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Bilanz-Briefing

Lecks, Macht und Milliarden

Die Themen der Woche: Raiffeisen-Geklingel, WEF-Lecks, Kühne geht, ewige UBS-Saga.

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Das sind die ewigen Gesetze einer Machtübernahme: Der Neue muss Terrain markieren und kraftvoll umbauen – umso mehr, wenn er von Mc Kinsey stammt. Raiffeisen-Chef Gabriel Brenna, seit Ende letzten Jahres im Amt, verkündete am Mittwoch eine neue Struktur, die – natürlich – «Kundenorientierung und Umsetzungsstärke erhöht.» Bis zu 180 Jobs weniger in der Zentrale, dafür zwei Bereiche mehr in der Konzernleitung – aus vier mach sechs.
Divide et impera: Dieses Motto ist dann allerdings nicht ganz so neu – dass Machtteilung im Unterbau Machtzuwachs für den Herrscher bedeutet, wissen wir seit der Antike. Interessant: Christian Poerschke, vor Brennas Antritt Interims-Chef mit eigenen Ambitionen auf den Top-Posten, bleibt an Bord. Das riecht nicht nach radikalem Neuanfang. Und auch die Strategieausrichtung nicht. Eine Studie der Hochschule Luzern kam unlängst zu dem aufsehenerregenden Fazit, die zweitgrösste Schweizer Bankengruppe sei noch immer viel zu abhängig vom Hypothekargeschäft: 75 Prozent der Erträge kämen vom Zinserfolg, deshalb sei ein Ausbau des Anlagegeschäfts «strategisch zentral». Ehrlich jetzt? Wir erinnern uns an den monumentalen Expansionsdrang des lange strahlenden Piz Pierin: Hatte Vincenz nicht einst die dann zu Notenstein umgetaufte Bank Wegelin genau aus diesem Grund gekauft - rein in die Vermögensverwaltung? Und sich auch aus Diversifikations-Gründen bei Leonteq beteiligt? Mit seinem Absturz wurde alles abgeholzt. Köpfe und Kommunikation wechseln. Die Probleme bleiben.

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Grüsse aus Paris

Die grosse WEF-Saga dreht immer weiter: Im Vorfeld der Jahres-Sitzung vom 18. August war es zu Lecks aus dem Stiftungsrat gekommen, um dem Gründer Schwab zu schaden. Vor dem mit grossen Erwartungen befrachteten Treffen verhängten die Co-Chairs Larry Fink und André Hoffmann daraufhin eine scharfe Schweigepflicht. Geschäftsführer Alois Zwinggi, normalerweise ohne Stimmrecht dabei, durfte nicht teilnehmen, es galt striktes Handy-Verbot. Doch dann das: Die NZZ am Sonntag veröffentlichte eine Art Verlaufsprotokoll der Sitzung und bestätigte, was sich schon vorher abgezeichnet hatte: EZB-Chefin Lagarde ist die Top-Favoritin auf den Präsidentensessel und steht bereit.
Damit haben Fink und Hoffmann den finalen Beweis, dass die Lecks direkt aus ihrer Mitte stammen. Woher wohl? In dem Artikel besonders hervorgehoben: Die angeblich so aufrechten Mitglieder des Audit- und Risk-Komitees wie Accenture-Chefin Julie Sweet, Carlyle-Gründer David Rubenstein – und natürlich der Ausschuss-Vorsitzende höchstpersönlich, Axa-Chef Thomas Buberl. Sie monierten angeblich, dass es keinen geordneten Nachfolgeprozess gebe – «doch sie fanden kein Gehör», wie der Artikel festhält. Der CEO aus Paris bildete mit dem ausgeschiedenen Interims-Präsidenten Brabeck und Ex-Geschäftsführer Brende das Trio der «drei B’s», das Schwab massiv bekämpfte und die von ihm portierte Kandidatin Lagarde verhindern wollte. Honi soit qui mal y pense.

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Kühnes Vermächtnis

Manchmal sagen zwei Sätze mehr als seitenlange Abhandlungen. «Ich habe viel zu viel gearbeitet in meinem Leben. Aber es hat sich wenigstens gelohnt» öffnete sich der am Sonntag verstorbene Logistik-König Klaus-Michael Kühne vor einigen Jahren in einer ungewohnten Mussestunde im Garten seines Hotels auf Mallorca gegenüber Bilanz.
Viel gearbeitet: Zweifellos. Kühne schmiedete aus einer kleinen Hamburger Spedition einen globalen Logistik-Konzern, der zum grössten Steuerzahler des Kantons Schwyz aufstieg. Seine Arbeitswut war legendär: Wenn sich seine Gäste bei der Überfahrt von Mallorca nach Ibiza auf dem Deck seiner Jacht vergnügten, studierte Kühne im Schiffsbauch akribisch Akten. Und gelohnt - gewiss: Auf 21 Milliarden Franken schätzten wir unser letzten Reichsten-Liste sein Vermögen, das jetzt in die Stiftung übergeht. «Es macht zumindest nicht unglücklich», antwortete Kühne einst nüchtern-norddeutsch auf die Frage, ob Geld glücklich mache. Aber es bedeute für ihn persönlich keinen Unterscheid, ob seine Firma nun 20 Milliarden oder 2 Milliarden wie vor 20 Jahren wert sei. Entscheidend sei etwa anderes: «Man muss hellwach sein, dass man immer die Nase vorn hat.» Arbeit als Lebenssinn: Das Motto klingt nach alter Schule. Aber es bleibt der sicherste Weg zum Erfolg.

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Nächste Woche: UBS wieder im Ständerat

Es ist ein schicksalhaftes Datum in der ewigen Saga um die UBS-Regulierung: Am Montag will die Wirtschaftskommission des Ständerats über die Kapitalregelung für die Grossbank entscheiden, nachdem sie sich schon zweimal vertagt hat. Die letzte Verzögerung bewirkte die KKS nahestehende Basler Rechts-Professorin Corinne Zellweger-Gutknecht, die die ohnehin schon heftige Komplexität mit einem neuen hochtheoretischen Drei-Phasen Vorschlag zu den AT1-Anleihen nochmals erhöhte – durchaus präsenzfördernd. Die Standeräte erbaten sich mehr Beratungszeit.
Doch jetzt wird es ernst. Vielleicht trägt ein Artikel in unserer neuen Ausgabe zur Versachlichung bei: Wir zeigen auf, dass das US-Geschäft deutlich risikoärmer ist als hierzulande vermutet. Die UBS ist in den USA vor allem ein Vermögensverwalter, das Investmentbanking betreibt sie nur als Zuliefer-Disziplin mit einem Sechstel des Kapitals der Rivalen. Die wundern sich sogar: «Sie sind hier kaum präsent», sagt ein hochrangiger Bank-of-America-Manager über das US-Investmentbanking der UBS. Die Schreckensbilder der Regulierungsturbos: Wirken da komplett überzeichnet.

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