicht offen, und für diesen Fall hatten die grossen Wirtschaftspropheten im Frühjahr schlimmste Verwerfungen bei Öl, Dünger und Börsenkursen vorhergesagt. Doch jetzt: Alles ruhig – und die Börsen sind in Rekordlaune, wenn auch mit kleinen Abstrichen in dieser Woche. Noch immer lässt der gigantische US-KI-Boom alle Boote steigen, Öl wirkt wie ein Relikt eines verblichenen Industriezeitalters – auch wenn es das nicht ist. Gleichzeitig erreichen auch die Verschuldungswerte weltweit Rekordstände, mit den heiss laufenden USA vorneweg. Klingt gefährlich.
Geht die Börsenjagd weiter? Wir wissen es nicht, aber reden darüber: Am Sonntag und am nächsten Wochenende beim Bilanz Business Talk. Seien Sie dabei!

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