Abo
Neuer EZB-Chef und WEF-Buch

 Pralles Leben

Themen der Woche: Nachfolge an der EZB-Spitze, Bilanz-Buch «Das WEF-Komplott», Migros, UBS-Analyse, Finks US-Wahlen.

Dirk_118023.jpg

Lügen, Machtkämpfe und Intrigen in Shakespeare’schen Dimensionen – das dürfte Christine Lagarde beim WEF erwarten.
Lügen, Machtkämpfe und Intrigen in Shakespeare’schen Dimensionen – das dürfte Christine Lagarde beim WEF erwarten.BILANZ

Werbung

Wenn ein deutscher Regierungschef einen Holländer und einen Spanier für einen Job interviewt, mag das aus Schweizer Sicht so interessant sein wie Mango-Zucht in Mauretanien. Doch weil in diesen maximal aufgewühlt-aufgeladenen Zeiten alles mit allem zusammenhängt, erreichen die Schwingungen auch die Schweiz.
Also: Da hat der belagerte deutsche Kanzler Merz erst den ehemaligen holländischen Notenbankchef Klaas Knot und dann den ehemaligen spanischen Notenbank-Chef Pablo Hernandez de Cos getroffen, was die erste Verbindung zur Schweiz darstellt: De Cos leitet derzeit die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), eine maximal verschwiegene Institution in einem 20-stöckigen Turm am Basler Bahnhof, verklärt als Notenbank der Notenbanken, zu der all die mächtigen Zentralbank-Lenker alle zwei Monate höchst klandestin einfliegen. Noch interessanter wird es bei dem Posten, um den es geht: Der Nachfolge von Christine Lagarde an der Spitze der Europäischen Zentralbank. Die Französin gab gestern ihren Rücktritt bekannt, mit einem klaren Ziel: Der Übernahme des WEF-Präsidiums im schönen Kanton Genf.
Es ist der Schlusspunkt einer Schlammschlacht, wie sie die Schweizer Wirtschaft noch nicht erlebt hat, und das ausgerechnet – oder vielleicht gerade – bei einer Organisation, die sich verpflichtet hat, die Welt zu verbessern. Was braucht es da als Hintergrund, Einordnung und Täterzuweisung? Genau: Ein BILANZ-Buch. Hier ist es: «Das WEF-Komplott – Der Fall der Organisation, die die Welt retten wollte» erscheint nächste Woche, ein Vorabdruck über Lagardes Machtanbahnung in unserer neuen Ausgabe von heute (siehe unten). Im Angebot: Lügen, Machtkämpfe und Intrigen in Shakespeare’schen Dimensionen – das pralle Leben halt. Und natürlich können Sie das Buch auf unserer Webseite bestellen: Hier.

Partner-Inhalte

Berater-Bonanza

Da brauchen wir nicht nur internationale, sondern wohl schon extra-terrestrische Vergleiche: Hat es jemals im Universum einen Restrukturierungs-Entscheid gegeben, der so überfällig war wie der von der Migros? Es fällt einem schlicht nix ein. Ein Vierteljahrhundert (!) nach dem Rivalen Coop verkündet auch der grösste Arbeitgeber des Landes die Einführung der Einheitsgenossenschaft, und hier fällt Meinungs-Pluralität komplett weg: Es gibt keinen Kommentator, der den Entscheid nicht als überfällig taxiert. Da ist eben die schweizerischste aller Schweizer Grossfirmen ein Spiegelbild des Landes: Man konnte es sich la leisten. Doch jetzt nicht mehr - auch das ein Signal.
Bleibt nur zu hoffen, dass diese Einsicht auch bei den mehr als zwei Millionen Genossenschaftlern existiert. Die Hürden sind hoch: 25 Prozent Stimmbeteiligung, zwei Drittel Zustimmung, und das in allen zehn Genossenschaften. Dass der 61-jährige CEO Mario Irminger angesichts des Langfrist-Projekts abtritt, ist honorabel und richtig, wobei die Wucht der Integration auch furchteinflössend war – es handelt sich um eine Eingliederungs-Übung unbekannter Dimension. Die Prognose sei gewagt: Wer auch immer auf der Brücke stehen wird - wir stehen vor der grössten Berater-Bonanza des heimischen Detailhandels.

Werbung

UBS-Kühle

Leisten kann sich das Land auch, so sehen es zumindest alle verantwortlichen staatlichen Stellen, die weltweit schärfste Regulierung für eine Grossbank. Dass die Schlacht verloren ist, würden die UBS-Lenker zwar offiziell nicht zugeben, Bankchef Ermotti hielt sich bei der Quartalspräsentation am Mittwoch zurück. Doch sie sind realistisch genug, um nach dem fatalen Ständerats-Entscheid vom Nationalrat keine Kehrtwende zu erwarten. Und sie wissen auch: Wäre die 50-prozentige Unterlegung mit AT1-Anleihen angenommen worden, hätte ein Referendum gedroht. Und das wäre das veritable Horrorszenario gewesen: eine Volksabstimmung zur hochkomplexen Regulierung einer in der Bevölkerung verhassten Branche. Jetzt, das ist der Vorteil der klar standortfeindlichen Regulierung, herrscht wenigstens Klarheit.
Es gilt die Kunst des kühlen Kopfes: Bloss nicht aus Trotz zurückschlagen. Beide Banklenker haben deutlich heftige Stürme erlebt: In der Finanzkrise 2008 stand VR-Präsident Kelleher als Finanzchef von Morgan Stanley 22 Minuten vor dem Aus seines Hauses. Und die harte Sanierung der damals noch wackligen UBS war 2012 für Ermotti deutlich anspruchsvoller als eine Reaktion auf überrissene Kapitalvorgaben. Das Problem bleibt: Mit den heimischen XXL-Bleiwesten ist die UBS im Vergleich brutal viel langsamer als die Konkurrenz. Der Ertrag auf dem harten Eigenkapital RoTE (Return on Tangible Assets) liegt nach Anwendung der neuen Regulierung für 2028 bei 14,3 Prozent, der grosse Rivale Morgan Stanley kommt auf 23,3 Prozent, wie wir in unserer neuen Ausgabe aufzeigen. Das ist Gift für die Aktionäre. Die Grossbank wird die Lage intern akribisch analysieren und dabei auch die bankenfeindliche Grundhaltung der Regierung mit einbeziehen. Schnellschüsse gibt es nicht.

Werbung

Nächste Woche: Endlich Mid-Terms

Nächsten Dienstag finden sie endlich statt, die ausgiebig diskutierten Zwischenwahlen der USA. Da bleibt es immer wieder erstaunlich, wie stark die Umfragen trotz amerikanischer Tech-Dominanz daneben liegen – da ist das alte Europa deutlich genauer. Aber soweit herrscht Eintracht: Trumps Macht wird bröckeln, die Frage ist nur, wie stark.
Interessanter Früh-Indikator: Noch-WEF-Co-Chairman Larry Fink, der beim letzten WEF in Davos noch die monumentale Trump-Show organisierte. Die Gunstbezeugung gegenüber seinem Präsidenten war ein wesentliches Motiv des Blackrock-Lenkers für die Übernahme des WEF-Vorsitzes, doch jetzt kann sie zur Bedrohung werden. Fink galt als lebenslanger Demokrat und war in Hardcore-MAGA-Kreisen das Feindbild der Anti-Woke-Kämpfer. Seine Kehrwende zu Trump war extrem. Jetzt schlägt das Pendel langsam wieder in die andere Richtung, und das lässt Wirtschaftsführer mit zu radikalen Wendemanövern nicht gut dastehen. Fink steht da in der ersten Reihe. Da gibt er den Stab lieber an Lagarde weiter.

Über die Autoren

Werbung